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19.08.2015

14:18 Uhr

China, Indien, Türkei

Von diesen Anlagen lassen Fondsmanager die Finger

Chinas Börsen brechen weiter ein und reißen die Aktienmärkte vieler Schwellenländer mit in den Keller. Laut einer Umfrage sind Fondsmanager für diese Anlageklasse so pessimistisch wie nie. Die Rede ist von Kapitulation.

Fondsmanager meiden Schwellenländer, Energiewerte und Rohstoffe. Imago

Daumen runter

Fondsmanager meiden Schwellenländer, Energiewerte und Rohstoffe.

FrankfurtBei den Rohstoffpreisen dreht sich eine Abwärtsspirale. Börsianer sorgen sich um die Weltkonjunktur, sehen sich darin durch fallende Inflationserwartungen und sinkende Rohstoffpreise bestätigt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Konjunkturlokomotive China, doch dieser Motor stottert. Am Dienstag schickten neue Ängste die Börse in Schanghai wieder auf Talfahrt. Die Kurse stürzten um mehr als sechs Prozent.

Und nicht nur dort: Weil Anleger im großen Stil Geld aus den Schwellenländern abziehen, sind die Aktienindizes vieler Länder eingebrochen, etwa in Südkorea und in Taiwan. Der MSCI Emerging Markets Index verlor ebenfalls den vierten Tag in Folge. Laut Informationen des Datendienstes Bloomberg verkaufen globale Investoren schon den dritten Monat in Folge Aktien.

Die gesamten Nettoverkäufe von Aktien in Indien, Indonesien, den Philippinen, Südkorea, Thailand und Taiwan belaufen sich demnach auf 2,7 Milliarden Dollar, nach 5,4 Milliarden Dollar im Juli und 3,2 Milliarden Dollar im Juni. Parallel dazu sind etwa der malaysische Ringgit, die indonesische Rupiah so stark gefallen wie 1998 nicht mehr. Auch der kolumbianische Peso, der südafrikanische Rand als auch die türkische Lira haben neue Rekordtiefs erreicht.

Vor dem Hintergrund warnt aktuell auch die Ratingagentur Moody's vor dem Absturz der Aktien- und Immobilienmärkte. Eine „scharfe und lang anhaltende Korrektur der Vermögenspreise“ im bevölkerungsreichsten Land sei eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft, heißt es im vierteljährlichen Wachstumsausblick, den die Bonitätswächter am Dienstag in London veröffentlichten.

Die Probleme der Schwellenländer

Brasilien

Präsidentin Dilma Rousseff genießt nur noch acht Prozent Zustimmung, vor allem wegen eines Korruptionsskandals. Der Autoabsatz ist im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent eingebrochen. Die deutschen Autobauer müssen ihre Produktion spürbar drosseln. Die Inflation kletterte im Juli auf satte 9,56 Prozent – der Konsum bricht ein. Hinzu kommen externe Faktoren wie der schwache Ölpreis und die teils marode Infrastruktur.

Russland

Die Wirtschaft Russlands ist von April bis Juni um fast fünf Prozent geschrumpft. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Land schwer zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen und ein schwacher Rubel. Die Inflation beträgt aktuell mehr als 15 Prozent.

Indien

Laut eigenen Angaben ist die Wirtschaft Indiens aktuell um 7,3 Prozent gewachsen. Das überaus gute Ergebnis beruht allerdings auf einem Berechnungstrick der Regierung. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend, die Bürokratie enorm. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen.

China

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kämpft mit einer unerwartet schlechten Konjunktur, hohen Schuldenbergen, dem Platzen einer Aktienblase und schwachen Außenhandelszahlen. Die Zeiten des Turbo-Wachstums sind nach Meinung von Experten vorbei. Aktuell ist es so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Die überraschende Abwertung der Währung ließ ebenfalls Sorgen aufkommen, dass es um die Wirtschaft schlecht bestellt sei.

Südafrika

Präsident Jacob Zuma konnte bisher kein Skandal erschüttern. Die Wirtschaft in dem Land mit gut 50 Millionen Einwohnern schwächelt jedoch. Landesweite Stromausfälle würgen das geringe Wachstum ab und verhindern Neuinvestitionen. 2014 wuchs die Wirtschaft noch um 1,5 Prozent, was viel zu langsam ist. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 25 Prozent, bei Jugendlichen bei rund 35 Prozent. Der südafrikanische Rand hat stark an Wert verloren.

Auch sonst zeigt sich Moody's wenig zuversichtlich. In den nächsten fünf Jahren dürfte die G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer das Wachstumstempo aus der Zeit vor der Finanzkrise nicht wieder erreichen, hieß es weiter.

Es geht also um mehr als eine Tagestendenz. Dies belegen nun auch die Ergebnisse der jüngsten Umfrage von Bank of America Merrill Lynch zu den Dispositionen der Fondsmanager weltweit. Die Resultate offenbaren: Im August sind die Geldverwalter so pessimistisch für Aktien aus den Schwellenländern, für jene aus der Energiebranche und für Rohstoffe wie noch nie. Hier sind sie in einem Rekordausmaß untergewichtet.

Kommentare (1)

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Herr Carsten Härtl

19.08.2015, 19:16 Uhr

Ich glaube, da geht etwas durcheinander in der Analyse. Die Aktienkurse in Taiwan und Südkorea sind doch nicht schwächer, weil es "auch solche Schwellenländer" sind, sondern weil diese Hightec Industrieländer - geographisch bedingt - vor allem vom Export nach China leben. Ansonsten haben diese beiden mit den kranken BRICS Patienten ja nichts gemeinsam.

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