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19.01.2004

08:39 Uhr

Branchenverband BVI reagiert auf Debatte über unsaubere Handelspraktiken in USA

Fondsbranche bringt ihren Kodex auf Vordermann

Vor rund eineinhalb Monaten begann der Fondsskandal in den USA. Nun hat der deutsche Investmentfondsverband BVI reagiert und seinen freiwilligen Verhaltenskodex angepasst. In die so genannten Wohlverhaltensregeln wurden zusätzliche Passagen aufgenommen, die das Risiko unsauberer Handelspraktiken mit Fondsanteilen reduzieren sollen.

ina FRANKFURT/M. Sowohl der Hauptgeschäftsführer des BVI, Stefan Seip, als auch der Präsident des europäischen Fondsverbandes, Wolfgang Mansfeld, hatten in Handelsblatt-Interviews entsprechende Initiativen bereits angekündigt und Lösungsansätze beschrieben. Bei der Verabschiedung der Kodex-Anpassung gab es nur wenige Enthaltungen.

Die Diskussion um die nicht erlaubte Abrechnung von Fondsorders zu alten Preisen (Late Trading) und das strittige kurzfristige Handeln von Anteilscheinen (Market Timing) war in USA aufgeflammt und zieht auch in Europa Kreise. Beides benachteiligt Langfristanleger.

Viele nationale Aufsichtsbehörden, darunter die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben dies zum Anlass genommen, entsprechende Anfragen bei den heimischen Fondsgesellschaften zu starten. Sie sind in der Prüfungsphase, ob diese Praktiken nun sanktioniert werden müssen.

Heimische Verbands- und Aufsichtsvertreter unterstreichen erneut die nach heutigem Stand unterschiedliche Bedeutung des Themas in USA und Europa. Man habe in Deutschland keine Probleme mit den genannten Handelspraktiken, entsprechende Regelungen und Gegenmaßnahmen wären schon gängige Praxis, sagte ein Branchenvertreter. Deshalb sei die Kodexanpassung eher als Klarstellung zu verstehen. Ein BaFin-Vertreter äußerte sich, dass die Aufsicht nur wenige mögliche Fälle prüfe. Ob ein Abschlussbericht in dieser Sache vorgelegt werde, sei noch nicht entschieden.

Der neue Kodex konzentriert sich in den neuen Passagen auf Order-Annahmeschluss, Maßnahmen der Kapitalanlagegesellschaften, Zeitzonen- Arbitrage, Mitarbeiteraufträge. Die Investmentgesellschaft legt Order- Annahmeschlüsse bei den Fonds fest und wickelt später eintreffende Aufträge zum Preis des Folgetages ab. Sie trifft Maßnahmen gegen die Ausnutzung von zeitzonenbedingten Preisvorteilen bei Anteilscheinorders sowie gegen Market Timing. Mitarbeiter sollen Anteile von Fonds der eigenen Gesellschaft mindestens einen Monat lang halten.

Die Regelungen stellen auch eine Konkretisierung des am 1. Januar in Kraft getretenen Investmentmodernisierungsgesetzes dar. Dort heißt es: „Die Kapitalanlagegesellschaft muss so organisiert sein, dass das Risiko von Interessenkonflikten ... zwischen verschiedenen Anlegern ... möglichst gering ist.“

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