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11.01.2014

15:42 Uhr

Drohende Insolvenz

Prokon warnt Investoren vor Rückzug

Medienberichte und Warnungen von Verbraucherschützern haben beim Energiefinanzierer Prokon zu einem massiven Mittelabfluss geführt. Dem Unternehmen droht nun die Insolvenz – und Prokon mahnt Investoren zum Verbleib.

Der Fall Prokon mit seinen rund 75.000 Anlegern ist ein besonderer. Denn es müssen noch fundamentale juristische Fragen geklärt werden. dpa

Der Fall Prokon mit seinen rund 75.000 Anlegern ist ein besonderer. Denn es müssen noch fundamentale juristische Fragen geklärt werden.

ItzehoeDer Ökoenergiefinanzierer Prokon hat seine Anleger vor einer drohenden Insolvenz gewarnt, falls weiter Kapital abgezogen wird. Das Unternehmen mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) forderte die Anleger auf, keine weiteren Genussrechte zu kündigen. Sollte es „nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten“, heißt es in einem mit Datum 10. Januar auf der Internetseite veröffentlichten Schreiben der Geschäftsführung. Nach Angaben des Unternehmens gibt es über 75 000 Anleger, die Prokon fast 1,4 Milliarden Euro anvertraut haben. Für Nachfragen war Prokon am Samstag nicht erreichbar.

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

Prokon hatte seine Geldgeber bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen. „Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass aufgrund der seit Monaten andauernden Medienkampagne gegen Prokon nach wie vor zahlreiche Anleger aus Angst vor einem Verlust ihres angelegten Geldes ihre Genussrechte kündigen“, hieß es nun. Daher sei diese Maßnahme nicht ausreichend. „Somit stehen wir vor einem ernsten Problem.“

Das Unternehmen veröffentlichte auf seiner Internetseite vorformulierte Rückantworten, in denen sich die Anleger verpflichten sollen, ihr Geld bis mindestens zum 31. Oktober 2014 nicht zurückzufordern, und auch auf die direkte Auszahlung von Zinsen zu verzichten. Auch danach sollen sie ihre Anlage nur in Raten über zwölf Monate ausbezahlt bekommen. Wer dagegen seine Genussrechte zeitnah kündigt, unterschreibt mit dem Formular den Satz: „Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf.“

Ein Insolvenzrechtsexperte warnte Anleger allerdings davor, auf Ansprüche zu verzichten. „Anlegern, die nicht rechtzeitig ihre Rechte sichern, steht in einem Insolvenzverfahren aufgrund des Nachrangs der Genussrechte nicht einmal eine Insolvenzforderung zur Verfügung“, sagte der Berliner Rechtsanwalt Christoph Kaltmeyer „Wallstreet Online“.

Kommentare (1)

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Mazi

13.01.2014, 12:56 Uhr

Was sagt die BaFin bzw. was hat die BaFin gesagt, wo sie doch das Recht der Ausübung der Finanzaufsicht für sich beansprucht?

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