Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2013

18:05 Uhr

Chris Hohn

Hedgefonds-Manager vergisst seine Kinderliebe

VonMichael Maisch

Nicht umsonst hat Hedgefonds-Legende Chris Hohn seinen Fonds "The Children's Investment Fund" getauft: Ein Teil der Einnahmen ging an eine Stiftung für Kinder der Dritten Welt. Damit ist nun Schluss.

TCI spendet nicht mehr direkt an die eigene Stiftung, um Kinder in Afrika zu unterstützen. Reuters

TCI spendet nicht mehr direkt an die eigene Stiftung, um Kinder in Afrika zu unterstützen.

LondonViele Jahre lang sorgte der Name Chris Hohn für Schrecken in den Chefetagen großer Konzerne. 2005 zwang der Chef des Londoner Hedge-Fonds TCI das Topmanagement der Deutschen Börse zum Rücktritt. 2007 gelang Hohn ein noch größerer Coup.  Mit seiner Attacke auf die niederländische Bank ABN Amro läutete er die größte Übernahmeschlacht der Finanzgeschichte ein.

Aber das Image des ultra-aggressiven Hedge-Fonds-Managers stimmte immer nur zum Teil. Denn TCI, "The Children's Investment Fund", trug seinen Namen nicht umsonst: Jedes Jahr spendete Hohn einen bestimmten Prozentsatz der Managementgebühren, die sein Fonds kassierte an die Children's Investment Fund Foundation (CIFF), die er mit seiner Frau gründete, und die sich vor allem um Kinder in der Dritten Welt kümmert, zum Beispiel um Aids-Waisen in Kenia, Uganda, Äthiopien und Indien.

Doch inzwischen ist TCI nicht mehr ganz so kinderfreundlich. Seit dem vergangenen Jahr ist die direkte Verbindung zwischen TCI und der Stiftung unterbrochen. Londoner Finanzkreise bestätigen eine Meldung der Fachzeitschrift Financial News, nach der der Hedge-Fonds 2012 seine Konditionen und Gebührenstruktur neu geordnet habe. Seither fließen nicht mehr wie bisher rund ein Drittel der  Managementgebühr von mindestens 1,5 Prozent, die Hohn von seinen Klienten fordert direkt an die Stiftung. Das heiße aber nicht, dass Hohn die Stiftung nicht länger unterstütze, hieß es in den Kreisen.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Nach wie vor spende der Hedge-Fonds-Manager hohe Summen aus seinem Privatvermögen an die Hilfsorganisation, die von seiner Frau Jamie Cooper Hohn geleitet wird. Nach Informationen von „Financial News“ überwies Chris Hohn im Laufe der Jahre insgesamt mehr als ein Milliarde Pfund an die Stiftung.

Die neuesten verfügbaren Finanzdaten von CIFF zeigen, dass die Stiftung im Mitte 2011 abgeschlossenen Finanzjahr ein Vermögen von 2,1 Milliarden Pfund nach 1,8 Milliarden Pfund im Vorjahr verwaltete. Knapp zwei Prozent dieser Summe flossen direkt in Hilfsprojekte. Diese Ausschüttungsquote soll langfristig auf rund vier Prozent steigen.

Das sinnvolle Sterben der Hedge-Fonds

Video: Das sinnvolle Sterben der Hedge-Fonds

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat Hohns Fonds stürmische Zeiten hinter sich gebracht. 2008 verlor TCI 43 Prozent an Wert, deutlich mehr als die übrigen Hedgefonds, deren Minus sich in diesem Krisenjahr auf vergleichsweise moderate 19 Prozent summierte. Doch innzwischen hat sich der TCI wieder gefangen. 2009 meldete Hohn seinen Investoren einen Wertgewinn von zehn Prozent, 2010 legte der Fonds um acht Prozent und 2011 um sieben Prozent zu. Im vergangenen Jahr stand sogar ein eindrucksvolles Plus von 30 Prozent unter dem Strich. 

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×