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10.02.2015

13:49 Uhr

BVI und Fondsbranche

Fonds werden zum Anlegerliebling

Der Anlagenotstand beschert der Fondsbranche ein Rekordjahr. Die Deutschen steckten 2014 mehr als doppelt so viel Vermögen in Fonds als noch vor zehn Jahren. Eine Fondsart konnte besonders profitieren.

Über 90 Milliarden Euro wurden investiert

Fondsbranche verzeichnet Rekordjahr

Über 90 Milliarden Euro wurden investiert: Fondsbranche verzeichnet Rekordjahr

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FrankfurtDie historisch niedrigen Sparzinsen lassen das Fondsgeschäft in Deutschland boomen. „2014 war ein Rekordjahr für die Fondsbranche – und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht“, bilanzierte der Präsident des deutschen Fondsverbandes BVI, Holger Naumann, am Dienstag in Frankfurt. Mit 2,382 Billionen Euro verwalteten Fondsgesellschaften so viel Geld wie nie. Im vergangenen Jahr waren es 2,105 Billionen Euro. Binnen zehn Jahren hat sich das verwaltete Vermögen somit mehr als verdoppelt.

Pensionskassen und Versicherer suchten in der Niedrigzinsphase ebenso lukrativere Geldanlagen wie zunehmend auch private Sparer, erklärte Naumann. 2015 sehe es bisher so aus, als setze sich dieser Trend fort: „Wir erwarten positive Mittelzuflüsse auch in diesem Jahr.“

Im vergangenen Jahr steckten Anleger unter dem Strich 123,4 Milliarden Euro neue Gelder in Investmentfonds – auch dies ein Rekordwert. 2013 waren es 95,4 Milliarden. 91 Milliarden Euro machten dabei Zuflüsse in Spezialfonds aus, in die etwa Versicherer und Versorgungswerke investieren. 32,4 Milliarden zusätzliche Gelder – vor allem von Privatanlegern – verbuchte die Branche in Publikumsfonds (Misch- und Rentenfonds).

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Mischfonds, die in verschiedene Anlageklassen investieren, sammelten 2014 die Rekordsumme von netto 22,7 Milliarden Euro ein. Über die Hälfte dieser Gelder floss in ausgewogene Fonds, die zu gleichen Teilen in Anleihen und Aktien anlegen. Umgerechnet investierten Anleger damit rund elf Milliarden Euro neues Kapital in den Aktienmarkt. Das Vermögen der Mischfonds erhöhte sich über das Jahr von 144 Milliarden Euro auf 176 Milliarden Euro.

Weiterhin die volumengrößte Gruppe bei den Publikumsfonds sind Aktienfonds. Sie verwalten ein Vermögen von 278 Milliarden Euro (Ende 2013: 266 Milliarden Euro). Die Abflüsse von netto 10,2 Milliarden Euro sind überwiegend auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Institutionelle Anleger zogen aus einem Produkt 8,2 Milliarden Euro ab. Ohne diesen Effekt wären aus Aktienfonds im vergangenen Jahr 2 Milliarden Euro abgeflossen.

Rang zwei auf der Beliebtheitsskala bei Publikumsfonds belegten die Rentenfonds. In Rentenfonds investierten Anleger im vergangenen Jahr netto 16,9 Milliarden Euro. Davon entfallen neun Milliarden Euro auf Fonds mit Schwerpunkt auf Anleihen aus Europa und vier Milliarden Euro auf Fonds mit Unternehmensanleihen. Das Vermögen der Rentenfonds stieg seit Anfang 2014 von 163 Milliarden Euro auf 189 Milliarden Euro. Davon entfallen 53 Milliarden Euro auf Rentenfonds mit kurzlaufenden Euro-Anleihen und 28 Milliarden Euro auf Fonds mit Unternehmensanleihen.

Trotz der positiven Ausgangslage fühlt sich die Fondsbranche von der Politik zu sehr drangsaliert und fordert eine Regulierungspause. „Wir müssen verschnaufen können“, sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. In den vergangenen sechs Jahren habe es insgesamt 98 Regulierungsvorhaben gegeben, die Kosten für die einzelnen Gesellschaften seien hoch.

„Es droht die Gefahr, sich in einzelnen Vorhaben zu verstricken.“ Richter forderte auch, die Rahmenbedingungen für unterschiedliche Finanzprodukte anzugleichen, um so für fairen Wettbewerb zu sorgen. So seien Beratungsprotokolle für die Kunden etwa bei Investmentfonds vorgeschrieben, nicht aber beim Kauf einzelner Aktien, die tendenziell riskanter seien.

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