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21.01.2014

20:27 Uhr

Drohende Insolvenz

Schleswig-Holstein kann Prokon nicht helfen

Wie geht es weiter bei Prokon? Auch nach Ablauf einer Frist können Anleger mitteilen, ob sie ihr Geld dem Windanlagen-Finanzierer zur Verfügung stellen. Die Kieler Landesregierung sorgt sich um den Standort Itzehoe.

Eine Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon. Das Land Schleswig-Holstein kann dem Unternehmen kaum helfen. dpa

Eine Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon. Das Land Schleswig-Holstein kann dem Unternehmen kaum helfen.

Itzehoe/ Bad SegebergDie Zukunft des Windanlagen-Finanzierers Prokon ist weiter in der Schwebe. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Bad Segeberg, unklar seien die Liquidität des Itzehoer Unternehmens sowie die Frage einer Insolvenzgefährdung. Ein Treffen mit Prokon-Vertretern und dem Ministerium auf Staatssekretär-Ebene am vergangenen Freitag habe keine Klarheit gebracht.

Nach einem am Dienstag auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlichten Zwischenergebnis reagierten bis zum Nachmittag (Stand: 17.15 Uhr) gut 53 Prozent der Anleger auf den Aufruf des Unternehmens, sich zum Halten ihrer Genussrechts-Anteile zu verpflichten. Von 75.300 Inhabern meldeten sich demnach 47.200. Davon stimmten 40.400 einer verlängerten Kündigungsfrist zu, die rund 746 Millionen Euro Kapital vertreten. Weitere 6.800 Anleger mit rund 106 Millionen Euro Kapital kündigten ihre Genussrechte.

Prokon-Chef Carsten Rodbertus hatte in einem Schreiben vom 10. Januar erklärt, dass bis zum vergangenen Montag 95 Prozent der Anleger eine Erklärung abgeben sollten, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls würde das Unternehmen Insolvenz anmelden. Doch ob es wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist offen. Prokon gab am Dienstag keine neue Mitteilung heraus. In der vergangenen Woche hatte Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Das Land Schleswig-Holstein kann nach den Worten von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) dem Windanlagen-Finanzierer kaum helfen. Die Finanzmarktstruktur des Unternehmens erschwere dies, sagte Albig. „So unerfreulich das ist.“ Wo es um Kapitalmarktmodelle gehe, sei es für das Land fast ausgeschlossen, tragfähig zu helfen. Den sehr erfolgreichen realwirtschaftlichen Bereich von Prokon - dazu gehört insbesondere der Bau von Windparks - wolle die Landesregierung positiv begleiten.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Meyer gilt die Hauptsorge dem Standort Itzehoe. Nach dem Aus für die Druckerei Prinovis mit 1.000 Mitarbeitern könnte die Region einen zweiten Schlag mit einer Insolvenz von Prokon mit 330 Beschäftigten am Standort nicht so einfach wegstecken. Sollte es dazu kommen, wären die Beschäftigten - darunter viele technische Angestellte wie Ingenieure - aber relativ gut vermittelbar.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

21.01.2014, 21:05 Uhr

8-Prozent-Rendite für Genusscheinkapitalgeber (nach Abzug der "Gemeinen"- und Betriebskosten). Wie das bei Turn-Key-Projekten funktionieren soll, die zum 12-13-fachen der Jahresbruttoertrags gekauft bzw. fertiggestellt werden, bleibt ein Riesenrätsel. Man teile einfach die Gesamtinvestitionssumme durch 13. Dies ergibt einen sog. 7,7-Prozenter. Es "riecht" wohl eher nach einem klassischen Schneeballsystem. "High-noon" now!

HofmannM

22.01.2014, 08:59 Uhr

In der sog. Erneuerbaren Energiebranche gibt es noch mehr "Schwarze Schafe". Es wurde, wird und wird noch genug Geld von kleinen und gorßen Anlegern in der sog. Erneuerbaren Energiebranche verbrannt werden. Aus dem einfachen Grund, weil diese Erneuerbare Energiebranche auf den staatlichen Subventions-Zwangsgesetz EEG basiert und damit NIE am Energiemarkt sich dem Wettbewerb stellen musste!

Account gelöscht!

22.01.2014, 09:33 Uhr

"Geldverbrennung"!?? Von wegen, es wandert nur in andere Taschen!

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