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19.10.2011

16:54 Uhr

Axa kapituliert

Immobilienfonds stehen vor dem Aus

Die Krise der deutschen Immobilienfonds fordert bereits ihr nächstes Opfer. Der Fonds Axa Immoselect macht für immer dicht. Die Gesellschaft fürchtete eine Massenflucht der Anleger. Auch andere Fonds stehen vor dem Aus.

Der Fonds Axa Immoselect war zwei Jahre lang eingefroren. dpa

Der Fonds Axa Immoselect war zwei Jahre lang eingefroren.

FrankfurtDer Herbst der Entscheidungen bei den kriselnden Offenen Immobilienfonds beginnt mit einer herben Enttäuschung: Der seit fast zwei Jahren eingefrorene Axa Immoselect werde aufgelöst, teilte die Fondsgesellschaft Axa Investment Managers mit.

Die Gesellschaft sieht angesichts der massiven Rückgabewünsche der Anleger keine Chance mehr, den Fonds wieder zu öffnen. Mitte November wäre die Gnadenfrist für die vorübergehende Schließung abgelaufen - wie beim Degi International von Aberdeen , dem ein ähnliches Schicksal droht. Am 16. November ist der Stichtag, zu dem der Fonds wieder aufmachen müsste. In der Fondsbranche wird erwartet, dass dies nicht gelingt und auch dieser Fonds abgewickelt werden muss. "Wir sprechen aktuell intensiv mit den maßgeblichen Vertriebspartnern", hatte Aberdeen kürzlich auf Anfrage des Handelsblatts mitgeteilt.

Der Fonds kam zuletzt auf eine Liquiditätsquote von etwa 20 Prozent. Aberdeen hat bereits Erfahrung mit der Abwicklung eines Offenen Immobilienfonds: Das Ende des Degi Europa wurde bereits vor einem Jahr besiegelt. Auch der KanAm US-Grundinvest, der Morgan Stanley P2 Value und der TMW Weltfonds haben die Krise nicht überlebt. Inzwischen befinden sich hierzulande bereits fünf Offene Immobilienfonds in der Auflösung, weil sie nach der Finanzkrise nicht wieder auf die Beine gekommen sind.

Offene Immobilienfonds

Welche Fonds noch ansehnliche Renditen bringen

Früher brachten offene Immobilienfonds im Schnitt fünf Prozent, Jahr für Jahr. Heute dümpeln viele bei gerade einmal zwei Prozent Rendite. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

Nach der Lehman-Pleite 2008 hatten viele Kleinsparer, vor allem aber große institutionelle Investoren, auf einen Schlag ihre Gelder aus Offenen Immobilienfonds abgezogen. Aus Angst vor einer Schieflage stellten deshalb etliche Fonds die Rücknahme von Anteilsscheinen bis auf weiteres ein. Auch die gesetzliche Neuregelung der Branche sorgte zeitweise für Verunsicherung. Das Gesetz ist inzwischen zwar beschlossen. Doch die Anleger fassen offenkundig kein Vertrauen mehr in die Anlageklasse, die jahrzehntelang als grundsolide galt, weil Immobilien-Investments breit gestreut werden.

Das bekam nun auch Axa zu spüren - das Management gab sich ernüchtert: „Ein Festhalten an einer Wiederöffnung gegen das Votum eines Großteils der Anleger und gegen die Marktsituation verbietet sich von selbst“, erklärte Geschäftsführer Achim Gräfen. Die für Rückgaben zur Verfügung stehende Liquidität des 2,5 Milliarden Euro schweren Fonds lag zuletzt bei gerade einmal zehn Prozent - nötig sind in solchen Fällen 25 bis 30 Prozent. Ansonsten würde der Fonds sofort wieder in Schieflage geraten, wenn zu viele Anleger auf einmal heraus wollen. Nun werden die restlichen Immobilien abverkauft. Die Erlöse sollen halbjährlich ausgeschüttet werden, erstmals voraussichtlich im April. Die leidgeprüften Anleger brauchen also weiter einen langen Atem.

Besonders gespannt blickt die Branche aber auf die beiden Schwergewichte, den CS Euroreal und den SEB ImmoInvest. Beide sind jeweils rund sechs Milliarden Euro schwer. Die Fonds müssen spätestens bis Mai nächsten Jahres wieder aufmachen - oder ein für alle Mal schließen. Mit Hochdruck arbeiten sie derzeit an Objektverkäufen, um genug Geld in die Kasse zu bekommen.

Credit Suisse Asset Management hat die Hoffnung für den CS Euroreal noch nicht aufgegeben, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Heuß zu Reuters sagte. „Es sieht im Moment so aus, als ob wir die Wiederöffnung noch in diesem Jahr schaffen.“ Notfalls könnte der Fonds auch erst im Frühjahr wieder öffnen. „Aber Aufgeben ist für uns keine Option. Wir glauben weiter an das Produkt.“ Die Liquiditätsquote liegt derzeit bei 21 Prozent. Sie könnte auf 25 Prozent steigen, wenn die aktuell laufenden Verkaufsverhandlungen für drei weitere Immobilien erfolgreich abgeschlossen werden, wie Heuß betonte. Auch SEB-Fondsmanagerin Barbara Knoflach will den ImmoInvest noch in diesem Jahr wieder öffnen. In Sachen Liquidität hinkte der Fonds dem CS Euroreal zuletzt allerdings noch etwas hinterher.

Kommentare (9)

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steve

19.10.2011, 15:19 Uhr

ist schon peinlich für so eine große Gesellschaft. Die hätten doch einfach einen Preisabschlag machen können und die Immobilien in die eigenen Bücher nehmen können. Schließlich ist das doch der große AXA-Konzern. Ich finde, dass das Krisenmanagement in diesem Fall nicht gut ist. Wenn ich dann sehe, wie massiv das Marketing für ander Produkte läuft. Daher kommt einfach das schlechte Image der Banken, weil einfach keine Ehrlichkeit herrscht. Bin mal gespannt, ich habe den Fonds selbst, wie hoch dann der Verkaufserlös am Ende sein wird! Gibt es jemanden, der mit anderen ex-offenen Produkten Erfahrung hat. Wie hoch ist denn da am Ende die Quote gewesen im Vergleich zum letzten Kurs? Danke

Account gelöscht!

19.10.2011, 15:24 Uhr

Die Frage nach der Quote wird man erst beurteilen können, wenn das Fondsvermögen komplett aufgelöst ist. Kein Fonds hat das bisher hinter sich.

Man sollte eigentlich erwarten, dass ein Konzern, der sich damit rühmt, 1,1 Billiionen Euro zu verwalten, einen nachhaltigen Imageschaden unter allen Umständen vermeiden will.

Wer will denn sonst bei AXA noch Geld anlegen oder sin Auto dort versichern?

European

19.10.2011, 15:27 Uhr

Also wer die Fondsanteile nicht in den letzten zwei Jahren über die Börse veräussert hatte, der wusste ja was auf ihn zukommt.

Steve: Ihre Hoffnung, dass eine Gesellschaft die Anleger schon rausboxt, halte ich für etwas "romantisch".

Kommissar: Mir kommen die Tränen.

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