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20.07.2012

13:54 Uhr

Derivate

Weltweiter Kupfer ETF verzögert sich weiter

Zwei Jahre dauert die Zulassung bereits an, nun zeichnet sich ab, dass die Zulassung des ersten börsennotierten Indexfonds auf Kupfer noch dauert. Kritiker monieren einen allzu starken Einfluss auf den Rohstoffmarkt.

Ein Mann greift in eine Kiste voll mit kleinen Kupferrohren. dpa

Ein Mann greift in eine Kiste voll mit kleinen Kupferrohren.

New YorkDie bereits zwei Jahre dauernde Zulassung des weltweit ersten börsennotierten Indexfonds (ETF) auf Kupfer wird sich weiter verzögern. Denn die zuständige US-Zulassungsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) brauche mehr Zeit, um weitere Stellungnahmen von Marktteilnehmern einholen zu können, teilte sie am späten Donnerstag (Ortszeit) mit. Sowohl die Bank JP Morgan, die den Kupfer-ETF plant, als auch Rohstoffexperten und Kritiker des Fonds sollen der SEC bis Ende August zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen.

JP Morgan hatte Ende 2010 erstmals angekündigt, unter dem Namen JPM XF Physical Copper Trust einen physisch besicherten Kupfer-ETF, der Kupferbarren im Portfolio hält, auflegen zu wollen. Ebenfalls zu dieser Zeit hatte Blackrock Pläne für einen Kupfer-ETF bekannt gegeben. Im Juni dieses Jahres hatte JP Morgan bei der SEC beantragt, den Fonds an der NYSE Euronext listen zu dürfen. Doch beide Produkte sind immer noch nicht auf dem Markt.

Das dürfte auch daran liegen, dass sich in den vergangenen Monaten mehrere Rohstoff-Analysten, Kupferverbraucher und -händler kritisch zu den Plänen geäußert haben. Sie befürchten, dass der geplante Kupfer-ETF die Schwankungen des Kupferpreises verstärken könnte. In dieser Woche hatte sich schließlich der erste Politiker zu Wort gemeldet: Der demokratische US-Senator Carl Levin hatte die SEC in einem Brief dazu aufgefordert, JP Morgans Kupfer-ETF nicht zu genehmigen.

Die Kritiker argumentieren, dass der ETF bei starkem Interesse der Investoren Kupfer kaufen müsse, um das Kapital der Anleger in das Metall zu investieren. Dies könnte den Preis nach oben treiben. Sollten die Investoren plötzlich ihr Interesse an Kupfer verlieren und ihre ETF-Anteile verkaufen, könnte dies zu einem plötzlichen Preissturz auslösen. Befürworter halten dagegen, dass der Portfoliobestand des Fonds vermutlich nur einen Bruchteil des weltweiten Kupfervorkommens ausmachen würde.

Die übrigen bislang verfügbaren Finanzprodukte auf Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel basieren auf Futures. Dadurch entwickeln sich deren Preise teilweise ganz anders als die Metallpreise am Spotmarkt - oft zum Nachteil der Anleger.

Der JPM XF Physical Copper Trust wäre der erste ETF, der Kupferbarren im Portfolio hielte. Zwar gibt es mit dem ETFS Physical Copper des Londoner Anbieters ETF Securities bereits seit Dezember 2010 ein Finanzprodukt, das direkt in physisches Kupfer investiert. Da es sich dabei jedoch um ein Derivat und nicht um einen ETF handelt, dürfen viele institutionelle Anleger aufgrund interner Richtlinien nicht in den ETFS Physical Copper investieren. Deshalb und weil sich Anleger im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise vermehrt für Sachwerte interessieren, rechnet JP Morgan mit einem starken Interesse an seinem Kupfer-ETF.

Anders als bei Industriemetallen gibt es auf Edelmetalle eine Vielzahl physisch besicherter Produkte. Denn aufgrund der höheren Preise pro Tonne bei Gold, Platin, Silber und Co. sind die Lagerkapazitäten, die zur Verwahrung der Portfoliobestände nötig sind, geringer als bei Industriemetallen. Das macht es für die Anbieter einfacher, entsprechende Produkte aufzulegen.

Von

rtr

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