Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.10.2015

09:04 Uhr

Börsencrash oder Korrektur nach VW?

„Die Märkte sind ein bisschen angeschossen“

VonJessica Schwarzer

Die Märkte sind nervös und schwanken daher sehr, sagt Eckhard Sauren. Der bekannte Dachfondsmanager über die wirklich wichtigen Themen an der Börse – und eine rein deutsche Perspektive auf den VW-Skandal.

Dachfondsmanager

Eckhard Sauren

Dachfondsmanager

Eckhard Sauren ist Deutschlands bekanntester Dachfondsmanager. Er ist überzeugt, dass der VW-Skandal im aktuellen Marktumfeld global eher ein untergeordnetes Thema ist. Das bestätigen ihm auch seine Gespräche mit vielen Fondsmanagern. Das sich abschwächende Wachstum in China und die erwartete Zinswende in den USA sind das größere Thema. Auf welche Herausforderungen sich Investoren einstellen müssen und warum klassische Anlagestrategien nicht mehr funktionieren.

Herr Sauren, wie haben Sie die vergangenen Börsenwochen erlebt?
Ehrlich gesagt relativ entspannt.

Die Deutschen und Aktien

Spekulationsobjekt

Eine aktuelle Studie der Direktbanken zeigt, dass Aktien von Privatanlegern weiterhin als extrem risikobehaftet wahrgenommen werden. Für 46 Prozent der Befragten ist die Aktie ein „rein spekulatives“ Anlageinstrument.

Quelle: „Aktion pro Aktie “

Geldanlage für Reiche

Eine Aktie ist für über die Hälfte der befragten Personen nur etwas für vermögende Investoren. 51 Prozent sind der Auffassung, dass eine Aktieninvestition nur für reiche Personen lukrativ ist.

Sicherheitsorientiert

Wenn sich deutsche Anleger für eine Investition in Aktien entscheiden, legen sie weiterhin den Fokus auf Sicherheit. 71 Prozent investieren konservativ und sicherheitsorientiert in Aktien.

Langfristige Wertsteigerung

Aktienkäufer in Deutschland lassen sich nicht von dem täglichen Auf-und Ab an den Märkten verführen. Sie hoffen auf eine langfristige Wertsteigerung. Die Studienergebnisse zeigen, dass 74 Prozent der Probanden höchstens zweimal im Jahr handeln.

Der September war aber doch ein sehr schwacher Börsenmonat, der August ebenfalls …
Unsere Portfolios sind gut aufgestellt und haben mit Absolute-Return-Strategien auch in den vergangenen Wochen positive Erträge generiert. Solche Long-Short-Strategien waren das einzige, was zuletzt lief.

Sie haben also auf Fonds gesetzt, die auch auf abstürzende Kurse spekulieren?
Es sind marktneutrale Strategien, die eben auch in fallenden Märkten Geld verdienen können. Das bringt natürlich Ruhe in unsere Depots. Wir haben ja in den vergangenen Wochen sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen eine hohe Volatilität, also starke Schwankungen erlebt.

Als Dachfondsmanager sprechen Sie natürlich mit vielen Fondsmanagern. Welche Themen treiben die Profis jetzt um?
Kernthema ist auf jeden Fall das schwächelnde Wachstum der chinesischen Wirtschaft und seine Auswirkungen auf die Weltkonjunktur. Wenn Chinas Wirtschaft weniger stark wächst, dann hat das natürlich Auswirkungen auf europäische Unternehmen. Sie erzielen ihr Wachstum größtenteils – mitunter sind es 40 bis 50 Prozent – in China. Wenn das zurückgeht, erleben wir natürlich eine Korrektur der Börsenbewertungen. Einen Vorgeschmack darauf haben wir bereits bekommen.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr C. Falk

07.10.2015, 11:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Oliver Klima

07.10.2015, 11:37 Uhr

Hallo Frau Schwarzer,

das ist eine gute Zusammenfassung des momentanen Sentiments im Markt.

Mich würde die Antwort eines Profis über die Mechanismen der Zinsentwicklung interessieren. In dem vorliegenden Artikel hat Herr Sauren ausgeführt, "Der Markt ist derzeit überwiegend der Meinung, dass wir noch auf längere Sicht niedrige Zinsen haben werden."

Mich beschäftigt im Moment genau diese Frage sehr, ob Frau Yellen überhaupt noch das Instrument in den Händen hält, um die Zinsentwicklung maßgeblich zu bestimmen. Wenn Yellen den Refinanzierungszinssatz in den USA erhöhen würde, dann stieg bisher auch der LIBOR.

Aber gilt das auch heute noch so? Hat die USA diese Marktmacht noch?

Jetzt nehme ich zwei weitere Akteure in die Überlegung rein, nämlich China und Japan. Beide Länder dürften auch heute noch über beträchtliche Rücklagen an USD- und EURO-Anleihen verfügen. Mal angenommen, die Chinesen würden die USD-Staatsanleihen noch stärker im Sekundärmarkt verkaufen als bisher, dann würden die Preise für USD-Staatsanleihen sinken und der Zins aus der Anleihe rechnerisch steigen.

1. Stimmt die Aussage, dass je stärker die Chinesen USD-Anleihen im Sekundärmarkt verkaufen, umso stärker fallen die Preise der Anleihen, womit deren Verzinsung steigt?

2. Stimmt die Aussage, je stärker die Verzinsung im Sekundärmarkt steigt, umso höher müssen die USA die Zinsen bei neu emittierten Staatsanleihen erhöhen?

3. Stimmt die Aussage, dass wenn Bernanke und Yellen die Anleihen nicht über die FED ankaufenwürden, dass dann der Sekundärmarkt zusammengebrochen wäre, weil der Markt das riesige Angebot an Anleihen im Sekundärmarkt nicht aufgenommen hätte?

4. Stimmt die Aussage, dass die Anleihekäufe der Zentralbanken sehr hilfreich dafür sind, die rechnerischen Zinsen im Sekundärmarkt niedrig zu halten, indem die Anleihen nicht an der Börse im Sekundärmarkt verkauft werden, sondern direkt von der Zentralbank angekauft werden?

Herr Oliver Klima

07.10.2015, 11:41 Uhr

Vielleicht könnte mal das HB einen Profi fragen, ob die EZB und die FED Anleihen in Wirklichkeit deshalb kauft, weil sie sonst niemand mehr kaufen möchte.

Was nämlich dauernd zu lesen ist, dass die Anleiheankäufe erfolgen würden, um die Deflation gering zu halten, dass macht für mich keinen Sinn, um es diplomatisch auszudrücken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×