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06.10.2011

14:35 Uhr

Die größten Flops

Spielfeld für Finanztrickser

VonReiner Reichel

Langweilig war der graue Kapitalmarkt nie. Im Gegenteil: Anbieter trieben es dort oft besonders bunt. Trickser wie die Göttinger Gruppe zockten mit Diamanten- oder Zucker-Kontrakten gleich reihenweise ihre Kunden ab.

Bankhaus Partin & Co.: Das 2001 geschlossene Geldinstitut gehörte zur Göttinger Gruppe. dpa

Bankhaus Partin & Co.: Das 2001 geschlossene Geldinstitut gehörte zur Göttinger Gruppe.

DüsseldorfHohe Renditen und Steuerersparnisse lockten, von Risiken war selten die Rede: Mit Fantasie-Zertifikaten (Letters), fast wertlosen Diamanten, Minen-Beteiligungen, geschlossenen Fonds oder Warenterminmärkten wurde Investoren am grauen Kapitalmarkt das Geld abgeluchst.

Da war etwa Damara Bertges vom European Kings Club. Sie zog in den 90er-Jahren 40.000 Menschen insgesamt 850 Millionen D-Mark aus der Tasche und versprach ihnen 70 Prozent Rendite. Als einer fragte, wo die herkommen sollen, antwortete sie: "Gehen Sie einfach davon aus, dass wir das können - zu unserem und Ihrem Vorteil." Das Geld ging in einem Schneeballsystem verloren. Das heißt: Bertges und Gehilfen kassierten in die eigene Tasche und zweigten lediglich einen Teil ab, um die Gewinnansprüche der ersten Anleger zu befriedigen. Der Zusammenbruch eines solchen Systems ist vorprogrammiert, weil es irgendwann nicht mehr gelingt, genügend Neuanleger zu finden.

Zur gleichen Zeit blühte gerade der Terminhandel. Vermittler wählten sich durch ganze Telefonbücher: "Kaufen Sie Zucker-Kontrakte. Wir wissen aus sicherer Quelle, dass China eine Schluckimpfung vorbereitet; dafür werden Tausende Tonnen Zucker zusätzlich gebraucht", lockten sie ihre Kunden. Später hieß es zynisch: "Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer." Alleine die Firma WBB aus Düsseldorf schaffte es, Anlegern sechs Milliarden D-Mark abzunehmen", berichtet Anwältin Katja Fohrer von der Kanzlei Mattil & Kollegen in München. Der Spuk endete, als 1998 die Vermittlung von Warentermingeschäften der Finanzaufsicht unterstellt wurde.

Die Flucht in Sachwerte gab es auch schon vor 20 Jahren. Besonders Dreiste verführten damals naive Zeitgenossen zum Kauf von in Plastikfolie eingeschweißten Diamanten. Sie versprachen die Rücknahme zu deutlich höheren Preisen. Doch Bargeld gab es bei der Rückgabe nicht, sondern einen größeren Stein - vorausgesetzt, die Verpackung wurde nicht aufgerissen. Die Preziosen entpuppten sich später als minderwertig.

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