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29.11.2012

15:15 Uhr

Börsenweisheit

Liebe Anleger, hört auf Eure Gefühle!

VonJessica Schwarzer

Verliebt in die eigene Aktie? Das kann gefährlich werden. Doch manchmal sind Gefühle an der Börse gar nicht so schlecht, wie Experten sagen. Wann Anleger gefühlsbetont sein dürfen und wann es gilt, eiskalt zu handeln.

Emotionen bestimmen das Börsengeschehen - auch Profis geht das Auf und Ab der Kurse mitunter an die Nerven. dpa

Emotionen bestimmen das Börsengeschehen - auch Profis geht das Auf und Ab der Kurse mitunter an die Nerven.

DüsseldorfWer kennt das nicht? Eine Aktie schlummert seit Jahren im Depot. Vor langer Zeit notierte sie mal im Plus, warf vielleicht sogar jahrelange satte Dividenden ab – doch das ist längst Geschichte. Der Aktienkurs ist abgeschmiert, das Papier dümpelt vor sich hin und die Dividende ist auch längt zusammengestrichen worden. Hoffnung auf baldige Besserung gibt es nicht. Die Geschäfte laufen schlecht, Kurserholung oder Dividendenerhöhung sind nicht in Sicht.

Trotzdem fällt die Entscheidung schwer, sich endlich von der Aktie zu trennen. Sei es aus Sympathie, falscher Hoffnung oder mangelnder Entscheidungsfreude.

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Es ist eine Krux mit den Gefühlen und der Geldanlage. Wer sich von Gier, Angst oder gar Panik leiten lässt, macht schnell Fehler. Wer sich in seine Aktien verliebt, agiert nicht mehr rational. Experten predigen fast schon gebetsmühlenartig, dass Anleger ihre Emotionen ausschalten sollten. Max Otte beispielsweise ist überzeugt: „Gefühle haben bei Investments nichts zu suchen.“ Der Buchautor und Fondsmanager ergänzt: „Man muss sie aufspüren, weil sie manchmal unter dem Mantel der Rationalität daherkommen, und besiegen.“

Ganz so streng war André Kostolany nicht. Der Altmeister der Börse sagte einst: „Beim Kauf einer Aktie sollte man gefühlsbetont sein, beim Verkauf leidenschaftslos.“ Klingt eigentlich einfach, ist es aber nicht. „Das Börsengeschehen lebt von Emotionen. Hoffnung, Angst, oder – im Extremfall – Gier haben wesentlichen Einfluss auf Anleger und Kurse“, weiß Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. „Das Geheimnis erfolgreichen Investierens ist es jedoch, sich niemals in eine Aktie zu verlieben, die man besitzt.“ Denn es werde unweigerlich die Zeit kommen, an der man sie verkaufen müsse.

Ein paar Gefühle sind aber manchmal gar nicht so schädlich, um Trends aufzuspüren und die künftigen Gewinner an den Börsen zu identifizieren. Markus Zschaber ist zwar ein überzeugter Anhänger der detaillierten Analyse und Bewertung der fundamentalen Daten, doch der Vermögensverwalter muss ein gestehen, dass  „die Bereitschaft sich in die strategischen Planungen und Visionen des Unternehmens hineinzuversetzen und diese nachvollziehen zu können, einen wichtigen Stellenwert einnimmt.“

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Allerdings warnt auch er vor zu viel Gefühl: „Eine Handelsentscheidung jedoch rein oder zu stark – wie in dieser Börsenweisheit – auf emotionale Ableitungen zu stützen, erachte ich als nicht zielführend.“

Kommentare (7)

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kraehendienst

29.11.2012, 15:29 Uhr

Juuuu!!! Diese Gefühle, these feelings, sie sagen ganz klar, dass eine Implosion bevorsteht. Der Größenwahn der Politik, allen voran Mutti-2.0 der einstigen DDR und hinter ihr der Haushund Barroso, mehr auf Mittelmeeryachten denn in Brüssel, resp. Straßbourg zum Dinner wird Europa politisch und wirtschaftlich erschlagen. Kulturell wird Europa seit Jahren geholzt. Nun will Barri eine "Vergemeinschaftung" der Schulden. Also eine Verwässerung etwa der deutschen Einlagensicherung und damit wohl Deflation deutscher Guthaben. Diesem Mann gehört der Kopf stärkstens VERWÄSSERT!! Und dann noch gekochte-Natrium-version. Ganz einfach. So laufen myfeelings.com

salpeter

29.11.2012, 15:38 Uhr

Die meisten Anleger hören doch auf ihre Gefühle! So pushte etwa vor 2 Jahren bei Beginn der Griechenlandkrise der hier "etablierte", dann abgetauchte Anleger "daytrader" mit seinem Plädoyer FÜR GREXIA-ANLEIHEN zumindest auf seinem Demokonto deren Kurse...;-)) Andere "legen ihr Geld" in versaudummenden Smartphone/iPhones (idiotenphones) an. Das in riesigen Mengen, sind abgelenkt, ständig in Panik etwas zu verpassen.
DAS sind die neuen Anlagevehikel der Postmoderne.

HBOnlineLeser

29.11.2012, 15:49 Uhr

sie beschreiben hier eher das Gefühl der Gier

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