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14.10.2015

10:48 Uhr

ETF-Verluste

Mit Hebelwirkung in die Verzweiflung

Der Nikkei-ETF von Next Funds ist der größte ETF der Welt – und er schreibt derzeit auch die größten Verluste. Die Investoren kaufen trotzdem. Sie hoffen immer noch auf kurzfristige Gewinne.

Gehebelte ETFs auf den Nikkei fahren derzeit dicke Verluste. Dennoch investieren Anleger. AFP

Viel Wirbel in Japan

Gehebelte ETFs auf den Nikkei fahren derzeit dicke Verluste. Dennoch investieren Anleger.

Seit Mitte August haben Investoren die Rekordsumme von 4,5 Milliarden Dollar in den Next Funds Nikkei 225 Leveraged Index ETF fließen lassen. Der Fonds ist so angelegt, dass er doppelt so stark steigt oder fällt wie der gleichnamige Index. Für Investoren bedeutet das hohe Verluste – schließlich ist der Fonds in dem Zeitraum um etwa 20 Prozent gesunken.

Es ist der größte Fonds seiner Art in der Welt. Inzwischen hat er eine solche Größe erreicht, dass er den gesamten Aktienmarkt beeinflussen kann, heißt es in einer Analyse von BNP Paribas. „Sie decken einen größeren Teil des Marktes ab“, sagt Tony Glove, Chef für Investment-Management bei BNP Paribas Investment Partners Japan. „Volatile Märkte sind keine gute Nachricht angesichts zunehmender Intraday-Ausschläge. Die Fonds ist ein entscheidender Faktor, der dahinter steht.“

Der Fonds ist bei Händlern inzwischen populärer als etwa Toyota, Japans größter Autohersteller. Der durchschnittliche Umsatz pro Tag für den ETF lag in den vergangenen beiden Monaten bei rund 250 Milliarden Yen - das Dreifache von Toyota.

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Investoren haben in den vergangenen acht Wochen netto 544 Milliarden Yen in den gehebelten ETF gesteckt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren 61 Milliarden Yen in den Fonds geflossen, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Japanische Aktien hatten von Optimismus zu den Unternehmensgewinnen und besserer Unternehmensführung bei den Firmen des Landes profitiert.

Die Zuflüsse kommen hauptsächlich von inländischen Investoren, ist von Brokern zu hören. Nomura Asset Management, das Unternehmen hinter dem ETF, nutzt Nikkei-225-Futures, um das Doppelte der täglichen Bewegung des zu Grunde liegenden Aktienindexes abzubilden. Ein Großteil des Handels findet dabei in der Regel kurz vor Börsenschluss statt. Wie alle anderen gehebelten Fonds auch muss der ETF zukaufen, wenn der Markt steigt und verkaufen, wenn der Markt fällt.

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