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04.12.2012

10:48 Uhr

Börsennotierte Indexfonds

ETF-Berater erhält Millionenstrafe

Für massive Verluste seiner Kunden muss ein US-Anlageberater nun selbst tief in die Tasche greifen. Die schwer durchschaubaren Indexfonds-Geschäfte waren den Klienten zum Verhängnis geworden.

Für viele US-Kunden wurden börsennotierte Indexfonds zum Verhängnis. Reuters

Für viele US-Kunden wurden börsennotierte Indexfonds zum Verhängnis.

New YorkIn den USA muss ein Anlageberater mit 1,8 Millionen Dollar für die Verluste seiner Kunden aus dem Geschäft mit komplexen börsennotierten Indexfonds (ETFs) geradestehen. Nicholas Rowe von Focus Capital Wealth Management in Bedford, New Hampshire, wurde nach Angaben der US-Finanzaufsichtsbehörde Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) wegen Fahrlässigkeit, Betrug und anderer Vergehen verurteilt. Wie schon bei anderen Verfahren zuvor ging es auch in diesem Fall um Short-ETFs, die auf fallende Kurse setzen, sowie um gehebelte ETFs, die Wertentwicklungen von Indizes überproportional nachvollziehen.

Short-ETFs bilden einen Index auf täglicher Basis umgekehrt ab, machen also zum Beispiel aus Verlusten Gewinne. Auch gehebelte ETFs basieren auf der täglichen Wertentwicklung von Indizes. Das macht die Fonds für langfristige Investitionen ungeeignet, weil Anleger die Wertentwicklungen kaum abschätzen können. "Die Faustregel bei solchen Fonds lautet, dass sie nicht mehr das machen, was man gedacht hat, wenn man sie länger als einen Tag hält", sagte ETF-Analyst Ben Johnson von Morningstar.

Von dem 1,3 Billionen Dollar schweren ETF-Markt in den USA sind nach Angaben des zu Thomson Reuters gehörenden Analysehauses Lipper nur rund 27 Milliarden in solchen Produkte angelegt. Seit 2009 warnen die FINRA und andere Aufsichtsbehörden vor diesen komplexen ETFs, weil Berater die Produkte an eher langfristig orientierte Anleger verkaufen würden. Viele Investoren verstehen nach Meinung von Anwälten die Risiken solcher ETFs nicht.

Im vorliegenden Fall erhalten die neun betroffenen Anleger insgesamt 1,3 Millionen Dollar Entschädigung und 500.000 Dollar für Gebühren, Zinsen und angefallene Kosten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Privat

07.12.2012, 09:34 Uhr

Schaut man sich die großen Skandale der Finanzwelt an, so waren es immer Händler, die mit ganz neuen und komplexen Finanzprodukten spekulierten, eine Zeit lang Gewinn machten, als "Helden" gefeiert wurden und sodann grandiose Verluste einfuhren.

Und weder Vorstände, Risiko-Manager oder Compliance Officer durchschauten die Produkte oder verstanden gar das Risiko.

Kein Wunder, denn die "new product approval processes" zur Zulassung neuer Finanzprodukte sind nur darauf ausgerichtet, die komplexen Papiere in den Back-Office-Systemen abwickeln zu können. Eine adäquate Risiko-Betrachtung wird zumeist vernachlässigt, wenn die Händler dem "Gold-Fieber" verfallen und die Vorstände der Gier nach Bonus und Prestige.

Fast olympisch, möchte man sagen: Dabei sein ist alles!, auch bei den Verlusten. Denn auch bei den großen Olympia-Veranstalltungen zahlt letztlich der Steuerzahler die Zeche.

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