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28.09.2012

11:22 Uhr

Derivate

US-Finanzaufsicht prüft komplexe ETFs

Die US-Finanzaufsicht erwägt ein Verkaufsverbot von komplexen Finanzprodukten an Privatanleger. Die Behörde will zudem mögliche Interessenkonflikte untersuchen und etwa Vermittlungsprovisionen unter die Lupe nehmen.

Der Handel mit komplexen Produkten könnte für Privatanleger bald schwieriger werden. gms

Der Handel mit komplexen Produkten könnte für Privatanleger bald schwieriger werden.

FrankfurtDie US-Finanzaufsichtsbehörde Financial Industry Regulatory Authority (Finra) droht mit einem Verkaufsverbot bestimmter Finanzprodukte mit hoher Komplexität an Privatanleger. Finra-Chef Richard Ketchum bemängelte am Donnerstag (Ortszeit) auf einer Konferenz in New York, dass die Risiken solcher Produkte zwar ausgewiesen werden müssten, ein Verkauf an private Investoren aber trotzdem möglich sei. Beispielsweise gelten börsennotierte Indexprodukte (ETFs), die über einen Hebel verfügen oder auf fallende Kurse setzen, als eher für institutionelle Anleger geeignet als für private.

Short-ETFs vollziehen die Wertentwicklungen von Indizes auf täglicher Basis umgekehrt nach, machen also zum Beispiel aus Index-Verlusten Kursgewinne. Auch gehebelte ETFs basieren auf der täglichen Wertentwicklung von Indizes. Viele Investoren griffen in der Hoffnung auf hohe Profite zu solchen Produkten, ohne die Risiken verstanden zu haben, sagte Ketchum. „Wenn die Branche und die Aufsichtsbehörden nicht ihre Fähigkeit unter Beweis stellen können, Verstöße in der Verkaufspraxis zu kontrollieren, dann werden meiner Meinung nach bestimmte Restriktionen unvermeidlich sein.“ Die Finra werde die Anbieter zudem nach der Schulung der Kundenberater befragen, um sicherzustellen, dass diese die Risiken verstanden hätten.


Darüber hinaus will die Behörde mögliche Interessenkonflikte beim Handel mit komplexen Produkten untersuchen. So sollten die Auswirkungen von bestimmten Anreizen wie etwa Vermittlungsprovisionen unter die Lupe genommen werden, sagte der Finra-Chef. Die Anreize könnten Berater dazu verleiten, eher Produkte mit hoher Komplexität zu verkaufen. Zudem könnten Konflikte entstehen, wenn die gleichen Anbieter Produkte zugleich entwickeln und verkaufen. Welche Anbieter seine Behörde im Visier hat, sagte Ketchum nicht.

Die Finra hatte zuletzt im Juli vor Exchange Traded Notes (ETNs) gewarnt. ETNs sind Inhaberschuldverschreibungen und ähneln aus rechtlicher Sicht Zertifikaten. Im Unterschied zu Zertifikaten können bei ETNs jedoch nicht nur die Emittenten An- und Verkaufspreise stellen, sondern mehrere Händler. Obwohl der Name der Produkte an börsennotierte Indexfonds (ETFs) erinnert, sind sie kaum mit diesen zu vergleichen. Denn ETFs sind statt Inhaberschuldverschreibungen wie alle Investmentfonds Sondervermögen, also im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt. Daher ist das Risiko eines Totalverlustes bei ETNs deutlich höher als bei ETFs.

 

Von

rtr

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