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17.09.2015

13:47 Uhr

Fed-Entscheidung

„Die längste Schwangerschaft der Geschichte"

VonJürgen Röder

Für Julian Mayo sind die jahrelangen Spekulationen über eine US-Zinswende vor allem eins: viel Gerede. Seine Investments in Schwellenländer macht er nicht von der Notenbankpolitik abhängig. Welche Märkte ihn überzeugen.

Das Gerede um eine US-Zinserhöhung ist für Fondsmanager Julian Mayo die längste Schwangerschaft der Geschichte. Imago

Schwanger

Das Gerede um eine US-Zinserhöhung ist für Fondsmanager Julian Mayo die längste Schwangerschaft der Geschichte.

DüsseldorfJulian Mayo managt den mehrfach ausgezeichnete Magna Emerging Markets Dividendenfonds. Im Interview wenige Stunden vor der Entscheidung über die US-Zinsen bleibt er gelassen. Das Gerede um eine mögliche Zinserhöhung vergleicht er mit einer Geburt, die auf sich warten lässt.

Herr Mayo, der Zinsentscheid der US-Notenbank steht unmittelbar bevor. Was erwarten Sie?
Meiner Meinung nach wird es in den nächsten zwölf Monaten nur kleine Anhebungen des US-Zinssatzes geben. Allerdings hat die Diskussion bislang schon Auswirkungen gehabt. Die Emerging Markets-Währungen sind seitdem durchschnittlich um 30 Prozent gefallen. Dass könnte schon der Preis gewesen sein.

Wird eine Zinserhöhung die Emerging Markets belasten?
Das Gerede um eine Zinserhöhung ist für mich die längste Schwangerschaft der Geschichte. Das ganze Gerede kam schon vor zweieinhalb Jahren auf. Passiert ist nichts. Was wäre eine gute Nachricht für die Märkte: Die Zinsen zu erhöhen oder nicht zu erhöhen? Ich weiß es nicht. Ich bin auch kein Experte für den US-Markt, sondern Spezialist für Emerging Markets. Doch egal ob Barack Obama oder Jane Yellen, keiner wird die US-Wirtschaft bremsen.

Insgesamt ein Drittel Ihrer Investitionen sind Finanzwerte. Ist es nicht zu risikoreich, wenn die Zinserhöhung jetzt kommt?
Das Dollar-Risiko in unserem Portfolio ist sehr gering. Wir investieren kaum in Banken, haben mit einem thailändischen Kreditinstitut aber ein Top-Wert in unserem Fonds. Die meisten Finanzwerte, in die wir investieren, sind relativ immun gegen US-Zinserhöhungen.

Fondsmanager Julian Mayo

Julian Mayo

Fondsmanager Julian Mayo

Das müssen sie erklären…
Es sind zum Beispiel Börsenbetreiber, einer in Russland und einer in Mexiko. Wir glauben, dass die ein gutes Geschäftsmodell haben. Auch in Krisenzeiten werden dort konstante Umsätze erzielt. Der andere Bereich sind Versicherungsunternehmen. Versicherungen in den Schwellenländern sind Wachstumsfirmen. Die Leute verdienen mehr, kaufen sich beispielsweise ein Auto und müssen dies dann versichern. Versicherungen in den Emerging Markets sind komplett anders als in den entwickelten Ländern.

Bevorzugen Sie „Old-Economy“-Aktien?
Ja und nein. Wir sind bei einigen wenigen Titeln aus der New Economy eingestiegen. Aber die „Real Economy“ ist wesentlich attraktiver für uns. Die Unternehmen erwirtschaften einen Cash Flow, während der bei vielen Unternehmen aus der New Economy negativ ist. Wir investieren in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Dennoch haben wir zwei Titel mit einem „New-Economy-Touch“ im Portfolio, einen aus der Halbleiterbranche. Und wir sind noch am Rundfunk- und TV-Anbieter Astro in Malaysia beteiligt, einem Unternehmen ähnlich wie Sky in Großbritannien.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

Halten Sie es für gute Idee, jetzt nach den deutlichen Kursverlusten in Emerging Markets zu investieren?
Fakt ist: In den vergangenen vier Jahren haben sich die Kurse der Emerging-Markets-Aktien deutlich schlechter entwickelt als die der Industriestaaten. So hat beispielsweise der US-Auswahlindex S&P-500 seit Juni 2011 um 40 Prozent zugelegt, der MSCI Emerging Markets in diesem Zeitraum hingegen 20 Prozent verloren.

Das ist aber kein Grund für ein Investment…
Man sollte einen anderen Chart hinzunehmen, den der Börsenstimmung der Anleger. Das ist ein Kontraindikator. Die Stimmung ist aktuell auf einem Tiefpunkt angelangt. Und immer dann, wenn die Stimmung im Keller war, sind anschließend die Kurse deutlich gestiegen - wie zum Beispiel 2003 oder Anfang 2009. Bei solch einer schlechten Stimmung haben Anleger mit Aktien aus Schwellenländern in den folgenden zwölf Monaten immer Geld verdient – manchmal 40 Prozent, nach 2009 sogar 80 Prozent. Es ist an der Zeit, mehr Geld in die Emerging Markets zu investieren.

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