Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

10:08 Uhr

Blackrock

Der größte Aktionär Deutschlands

VonRolf Benders, Ingo Narat, Ulf Sommer

Der US-Vermögensverwalter Blackrock ist der einzige Anleger, der in jedem großen deutschen Konzern investiert ist. Wie der Chef Larry Fink mit seinem geschickten Geschäftsmodell und beharrlicher Strategie zum Star an der Wall Street wurde.

Blackrock-Chef Laurence "Larry" Fink. Reuters

Blackrock-Chef Laurence "Larry" Fink.

NEW YORK/FRANKFURT/DÜSSELDORF . Als Laurence "Larry" Fink 1988 mit seinen Freunden beschließt, ein eigenes Anleihehaus zu gründen, sitzen sie in einem kargen Einraumbüro in New York. Damals firmieren sie noch als "Blackstone Financial Management", gehören also zur Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Doch es dauert nur vier Jahre, bis sich Fink abnabelt und die Eigenständigkeit auch im Namen sichtbar macht: Der Stein muss dem Felsen weichen, aus Blackstone wird Blackrock. Blackrock ist zu dem Zeitpunkt ein reines Anleihehaus mit einem Faible für Risikomanagement, was sich später als Wachstumstreiber erweisen sollte.

An die spärlichen Anfänge ist heute nicht mehr zu denken. 23 Jahre später ist Blackrock Weltmarktführer unter den Vermögensverwaltern. Das 3,5 Billionen Dollar schwere amerikanische Finanzunternehmen ist der einzige Anleger, der bei jedem großen deutschen Konzern wiederzufinden ist. Damit ist Blackrock der größte Aktionär bei deutschen Unternehmen.

Die Grundlage hierfür legte Blackrock 2009: Mit dem Kauf der Vermögensverwaltungssparte von Barclays mit einem Kapital von insgesamt weit über einer Billion Dollar stieg der Investor mit einem Mal zum weltweiten Marktführer auf. Die britische Bank brauchte in der Finanzkrise dringend und viel Geld, um der Insolvenz zu entkommen - Blackrock zahlte 13,5 Milliarden Dollar. Eine Hälfte in bar, die andere in Aktienpaketen durch den Erwerb von Barclays Global Investors und I-Shares, dem Weltmarktführer für passiv gemanagte Indexfonds. Diese Indexfonds bilden einen Index wie den Dax eins zu eins ab. Das simple Modell spart Ausgabeaufschläge, laufende Kosten und ist obendrein erfolgreicher als die Anlage der meisten hochausgebildeten Fondsmanager.

Mit I-Shares wurde Blackrock Aktionär bei jedem Dax-Konzern. Zusammen mit den übrigen Pensions- sowie den alten und neu erworbenen Investmentfonds stiegen die Amerikaner zum größten Aktionär der deutschen Industrie und Banken auf. Blackrock hält gegenwärtig an neun Dax-Konzernen Anteile zwischen fünf und knapp neun Prozent: an Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Bank, Heidelberg Cement, Infineon, Merck und Munich Re. Entweder über seine aktiven verwalteten Aktienfonds oder über seine Indexfonds auf Dax und europäische Aktien-Messlatten. Das ist beispiellos in der deutschen Unternehmensgeschichte.

Mit seinem Geschäftsmodell ist Larry Fink der Star an der Wall Street. Seine Grundidee war es, Unternehmen das Management ihrer Pensionsverpflichtungen abzunehmen. Rasch kamen die Geldanlage für Stiftungen und Regierungen und vor allem aktiv gemanagte Investmentfonds hinzu - alles mit dem Ziel, Anlegern eine gute Rendite zu bescheren. Aus einer kleinen Bude baute Fink so den heute börsennotierten Vermögensverwalter auf - mit Firmenkäufen, die in ihrer Größenordnung im Asset-Management vorher völlig unbekannt waren. Und er hat als einer der wenigen Wall-Street-Größen die Finanzkrise unbeschadet überstanden, hat sogar vom Stress der Konkurrenten und Banken mit toxischen Wertpapieren profitiert, weil er sich als Retter profilieren konnte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×