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06.08.2011

10:04 Uhr

Börsentalfahrt

„Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“

VonAstrid Dörner

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital, prophezeit im Handelsblatt-Gespräch Panik an den europäischen Finanzmärkten. Nun sei die Politik gefragt.

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital (CWOC) Quelle: Ann Johansson / Agentur Focus für Handelsblatt

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital (CWOC)

Herr Fisher, vor gut einem Jahr gehörte Ihr Hedge-Fonds zu jenen, die auf einen fallenden Euro gewettet haben. Wo stehen wir jetzt?

Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt. Die Krise in Griechenland hat auf andere Länder übergegriffen. Die Frage ist, ob die Politik die Ansteckung eindämmen kann. Die Situation ist gefährlich geworden.

Woran machen Sie das fest?

Ich habe mir die Renditen der italienischen und spanischen Staatsanleihen angesehen. Sie sind jetzt schon viel zu hoch. Es ist wie an jenem Freitag im März 2008, bevor die US-Investmentbank Bear Stearns gerettet werden musste. Die Aktie fiel von 60 auf 30 Dollar, und mir war klar: Bear Stearns ist bankrott.

Wieso?

Sobald Marktpreise sich stark genug bewegen, gibt es keine Investoren mehr. Die wollen alle verkaufen. Wer bleibt, sind Spekulanten. Bei den Staatsanleihen ist es umgekehrt als bei Aktien: Sobald die Renditen stark genug steigen, will keiner mehr die Papiere haben. Höchstens Spekulanten und ein paar spanische oder italienische Banken, die aus regulatorischen Gründen kaufen müssen, bleiben im Markt. Sobald dieses psychologische Verhalten auftritt, weiß man: Es ist vorbei.

Was muss die Politik tun, um die Märkte zu beruhigen?

Die Märkte werden nichts Geringeres mehr akzeptieren als etwas, was ich die „Panzerfaust-Lösung“ nenne. Sie wollen eine ganzheitliche Lösung sehen.

Wie könnte so etwas aussehen?

Im Moment wollen die Märkte eine der drei Optionen. Erstens: eine vollständige fiskalische Einheit Europas, etwa durch Euro-Bonds, zumindest für alle Mitglieder der EU außer Irland, Griechenland und Portugal. Aber wir glauben nicht, dass das passieren wird. Zweitens: eine massive Intervention der Europäischen Zentralbank. Das könnte passieren, auch wenn die EZB diese Option hasst. Drittens: eine deutliche Vergrößerung der European Financial Stability Facility.

Kommentare (53)

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Account gelöscht!

06.08.2011, 11:08 Uhr

Das einzige was helfen könnte wäre eine konsequente,drastische Anhebung der Steuern für Superreiche und eine Flächendeckende Erhöhung der Löhne der Gering- und Geringstverdiener.Steueroasen dicht machen,damit das Argument wegfällt,das Kapital verhalte sich wie ein scheues Reh und flüchte.Ansonsten hält die kommende Inflation nichts auf.Auch eine Lösung.Dann können wir ja wieder von vorne anfangen.Also nach dem Bürgerkrieg,meine ich.

SeriousSam

06.08.2011, 11:23 Uhr

All diese Vorschläge bedeuten unterm Strich: noch mehr Kosten und Risiken den deutschen Steuerzahlern aufbürden. Damit 'die Märkte', also Gagnster-Hedgefonds noch mehr zigmilliarden an Pfofit absschöpfen können.

Viel klüger wäre es, diese Bailoutomania sofort einzustellen und keine Steuergelder mehr nachzuschieben. Dann müssten sich die Zocker anderen Zielen zuwenden.

jagerkini

06.08.2011, 11:49 Uhr

wer´s immer noch nicht begriffen hat: vernetzte Computerprogramme, von denen die meisten in den USA stehen, sind Hauptverursacher dieser aberwitzigen Volatilität. Wie wär´s damit: Einstellung des Handels mit futures, sobals ein Index 1% über oder unter Vortagesschluß handelt. Ich gehe jede Wette ein: ein riesiger Aufschrei in der Finanzindustrie; womit sich die Verursacher dieser sog. Krisen selbst entlarven

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