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06.10.2017

09:21 Uhr

Anleger-Umfrage

Aus Enttäuschung ETF

VonAnke Rezmer

Viele private Investoren interessieren sich einer Umfrage zufolge für Indexfonds (ETFs). Sie sind enttäuscht von aktiven Fondsmanagern, wissen aber oft nicht genau, worauf sie sich einlassen – und haben überzogene Renditeerwartungen.

Anleger kaufen verstärkt Indexfonds wie die börsengehandelten ETFs. Rodger Bosch; AFP; Getty Images; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Trader in einer Investmentbank

Anleger kaufen verstärkt Indexfonds wie die börsengehandelten ETFs.

FrankfurtZehn Jahre ist die Finanzkrise inzwischen her, doch bei privaten Investoren wirkt die Zeit der Instabilität immer noch nach. Anleger geben zwar an, sich finanziell sicher zu fühlen und sich an langfristigen Finanzzielen zu orientieren – doch bei genauerem Hinsehen erkennt man die Narben der Krise noch: Viele Anleger sind von Misstrauen, Unkenntnis, aber auch hohen Ansprüchen geprägt.

Das ergibt eine Umfrage unter 8.300 Privatanlegern mit freiem Vermögen von mindestens 100.000 Dollar in 26 Ländern, die der französische Vermögensverwalter Natixis Global Asset Management durchgeführt hat. Die Ergebnisse für Deutschland, wo 400 Anleger befragt wurden, liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

„Private Anleger wünschen sich Transparenz und einen Gegenwert für ihr Geld“, hebt Jörg Knaf, Vertriebschef für Nordeuropa bei Natixis, aus der Umfrage hervor. Demzufolge sind sie oft enttäuscht von ihren Investments: So erwarten zwei Drittel der befragten Anleger weltweit und knapp 60 Prozent der deutschen Anleger, dass sie über ihre – meist aktiven – Fonds im Depot einen Wertpapiermix bekommen, der sich von Indizes unterscheidet. Doch drei Viertel der Anleger haben erfahren müssen, dass viele Fondsmanager zwar Gebühren für aktives Management erheben, aber tatsächlich nur Indizes nachbilden.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Früheren Umfragen von Natixis zufolge nennt eine Mehrheit von Großinvestoren und ein gewichtiger Teil der Finanzberater die Existenz solcher scheinbar aktiver Fonds als Grund dafür, dass Anleger verstärkt Indexfonds wie die börsengehandelten ETFs kauften.

Diese passiven Fonds, die im Vergleich zu aktiven Fonds einen Bruchteil an Gebühren kosten, sind seit Jahren international im Trend. Weltweit hat sich das Vermögen der ETFs zwischen 2012 und 2016 verdoppelt und beträgt inzwischen mehr als drei Billionen Dollar. In der gleichen Zeit stieg das Vermögen aller Investmentfonds um ein Viertel auf über 40 Billionen Dollar.

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Der turbulente Devisenmarkt bereitet Aktienanlegern derzeit alles andere als Freude. Schwankende Wechselkurse können schnell mal die Rendite auffressen. Dagegen helfen sollen spezielle ETFs. Doch lohnt der Extra-Schutz?

Trotz ihres zunehmenden Interesses an den Indexfonds, kennen sich private Anleger offenbar nur oberflächlich mit den Produkten aus. So ergibt die Umfrage, dass viele private Anleger gerade einmal die Grundzusammenhänge über die ETFs kennen. Die meisten Investoren wissen demnach, dass Indexprodukte Marktrenditen zu relativ geringen Gebühren liefern. Zugleich halten sie die Produkte aber auch für weniger riskant als aktive Fonds und glauben, damit Verluste verringern zu können.

Außerdem stellt Natixis fest, dass Wunsch und Realität bei vielen privaten Anlegern nicht zusammen passen. Die meisten befragten Privatinvestoren geben an, konkrete Ziele bei der Geldanlage zu haben, die im Durchschnitt extrem unrealistisch wirken. So fühlen sich rund zwei Drittel der Investoren weltweit finanziell sicher und haben klare Finanzziele. Dennoch sorgen sie sich, trotz der rekordniedrigen Kursschwankungen am Aktienmarkt, dass sie Kursverluste verzeichnen könnten und daher ihre Ziele nicht erreichen. Dazu passt, dass Anleger meist die Sicherheit vor Verlusten weiter über Renditeziele stellen.

Kommentare (3)

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Herr Klaus Dieter Probst

06.10.2017, 11:13 Uhr

Auch so ein lustiges Kapitel. Die Leute schätzen das was sie haben zu hoch ein und das was sie haben wollen wird nicht ausreichend gewürdigt. Naja. Bei solchen Leuten wiegt die Verlustangst "fünfzehnmal" so schwer, wie die Gewinnfreude. Das heißt der Schmerz 100 Euro zu verlieren, ist so stark wie 1500 Euro zu gewinnen. Normal ist das Verhältnis 1 zu 3. Ausserdem wollen sie überall dabei sein, ohne sich auszukennen. Geldanlagen sind wie Demostrationen, nur wer sich informiert weiß was geht. Der Rest ist Zuschauer und wartet das Andere für ihn die Arbeit machen. Gut "Deutsch" eben. Nix wissen, aber "mitschwätzen" (schwäbisch für reden). Wie gesagt: "Es bleibt lustig", gehen die Dinge auch verlustig.

Herr Toni Ebert

06.10.2017, 11:18 Uhr

Ich finde, man muss von den Fonds nicht enttäuscht sein.

Klar, die Fonds leben davon, dass sie Umsatz machen. Ob die Anleger Gewinne machen, ist ihnen eigentlich egal, Hauptsache der Umsatz stimmt. Darum machen die dann auch Windows Dressing, Hauptsache, es sieht gut aus.

Wenn man die Motive kennt, versteht man eigentlich schnell, um was es geht.

- Fond Manager wollen nur Umsatz machen
- Politiker wollen nur die Probleme lösen, die sie selbst als Problem deklariert haben

- Fäkal News und Goebbels-TV leben davon, dass sie Werbeeinnahmen bekommen und dass sie Gift spitzen (wie bei Horror-Filmen)


Herr Claus Fischbach

06.10.2017, 12:20 Uhr

Das gibt uns wieder einmal recht .... Investionen in unsere Art des Immobilien-Invest garantiert nicht nur zwischen 8% und 10% p.a. sondern ist auch zu 100% abgesichert. Was will man mehr ?

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