Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2011

07:05 Uhr

Edward Bramson

Wall-Street-Rebell will Vermögensverwalter übernehmen

VonAnne Kunz

Edward Bramson ist an der Wall Street als Rebell bekannt. Hat der Amerikaner mit seiner Investmentfirma Sherborne ein Unternehmen ins Visier genommen, verfolgt er immer die gleiche Strategie: Er kauft sich stückweise ein, kippt dessen Führung, sichert sich Einfluss und stellt die bisherige Geschäftspolitik auf den Kopf.

Finanzdistrikt in London: Der britische Vermögensverwalter F&C hat eine lange Wegstrecke hinter sich. Quelle: DAPD

Finanzdistrikt in London: Der britische Vermögensverwalter F&C hat eine lange Wegstrecke hinter sich.

LONDON: Derzeit mischt Bramson den ältesten britischen Vermögensverwalter F&C auf. In einer außerordentlichen Hauptversammlung am dritten Februar will er den Verwaltungsrat stürzen und seine eigenen Leute in die Chefsessel setzen. Für F&C ist das ein Schock. Nach jahrelangem Ringen um die Zukunft des Konzerns galt die Situation als stabil. Anleger glaubten an eine Erholung. Diese Hoffnung ist nun verpufft. Die Kampagne verunsichere Kunden und Mitarbeiter und sei geschäftsschädigend, sagt die Unternehmensführung.

Tatsächlich könnte der Konzern durch diese unerwartet plötzliche Personal-Rochade geschwächt und die erfolgreiche Sanierung aufs Spiel gesetzt werden. Die Zukunft des Vermögensverwalters ist für die gesamte Branche von Interesse: F&C verwaltet den über 100 Jahre alten und damit weltweit ersten Investmentfonds Foreign & Colonial und hat damit 120 Milliarden Euro unter seinen Fittichen.

Nun wollen die Amerikaner die Macht an sich reißen und drei ihrer Leute in den Verwaltungsrat hieven: An die Stelle des jetzigen Chairman, Nick MacAndrew, soll Sherborne-Gründer Bramson rücken. Rückenwind bekommt er vom drittgrößten Anteilseigner Aviva: der fünftgrößte Versicherer ist mit 20 Prozent in Sherborne investiert.

Aviva wollte sich zu der Kampagne nicht näher äußern und gab lediglich bekannt, dass die Tatsache, dass Bramson bisher keine Erfahrung in der Finanzbranche habe, kein Hindernis sei. Aviva und Sherborne besitzen gemeinsam fast 26 Prozent an F&C.

Zweitgrößter Anteilseigner ist die niederländische Versicherungsgruppe Eureko. Die Holländer äußerten sich noch nicht öffentlich, haben allerdings einen eigenen Vertreter im Verwaltungsrat. So gilt es als sicher, dass sie gegen die Sherborne-Pläne stimmen werden. Zudem ruft F&C in einem Brief die übrigen Aktionäre dazu auf, bei der geplanten Kampfabstimmung sich auf die Seite des aktuellen Verwaltungsrats zu schlagen.

Der Vermögensverwalter hat eine lange Wegstrecke hinter sich. Mehrere Jahre ließ der britische Versicherer und damalige Mehrheitseigner Friends Provident die Zukunft von F&C im Ungewissen, Verkaufspläne scheiterten, Klienten zogen ihr Kapital ab - allein im Jahre 2008 nahmen Großanleger mehr als neun Milliarden Euro mit. Im vergangenen Sommer nutzte Sherborne den günstigen Aktienkurs, um bei F&C einzusteigen. Seit Dezember besitzt er die meisten Anteile.

Die Lage bleibt angespannt

Sherbornes Pläne sind bisher unklar: Der Investor gab bislang keine Geschäftsstrategie unter der neuen Führung bekannt. Die Lage bleibt angespannt. Noch im ersten Halbjahr 2010 verbuchte der Vermögensverwalter einen operativen Verlust von 8,3 Milliarden Pfund. Einer der größten vergangenen Erfolge von Sherborne war die Machtübernahme bei der britischen Telekommunikationsfirma Spirent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×