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12.10.2016

12:27 Uhr

Dividendenstrategie

Rosinenpicken für Fortgeschrittene

VonAnke Rezmer

Immer mehr Investoren achten bei der Aktienwahl darauf, ob die Titel eine attraktive Dividende bieten. Doch das allein reicht nicht, betonen Anlageexperten. Worauf ein namhafter Fondsmanager aktuell setzt.

Händler an der New Yorker Börse NYSE: Unter den Schwergewichten der US-Aktiengesellschaften finden sich auch attraktive dividendenstarke Titel. dpa

An der New Yorker Aktienbörse

Händler an der New Yorker Börse NYSE: Unter den Schwergewichten der US-Aktiengesellschaften finden sich auch attraktive dividendenstarke Titel.

FrankfurtDividenden sichern Anleger die regelmäßigen Erträge, die ihnen Anleihen in der Nullzinswelt nicht mehr liefern. So weit, so bekannt. Nicht ohne Grund kaufen Anleger gern Fonds mit ausschüttungsstarken Aktien oder direkt dividendenstarke Papiere. Doch einfach auf Aktien mit guten Dividenden zu setzen, greift zu kurz, mahnen Fondsexperten. Denn wer vor allem auf hohe Ausschüttungen achtet, investiert nicht zwingend in längerfristig attraktive Firmen.

„Entscheidend ist, wie ein Unternehmen sein Kapital investiert“, betont Nick Clay, leitender Fondsmanager beim britischen Fondshaus Newton Investment Management, das zur US-Bank BNY Mellon gehört. Aktuell nehmen seiner Ansicht nach wieder Risiken zu, dass Aktiengesellschaften ihre Dividendenversprechen nicht einhalten können: Auch im Jahr 2016 sei der Anteil internationaler Firmen, die ihre Dividendenankündigungen zurück nähmen, bereits wieder auf fast 40 Prozent gestiegen, beobachtet er.

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Die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten, die Verhandlungen über den Brexit und die anhaltende Nullzinspolitik – was Experten Anlegern angesichts dieser brisanten Themen jetzt raten.

Im aktuell späten Konjunkturzyklus der westlichen Welt seien Cash Flows vielfach unter Druck geraten, meint Clay. Und dieser Anteil nicht gehaltener Versprechen ist überdurchschnittlich im Vergleich der letzten 20 Jahre: Nur Anfang des Jahrtausends nach dem Platzen der Internetblase und in der Finanzkrise war der Wert demnach höher. Ein weiteres Alarmsignal ist für den Aktienexperten die Netto-Verschuldung von US-Firmen fernab der Finanzbranche, die schon fast wieder so hoch sei wie vor der Finanzkrise 2007, währen die Profitabilität dieser Unternehmen deutlich gesunken sei.

Bei der Auswahl von Unternehmen mit attraktiven Dividenden geht es dem Verständnis aktiver Fondsmanager nach um mehr als nur um die Höhe der Gewinnausschüttungen. So betonen diese Geldmanager, die nach grundlegender Analyse von Unternehmen ihre Favoriten auswählen, ihren Mehrwert für Anleger - im Vergleich zu Börsenindizes, die auf Dividendenaktien setzen. Solche passiven Strategien, die sich auf hohe Dividenden fokussieren, geraten dagegen häufig in Schwächephasen des Marktes besonders stark unter Druck, wie Fondsmanager immer wieder kritisieren.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Auch für Clay ist etwa der „MSCI World High Dividend Yield“-Index ein falscher Gradmesser: In den vergangenen elf Jahren war die Wertentwicklung dieses Indexes mit knapp acht Prozent im Jahr kaum höher als die des klassischen Welt-Aktienindex „MSCI World“. Aber die Aktien des Dividendenindexes schwankten mit über 14 Prozent jährlich deutlich stärker.

Kommentare (21)

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Herr Toni Ebert

12.10.2016, 09:14 Uhr

Ich kann jedem nur raten, NICHT auf das zu hören, was Experten empfehlen. Welches Schwein lässt sich denn hinsichtlich Altersvorsorge vom Metzger beraten ?

Auch ich musste derzeit die Erfahrung machen, dass ich erst Gewinne gemacht habe, als ich generell nicht mehr auf die Experten und die --News-- gehört habe. Bis auf gewisse, wichtige Termine ignoriere ich alles, was man von den Journalisten / Experten vorgesetzt bekommt.

"wer nix zahlt, der ist die Ware".

Account gelöscht!

12.10.2016, 09:16 Uhr

Ich habe von dieser Sache, also der richtigen Aktienauswahl zwar keine Ahnung, aber ich weiß eines, das System ist krank.
Nur die globalen Finanzinvestoren in ihren Glastürmen , von den Politikern geschützt, denn die kassieren mit ab, verdienen damit. Der kleine Sparer bleibt auf der Strecke, und wer ist schuld, natürlich Merkel und ihre helfers Helfer.

Herr Percy Stuart

12.10.2016, 09:40 Uhr

@ Toni Ebert > Unermüdlich sind sie am Werk und niemand weiß, wo sie einmal haltmachen werden. Seit jeher haben die EXPERTEN durch ihre Einschüchterungstaktik die Menschen veranlaßt, Pläne zu schmieden, die sich an ihren wissenschaftlichen Voraussagen orientieren. Aber heutzutage erreichen wir die Zukunft so schnell und decken die Irrtümer der EXPERTEN entsprechend eher auf als in der Vergangenheit, als dass sich nur ein Narr blindlings auf die Voraussagen und die Glaskugelleserei der EXPERTEN verlassen würde. Im Jahr 1976 veröffentlichte das „Wall Street Journal“ eine Artikelserie, in der nachgewiesen wurde, wie drastisch die sogenannten EXPERTEN in den letzten zehn Jahren ihre Vorhersagen für das Jahr 2000 geändert haben. Jeder Artikel befaßte sich mit einem anderen Themengebiet, auf dem die EXPERTEN sich verrechnet hatten. Vom Welthungerproblem, über das Wachstum der Bevölkerung bis zu ökonomischen Fragen. Ergebnis war: „Wir sind nicht mehr sonderlich an langfristigen Vorhersagen und Vorausberechnungen interessiert. Wir haben uns zu oft geirrt!“ Ringen Sie sich zu der Einsicht durch, dass auch EXPERTEN nicht alle Antworten kennen. Im günstigsten Fall sind EXPERTEN Leute, die auf ihrem jeweiligen „Fachgebiet“ umfangreiche Kenntnisse haben, aber keineswegs unfehlbar sind. Die Besten von ihnen geben das sogar offen zu! Werfen Sie ihre alte EXPERTEN-Gläubigkeit ab, Treffen Sie keine Entscheidungen, die sich nur auf die Meinung eines angeblichen EXPERTEN stützen. Klar, man sollte ihm zuhören, aber wägen Sie seine Ansicht gegen all die anderen Ansichten und Beweise ab, die Ihnen zur Verfügung stehen. Ganz wichtig dabei: Prüfen Sie jede derartige EXPERTEN-Meinung mit gesundem Menschenverstand. Erst dann sollten Sie sich entscheiden. Kein EXPERTE kann Sie gegen ihre Willen zu einem bestimmten Verhalten oder einer bestimmten Handlungweise zwingen.

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