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01.03.2006

10:07 Uhr

Deutsche Bank

Spannung vor Neubewertung des Immobilienfonds

Gespannt warten die Finanzmärkte auf die Ergebnisse der Neubewertung des offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank. Unklar ist, ob die Anleger nach einer Wiedereröffnung in Scharen aus dem Fonds aussteigen werden.

HB FRANKFURT. Die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate will am Donnerstag das Ergebnis der Neubewertung der Fondsimmobilien bekanntgeben. Ab Freitag sollen Fondsanteile dann wieder ge- und verkauft werden können. Für entstandene Wertverluste will die Deutsche Bank aufkommen.

Helmut Knepel, Geschäftsführer von Feri Rating & Research, rechnet mit einer „moderaten Abwertung“, die von den Anlegern als positives Signal ausgelegt werden könnte. „Der Markt wird sich dann ein bisschen beruhigen“, sagte Knepel. Eine deutliche Abwertung wäre hingegen ein „Turbo“ für die ohnehin nervösen Märkte. Er rät der Deutschen Bank jedoch zu einer „sauberen Bewertung, die belastbar ist“. Sie dürfe nicht niedriger ausfallen als notwendig, nur um Anleger zu beschwichtigen.

Verbraucherschützer empfehlen Anlegern, nach der Wiederöffnung des Fonds zunächst Ruhe zu bewahren und ihre Anteile nicht überstürzt zu verkaufen. „Die Deutsche Bank kann es sich nicht leisten, von ihren Zusagen zurückzutreten“, sagte Dorothea Kleine von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Bank will die möglichen Verluste von Anlegern ausgleichen, und zwar inklusive des Ausgabezuschlags, aber abzüglich der ausgeschütteten Gewinne. Dies stößt bei Kleine auf Kritik. „Werden vergangene Ausschüttungen einbezogen, so kompensieren diese den Wertverlust voll oder zumindest teilweise, wodurch der Schaden letztendlich doch beim Anleger bleibt“, sagt die Expertin.

Anwälte, die mit Klagen gedroht haben, wollen zunächst das konkrete Entschädigungsangebot der Deutschen Bank abwarten. „Die Unzufriedenheit und der Ärger der Anleger ist nach wie vor sehr groß - und auch das Misstrauen gegenüber dem Angebot“, sagte ein Sprecher der Rechtsanwaltskanzlei Tilp. Rechtliche Schritte müssten im Einzelfall geprüft werden. Ein Hamburger Rentner-Ehepaar hat nach Angaben der Kanzlei bereits eine Klage eingereicht. Laut Auskunft eines Sprechers von DB Real Estate liegt dem Unternehmen jedoch bisher nichts vor.

Die Deutsche Bank hatte erstmals in der Geschichte der Anlageform im Dezember einen offenen Immobilienfonds wegen der anstehenden Neubewertung vorübergehend geschlossen. Der Schritt wurde von allen Seiten kritisiert. Zwei weitere Fonds eines anderen Anbieters folgten. Allein im Januar zogen Investoren 4,2 Milliarden Euro aus offenen Immobilienfonds ab. Droht nach der Wiederöffnung erneut ein Liquiditätsengpass, will die Deutsche Bank dem Fonds mit eigenen Mitteln unter die Arme greifen. Immobilienfonds können ebenso wie andere Anlagen Verluste erwirtschaften, waren aber häufig als vermeintlich sicheres „Betongold“ angepriesen worden.

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