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07.06.2012

15:24 Uhr

Eurokrise

Chinas Staatsfonds zweifelt an Europa

Der Chef des Fonds CIC befürchtet ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Wegen der immer angespannteren Finanzlage der Mitgliedstaaten, hat Peking sein Engagement im europäischen Währungsraum bereits reduziert.

Blick auf die Zentrale der People's Bank of China (PBOC) in Peking. dpa

Blick auf die Zentrale der People's Bank of China (PBOC) in Peking.

PekingDie anhaltende Schuldenkrise hat das Vertrauen des chinesischen Staatsfonds CIC in Europa erschüttert. Der Fonds mit einem Vermögen von 410 Milliarden Dollar fürchtet, dass die Währungsunion auseinanderbricht. "Wir finden derzeit, dass es zu viel Risiko an Europas öffentlichen Märkten gibt", sagte CIC-Chef Lou Jiwei dem "Wall Street Journal" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview.

Die Gefahr eines Auseinanderbrechens steige. Europa ist für die Volksrepublik der größte Exportmarkt. Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiger Vertreter der Regierung in Peking den teilweisen Rückzug aus Europa öffentlich macht. Angesichts der schwerwiegenden Probleme in Spanien und Griechenland droht die Euro-Zone immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise zu geraten.

Welche Summe der Staatsfonds aus Europa abgezogen hat und in welchen Bereichen, ist unbekannt. Lou betonte, dass sein Land über direkte Beteiligungen und Privatinvestitionen weiter in Europa anlege. In der Vergangenheit hat Peking versucht, die europäischen Bemühungen zur Lösung der Schuldenkrise zu unterstützen.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Allerdings ließ die Volksrepublik bisher offen, ob sie einen europäischen Rettungsschirm mit eigenen Geldern stützt oder ob sie Euro-Bonds - sofern sie aufgelegt würden - kaufen würde. Vor allem letzteres scheint in weite Ferne gerückt. Laut Lou ist dabei das Risiko zu hoch und die Einnahmen zu gering.

China hält mit 3,3 Billionen Dollar die größten ausländischen Devisenreserven der Welt. Allein deswegen schielen viele schuldengeplagte Länder und Firmen ins Reich der Mitte und hoffen auf finanzielle Hilfe.

Von

rtr

Kommentare (5)

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nobum

07.06.2012, 16:16 Uhr

An alle Euroskeptiker:
Die Direktinvestitionen der Volksrepublik in Europa dürften sich im Zeitraum von 2010 bis 2020 auf eine bis zwei Bill. Dollar (801 bis 1.602 Mrd. Euro) erhöhen,.... .....Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht zum Zusammenbruch der Euro-Zone komme.
siehe: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/auf-europa-schwappt-eine-investitionswelle-aus-china-zu--521125/index.do?_vl_backlink=/home/index.do&_vl_pos=1.DT

Jupp

07.06.2012, 16:39 Uhr

Die Chinesen sind nicht übertrieben doof. Nicht so wie die Euromantiker. Die Zone wird zerbrechen und größtes Unheil anrichten. "Politische Projekte" ohne ökonomischen Verstand geht es NIE anders. Kann jeder in Geschichtsbüchern nachlesen!

Shorty

07.06.2012, 19:53 Uhr

Nicht übertrieben doof, aber doof und überfordert - wie alle Mächtigen. Und wenn der Plan einer geheimen Elite hinter allem steckt zur Erringung der Weltherrschaft, dann darf man mit Fug und Recht am Verstand der geheimen Elite zweifeln. So wird das nämlich nichts.

Praktisch befinden sich alle drei Freihandelszonen in einer schweren Wirtschaftssdepression, die Regime am Rande des Zusammenbruchs. Wenn eine einstürzt, fallen die anderen hinterher. Es geht nur noch darum, nicht zuerst zu stürzen.

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