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09.10.2013

13:40 Uhr

Anlegerstudie

Dem Sparschwein geht es an den Kragen

VonDörte Jochims

Jeder Bundesbürger hat im Durchschnitt mehr als 62.000 Euro Geldvermögen. Ein Großteil davon war bisher in Tagesgeld investiert. Doch immer mehr Sparer denken um. Was sie derzeit kaufen und was wirklich sinnvoll ist.

Anleger bringen das Sparschwein zur Schlachtbank - endlich. Getty Images

Anleger bringen das Sparschwein zur Schlachtbank - endlich.

KölnEs ist eine Studie, die zunächst gar nicht in das übliche Bild vom deutschen Sparer passen will: „Viele Anleger machen sich Sorgen, weil die niedrigen Zinsen derzeit die Inflationsrate nicht abdecken. Sparkonten und Tagesgeld verlieren an Attraktivität“, sagt Giovanni Gay, Vorstand von Union Investment, der Fondstochter der Volksbanken-Gruppe.

Das Fondshaus hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt, 500 Anleger zu befragen. Ergebnis: 87 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten einen Anstieg der Inflation. Zudem äußerten sich 20 Prozent besorgt und 49 Prozent etwas besorgt über die Kombination von anhaltend niedrigen Zinsen und steigenden Preisen.

„Die Menschen in Deutschland erkennen langsam, dass sie ihre Geldanlage neu ausrichten müssen, um ihr Vermögen vor Inflation zu schützen. Aus diesem Grund investieren sie nach und nach in höher rentierliche Anlageformen“, so Gay.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Endlich! Die Sparer trennen sich vom Tagesgeld, das sich nach einer Analyse der FMH-Finanzberatung im Schnitt nur zu 0,5 Prozent verzinst, während die Inflation derzeit bei 1,4 Prozent liegt. „Es ist eine Anlage, die sich einfach auf Dauer nicht rechnet und die daher nicht geeignet ist, um langfristig Vermögen aufzubauen“, sagt Justus Heuer vom Institut für Behavioural Finance an der Universität Mannheim. Es sei daher grundsätzlich eine gute Entscheidung, nach Abzug eines Liquiditätspolsters mit dem Rest des Guthabens nach Anlagen mit besseren Renditechancen suchen.

„Doch gerade in der Niedrigzinsphase ist es eine Herausforderung, das Risiko zu managen“, sagt Heuer, der zu diesem Thema unlängst gemeinsam mit dem Ökonomie-Professor Martin Weber eine Studie verfasst hat. Wie sind die Deutschen also investiert? Was ändert sich gerade und was ist davon zu halten? Ein Blick in den jüngsten Monatsbericht der Bundesbank zeigt das Musterportfolio des Deutschen.

Kommentare (45)

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halskrause

09.10.2013, 13:51 Uhr

"Dem Sparschwein geht es an den Kragen"
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darum gehts doch.

Account gelöscht!

09.10.2013, 13:53 Uhr

Heute gehts aber rund im HB. Schon der zweite Artikel.
Wir bekommen deutlich gesagt wie reich wir doch alle sind und den kommenden Steuererhöhungen gelassen entgegen sehen können.

Account gelöscht!

09.10.2013, 13:58 Uhr

So ist es.

1. Wir sind alle unglaublich reich.

2. Wir schlachten unser Tagesgeld und kaufen Aktien wie die Wilden, obwohl wir davon keine Ahnung haben.

3. Von Staatsanleihen träumen hoffentlich gar nicht.

4. Schon sind wir da, wo man uns haben will. Pleite !!

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