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03.05.2012

18:51 Uhr

Bulle & Bär

Immobilienfonds zwischen Pest und Cholera

VonReiner Reichel

Über die Zukunft des seit zwei Jahren eingefrorenen SEB Immoinvest sollen Anleger mitentscheiden dürfen. Doch die Wahl ist eine Qual. Die Anleger gehen immer ein Risiko ein, egal ob sie aussteigen oder bleiben.

Die Fassade eines Hochhauses: Wenn die liquiden Mittel nicht ausreichen, wird der Fonds aufgelöst. dpa

Die Fassade eines Hochhauses: Wenn die liquiden Mittel nicht ausreichen, wird der Fonds aufgelöst.

DüsseldorfBarbara Knoflach, Herrin über den SEB Immoinvest, lässt die Anleger über die Zukunft des seit zwei Jahren eingefrorenen offenen Immobilienfonds entscheiden. Innovativ - denn das hat es noch nie gegeben. Wer seine Anteile zurückgeben möchte, muss dies seiner Bank bis Freitagmittag mitteilen, damit diese den Rückgabewunsch bis zum Montag, 7. Mai, 13:00 Uhr, an die Depotbank des SEB-Fonds weiterleiten kann. Hat der Immoinvest dann genug in der Kasse, um alle Anleger auszuzahlen, überlebt der 6,3 Milliarden Euro schwere Fonds mit neuen Regeln.

Diese neuen Regeln sehen laut SEB als nächsten Rückgabetermin für maximal 90000 Euro den 31. März 2013 vor. So vertritt die SEB inzwischen wie die Finanzaufsicht Bafin die Ansicht, dass je Kalenderhalbjahr 30000 Euro zur Rückgabe angemeldet werden können. Vielleicht kommt es darauf aber auch nicht mehr an. Wenn die liquiden Mittel nicht ausreichen, um alle Rückgabewünsche zu bedienen, wird der Fonds aufgelöst. Ob die 1,9 Milliarden Euro in der Kasse jedoch genügen, ist nicht abzusehen.

Clever ist die Aktion, weil sich gelebte Anlegerdemokratie in der Öffentlichkeit wunderbar verkaufen lässt. Doch SEB-Chefin Knoflach wälzt die eigene Verantwortung so nur auf die Kleinanleger ab. Die haben nun die Wahl zwischen Pest und Cholera. Steigt der Anleger aus, erhöht er die Gefahr, dass die 30 Prozent liquide Mittel nicht reichen, die Anleger auszuzahlen - der Fonds wird aufgelöst. Steigt er nicht aus, könnte er schlechter dastehen als die Anleger, die ihre Anteile jetzt abgeben.

Warum sollen die Anleger Anteile an einem Fonds behalten, dessen Management es zwei Jahre lang nicht geschafft hat, über Immobilienverkäufe genug Geld für Anteilsrückgaben einzusammeln? Dass die Liquiditätsquote schnell von 21 auf 30 Prozent sprang, lag vor allem an zusätzlichen Beleihungen von Fondsgebäuden am Potsdamer Platz in Berlin. Dem Management ist es nicht gelungen, eines der 19 Gebäude am Potsdamer Platz zum geforderten Preis zu verkaufen. Jetzt büßt der Anleger für die Abschreibungen mit Anteilswertverlusten.

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Zwei Jahre lang hat SEB-Immoinvest keine Anteile seiner Kunden zurückgekauft.

Das Risiko für den Anleger ist hoch, wenn er mit seinem Verzicht auf die Anteilsrückgabe die Schließung des Fonds nicht verhindern kann. Denn Großanleger werden in jedem Fall Kasse machen, auch all diejenigen, die Fondsanteile billiger an der Börse gekauft haben. Wird der Fonds abgewickelt, drohen dem verbliebenen Anleger prozentual zweistellige Verluste, weil Gebäude unter Druck und unter Wert verkauft werden müssen.

Kommentare (6)

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Kommentarfehler

03.05.2012, 20:24 Uhr

Herr Reichel, Ihre Überlegung enthält im letzten Abschnitt einen schweren Fehler: Auch Großanleger können NUR dann Kasse machen, wenn der Fonds NICHT abgewickelt wird. Denn SEB nimmt auch die Anteile der Großanleger nicht zurück, wenn das gesamte Rückgabevolumen ca. 30% überschreitet. In diesem Fall wird abgewickelt, auch 'für' Großanleger. Also gibt es bei einer Abwicklung keine 'verbliebenen' Anleger.

Brain1966

04.05.2012, 08:26 Uhr

Langfristige Investitionen in Sachwerte sind doch vom Gundsatz her gut, jetzt heißt es einfach Ruhe zu bewahren, so wie vor ein paar Jahren, als Frau Merkel und Herr Steinbrück allen Bürgern klar gemacht haben: alle Einlagen bei Banken sind sicher. Wenn alle morgen Ihr Geld abheben geht die Sache auch schief. Und wer in Immobilienfonds investiert braucht einen langen Anlagehorizont. Wer sonst soll künftig gewerbliche Immobilien finanzieren, wenn die Banken es nicht mehr tun? Wo soll man sein Geld alternativ anlegen? 10jährige Bundesanleihen kaufen? Wohl eher nicht.

Ex-Banker

04.05.2012, 08:37 Uhr

Frech ist das alle mal...
Mal zahlt Ausgabeaufschlag udn Verwaltungsgebühren und jetzt muss man einen 5% abschlag einfach mal so hinnehmen?
6 Milliarden davon 5% naja nette Summe...
Also ich sehe das so das Management hat hier ganz klar versagt und damit ist das vertrauen nicht merh vorhanden.... Leider..
Ist ja nicht ihr Geld sondern das vom Anleger....

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