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31.03.2014

12:54 Uhr

Börsenexperte im Interview

„Gewisse Bescheidenheit sollten Anleger mitbringen“

VonJessica Schwarzer

Nach der Rally sind Aktien nicht mehr billig, meint Tilmann Galler. Der Anlageexperte erklärt, wo Anleger jetzt noch Schnäppchen machen können und warum es gefährlich ist, nur auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis zu schauen.

Wohin geht die Reise an den Märkten? dpa

Wohin geht die Reise an den Märkten?

Wie geht es weiter an den Märkten? Tilmann Galler, Portfolio-Manager und Stratege bei JP Morgan Asset Management in Frankfurt, ist optimistisch, auch wenn seine Euphorie nachgelassen hat.

S&P 500 und auch Dax notieren nahe ihrer Allzeithochs. Wie geht es weiter?
Ich erwarte eine Aufholjagd.

Eine Aufholjagd?
2013 war ein exzellentes Jahr für Aktie. Die Märkte haben allerdings viele Vorschusslorbeeren verteilt. 2014 müssen die Unternehmen liefern. Und die Konjunktur muss weiter anziehen, denn auch das haben die Märkte bereits vorweggenommen. Jetzt müssen Unternehmen liefern und die Konjunktur sollte Tritt fassen. 

Tilmann Galler ist Portfolio-Manager bei JP Morgan Asset Management. PR

Tilmann Galler ist Portfolio-Manager bei JP Morgan Asset Management.

Störfeuer könnte von Seiten der Notenbanken kommen, vor allem der amerikanischen…
Natürlich ist das Thema Drosselung der Anleihekäufe – Stichwort Tapering – mittlerweile im Gange. Wir gehen davon aus, dass die Anleihekäufe der US-Notenbank bis Ende 2014 auf null heruntergefahren werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie dann auch schon die Zinsen erhöht. An der Zinsfront sehen wir dieses Jahr noch keine Verschärfung. Dennoch: Für die Aktienmärkte heißt es spätestens Ende des Jahres, dass die Unterstützung durch die Notenbanken abnimmt.

Wenn die Notenbanken die Märkte also nicht mehr mit Liquidität überschwemmen, bedeutet das dann zwangsläufig sinkende Aktienkurse?
Davon gehe ich nicht aus, vor allem weil die Weltkonjunktur immer mehr in Schwung kommt. Dies wird an den globalen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe deutlich. Hier stehen die Zeichen auf Wachstum, allerdings gibt es einige Ausnahmen. Die Emerging Markets erleben eine relative Schwächephase. Dort verläuft die Konjunktur etwas holprig. Länder wie die Türkei oder auch Indonesien sind merklich unter Druck geraten, auch wenn die Regierungen mittlerweile gegensteuern. Generell können wir jedoch mit einer höheren Volatilität von risikobehafteten Anlageklassen rechnen je stärker sich die Notenbanken zurückziehen.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Besser sieht die Lage in der Euro-Zone aus…
Die Euro-Zone hat die Rezession inzwischen verlassen. Im vierten Quartal lag das Wachstum bei 0,5 Prozent. Das Wachstum könnte sich in den nächsten Quartalen seinem langfristigen Durchschnitt von 1,4 Prozent nähern. Das Ganze bei einer Inflation, die de facto nicht mehr vorhanden ist. Im Gegenteil: In den Peripheriestaaten wird eher Deflation eine Rolle spielen.

Wie sieht es am Immobilienmarkt aus?
Hier ist die Lage sehr differenziert. In Deutschland und Ländern wie Schweden oder Großbritannien sind die Häuserpreise in den vergangenen Jahren gestiegen. In den Krisenstaaten hingegen sind sie stark gesunken. In Irland, wo die Preise sich seit 2007 halbiert hatten, sehen wir eine Trendwende. In anderen Peripherieländern sehen wir eine Bodenbildung. Die spanischen Häuserpreise liegen beispielsweise 30 Prozent unter ihrem Vorkrisenniveau. 

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.04.2014, 09:23 Uhr

Das Wort "Bescheidenheit" aus dem Munde eines (hoch bezahlten) Bankers zu hören, ist wie Hohn und Spott.

Üben Sie sich mal in Demut und Respekt vor den Bedürfnissen ihrer Anleger, Herr Galler.

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