Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.12.2014

14:50 Uhr

Euro-Krise

Spekulation auf Aktienabsturz in Griechenland

VonRoman Tyborski

Die politische Krise in Griechenland ruft alte Ängste wieder wach. Viele Investoren befürchten ein erneutes Ausbrechen der fast schon vergessenen Euro-Krise. Ist diese Angst übertrieben?

Griechenland lässt die Angst vor der Euro-Krise wieder aufflammen. Experten raten jedoch einen kühlen Kopf zu bewahren. dpa

Griechenland lässt die Angst vor der Euro-Krise wieder aufflammen. Experten raten jedoch einen kühlen Kopf zu bewahren.

DüsseldorfDie Euro-Krise ist wieder in den Köpfen der Investoren. Nach dem erneuten Scheitern der Präsidentschaftswahlen in Griechenland stehen im kriselnden Land nun Neuwahlen an – doch genau die wollten Anleger nicht.

Viele Investoren waren sich sicher, dass der dritte Wahlgang am Montag Klarheit bringen würde, zumal der von Ministerpräsident Antonis Samaras favorisierte Kandidat Stavros Dimas dann nur noch 180 statt 200 Stimmen für einen Wahlsieg brauchte. Diese Sicherheit stellte sich als Irrtum heraus.

An den Aktienmärkten löste der Ausgang der dritten Wahl Panikreaktionen aus. In Frankfurt knickte der Dax am Montag kurzzeitig deutlicher ein und beendete seine Jahresendrally. In Athen rauschte der Branchenindex ASE zwischenzeitlich sogar über elf Prozent ins Minus.

Die Aktionäre müssen sich nun erst einmal mit dem Gedanken anfreunden, dass bei den Neuwahlen die linke Syriza-Partei von Alexis Tsipras das Rennen machen könnte. Tsipras ist ein entschiedener Gegner der Sparpolitik, die Griechenland durch die Troika auferlegt wurde. Und nicht nur das. Der linke Politiker will kostenlose Elektrizität, Nahrung und Unterkünfte für bedürftige Griechen anbieten. Die Privatisierung soll zudem unter der Syriza-Partei rückgängig gemacht, Steuern gesenkt und Löhne und Renten angehoben werden. Auch wenn einiges für diesen Maßnahmenkatalog spricht – letztlich ist er wohl unbezahlbar.

Laut Meinungsumfragen könnte es bei den am 25. Januar stattfindenden Parlamentswahlen in Griechenland zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den regierenden Konservativen von Ministerpräsident Antonis Samaras und seinem Herausforderer Alexis Tsipras kommen. In einer am Dienstag veröffentlichten Meinungsumfrage im Auftrag des Senders Alpha TV kam Syriza noch auf 28,1 Prozent, während die Samaras-Partei Neue Demokratie bei 25,1 Prozent landete.

Investoren ist diese Stimmungslage zu heikel. Sie beginnen bereits Gelder wieder aus Griechenland zurückzuziehen. Erste Anzeichen dieses Rückzuges konnte man bereits bei dem börsennotierten Indexfonds beobachten, der griechische Aktien abbildet. Innerhalb der vergangenen 30 Tage verlor der Global X FTSE Greece 20 ETF (ISIN: US37950E3669) über 16 Prozent. Das Produkt ist der einzige börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf den griechischen Aktienindex. Zudem haben die Investoren den fünften Monat in Folge Geld aus dem ETF abgezogen. Das ist die längste Abflussserie seit Auflegung des ETF 2011, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Auch die Zahl der Aktionäre steigt, die auf einen Absturz griechischer Aktien wetten. Laut Daten des Finanzdienstleisters Markit lagen die Leerverkäufe bei diesem ETF bei 18 Prozent der ausgegebenen Anteile, nachdem sie am 17. Dezember, dem Tag des ersten Wahlgangs, 20 Prozent erreichten. Leerverkäufer wollen an fallenden Kursen verdienen. Sie verkaufen die Papiere heute, um sie dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder billiger am Markt einzukaufen.  

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×