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04.01.2013

14:16 Uhr

Bilanz 2012

Wachwechsel in der Fondsbranche

VonDörte Jochims

2012 war für viele Fonds-Anleger ein gutes Jahr. Doch ein Fünf-Jahres-Rückblick zeigt: Die Strategien vieler Superstars gingen nicht auf. Neue Talente springen in die Bresche. Welche Produkte einen Blick wert sind.

Gute Zeiten für Geldanleger: Die Börsen liefen im vergangenen Jahr prächtig. Reuters

Gute Zeiten für Geldanleger: Die Börsen liefen im vergangenen Jahr prächtig.

FrankfurtZum Jahreswechsel suchten Anleger die Marktkommentare von Klaus Kaldemorgen und Heidrun Heutzenröder vergebens. Denn beide geben ihre Fonds auf. Während sie das Platzen der Technologieblase und die nachfolgende Baisse mühelos gemeistert hatten, sind sie an der aktuellen Finanzkrise gescheitert. 2013 beginnt daher nicht mehr mit Kaldemorgen, Lingohr und Ehrhardt. Jetzt geben Namen wie Bert Flossbach und Peter E. Huber den Ton an, die zu Recht immer mehr Anleger begeistern.

Denn das Aktienjahr 2012 verlief gerade für den Deutschen Aktienindex (Dax) außerordentlich erfolgreich. 26 Prozent Plus innerhalb von zwölf Monaten haben Anleger verdient, die direkt auf das Börsenbarometer setzten.

Fondsbilanz: Gefallene Stars

Fondsbilanz

Gefallene Stars

Sie waren oft über Jahre die Stars der Fondsszene und bescherten ihren Anleger lange überdurchschnittliche Renditen. Doch die Finanzkrise ließ ihren Stern sinken, auch den von Vermögensverwalter Jens Ehrhardt.

Doch die Börse Istanbul und Thailand legten noch stärker zu. Vor allem Aktienfonds, die auf den türkischen Aktienmarkt setzten erzielten daher in den vergangenen zwölf Monaten hohe Renditen. Doch der Bestperformer unter allen 22.000 Fondstranchen, die die Ratingagentur Morningstar beobachtet, heißt für 2012 Antecedo CIS Strategic Invest (Isin DE000A0YJL93).

Fondsmanager Kay-Peter Tönnes investiert zu rund 50 Prozent in kurz laufende Anleihen hoher Bonität und zu etwa 50 Prozent in eine selbst entwickelte Options- und Handelsstrategie und erzielte damit in den vergangenen zwölf Monaten 74 Prozent Plus. Langfristig strebt er eine Zielrendite von zehn Prozent per annum über der Verzinsung am Geldmarkt an. Dieses Ziel wurde seit der Fondauflegung im August 2010 zwar übertroffen. Doch die Absolute Return Strategie von Kay-Peter Tönnes birgt hohe Risiken. So lag die Peformance 2011 bei minus 24 Prozent.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Auch der schlechteste Fonds des Jahres 2012 arbeitet mit Derivaten. Der Salus Managed Futures Fonds (Isin AT0000A08QJ5) verlor sage und schreibe 49 Prozent. In den Jahren 2009 und 2011 hatte sich das Portfolio bereits unterdurchschnittlich entwickelt.

Beide Fonds sind für Anleger kein Kauf- auch wenn der Erfolg der Börse Istanbul erfreulich ist. Doch derartige Übertreibungen wiederholen sich nur selten im nächsten Jahr. Und so landen viele Spitzenreiter auf Jahressicht ein Jahr später in den Rankings weit unten. Wer hingegen Fonds sucht, in die er auf lange Sicht investieren will, sollte daher längere Zeiträume betrachten.

Dauerbrenner-Fonds: Langfristig ganz vorn

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Langfristig ganz vorn

Wer in diese Fonds investiert ist, kann sich gratulierten. Denn Fondsmanager wie Bert Flossbach zählen vor und während der Krise zu den Besten. Welche Produkte im langfristigen Vergleich vorne liegen.

Der Fünf-Jahres-Zeitraum gilt dabei als ideal, weil diese Zeitspanne etwa die Länge eines Konjunkturzyklus zeigt. Derzeit ist die Frist besonders interessant. Zu Beginn der jüngsten Fünf-Jahres-Frist, also im Januar 2008, war gerade die US-Immobilienblase geplatzt. Doch die amerikanische Immobilienkrise war noch keine weltweite Finanzkrise. Der große Kursrutsch stand noch aus. Schließlich war die Lehman-Bank noch nicht pleite und die Schuldenkrise im Euroraum noch nicht ausgebrochen. Der Dax hatte das Börsenjahr bei knapp 8.000 Punkten geschlossen.

Kommentare (7)

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flyingfridge

04.01.2013, 11:10 Uhr

"Und so landen viele Spitzenreiter auf Jahressicht ein Jahr später in den Rankings weit unten."
Frau Jochims denkt womöglich auch, dass wenn man eine Sechs gewürfelt hat, beim nächsten Wurf schlechtere Chancen auf eine Sechs hat. Sozusagen ausgleichende Gerechtigkeit.

X_TRADER

04.01.2013, 11:20 Uhr

" Fondsmanager " sind auch nur studierte Opfer. Mit Algo-Trading gilt es, schnell rein und wieder schnell raus im Sekunden- oder Minutentakt.

Rubikon

04.01.2013, 12:39 Uhr

Interessant wäre es gewesen, die übrig gebliebene Rendite
NACH Abzug der TER (Kosten) und Performance-Fees mitzuteilen.

Danach sieht die Performance für den Anleger noch mieser aus.
Rechnet man selbst die offiziellen Inflationsraten mit rein
bleibt nur noch ein fettes Minus.
Also schön aufpassen, wenn man derzeit wieder die Aktienanlage wegen der liquiditätsgetriebenen Hausse die Gassen hoch und runter lobt.
Alles eingepreist und die Unternehmenszahlen werden selbst in Deutschland in den nächsten Quartalen wohl kaum besser. Also wer sollte den Kaufpreis bei diesem Umfeld treiben wollen - außer heißes, dummes Geld in den Händen der Zittrigen.

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