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07.08.2011

20:30 Uhr

Debi Select

Teldafax-Pleite zieht Fondsanleger mit

VonSönke Iwersen

ExklusivDie Pleite von Teldafax könnte für Anleger des Debi Select nachträglich teuer werden. Weil der Fonds in Anteile investierte und diese nicht mehr los wurde, sollen sie offenbar auf einen Teil ihrer Einlagen verzichten.

Teldafax-Schriftzug: Der Stromhändler ist mittlerweile in Insolvenz gegangen. Quelle: dpa

Teldafax-Schriftzug: Der Stromhändler ist mittlerweile in Insolvenz gegangen.

DüsseldorfDie Insolvenz des Stromhändlers Teldafax reißt offenbar nachträglich Anleger des Landshuter Anlagefonds Debi Select in den Abwärtsstrudel. Nach Informationen des Handelsblattes sollen Anleger auf 30 Prozent ihrer Einlagen verzichten. Dies zeigen Vergleichsangebote von Debi Select, die dem Handelsblatt vorliegen. Debi Select hatte in den vergangenen Jahren Gelder in Teldafax investiert.

Eine Katastrophe schien abgewendet, als Debi Select nach eigenen Angaben seine Forderungen an Teldafax in Aktien umwandelte und die Anteile dann an einen russischen Investor verkaufte. Vertreter des Investors geben nun allerdings an, nie einen Preis für die Teldafax-Anteile gezahlt zu haben. „Es ist richtig, dass die Investoren viel Geld in Teldafax gesteckt haben“, sagt Teldafax-Aufsichtsratschef Wolfram Scharff dem Handelsblatt. „Aber es gab und es gibt keine Zahlungen an Debi Select.“

Debi Select-Geschäftsführer Josef Geltinger sagte auf Anfrage, diese Darstellung sei falsch. „Wir haben den Großteil der Gelder, ein Teil kommt noch und unsere Anleger werden auch ausgezahlt.“ Er habe keine Kenntnis von Vergleichsangeboten, bei denen Anleger 30 Prozent und mehr ihrer Einlagen verlieren sollen. Dem Handelsblatt liegen solche Angebote vor.

Nun ist die Verwirrung groß. „Debi Select behauptet, alle Anleger würden 90 bis 100 Prozent ihrer Einlagen erhalten“, sagt Alexander Busch von der Kanzlei Skanlaw, die zahlreiche Anleger von Debi Select vertritt. „Uns hat Debi Select aber Vergleiche vorgelegt, bei denen Anleger sich mit 70 Prozent und weniger ihrer Einlagen zufrieden geben sollen.“ Die Entwicklung sei besonders tragisch, weil die Mehrzahl der Fälle ältere Anleger seien, die mit Debi Select ihre Rente aufbessern wollten.

Die Anleger befürchten nun Schlimmes. „Debi Select bietet an, Anteile am alten Fonds durch Anteile an einem neuen Fonds zu ersetzen“, sagt Anwalt Busch. „Meine Anleger wollen aber nicht ein Papier gegen das andere tauschen. Sie wollen ihr Geld.“

Der neue Fonds, der den Debi Select-Anlegern angeboten wird, heißt Intevo und ist von der Minerva Investments AG in Liechtenstein registriert. Der einzige Geschäftsbericht, der vorliegt, wies eine negative Halbjahresrendite von 6,6 Prozent aus. Mitte April wurde der Fonds komplett geleert, danach stark beworben und ist aktuell mit 13 Millionen Euro gefüllt.

Anlegerschützer vermuten nun, dass die alten Debi-Select-Anleger, die nicht wechseln wollen, mit dem Geld der neuen Intevo-Anleger ausbezahlt werden. „Ich kann nur hoffen, dass hier nicht dasselbe passiert wie bei Teldafax selbst“, sagt Anwalt Busch. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn derzeit wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betreiben eines Schneeballsystems.

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