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10.05.2011

12:31 Uhr

Fehlspekulationen

Kurseinbruch lässt Rohstoff-Fonds bluten

Anleger und Händler waren nach dem Crash an den Rohstoffmärkten wie vor den Kopf gestoßen. Viele Fonds wurden auf dem falschen Fuß erwischt und erlitten hohe Werteinbußen. An ihrem Optimismus ändert das jedoch nichts.

Ölvorräte im Hafen von Rotterdam. Quelle: dpa

Ölvorräte im Hafen von Rotterdam.

FrankfurtDer Crash an den Rohstoffmärkten hat selbst die Stars der Hedge-Fonds-Branche auf dem falschen Fuß erwischt: Als vor allem die Preise für Silber und Öl vergangene Woche in den Keller rauschten, schauten Anleger und Händler fassungslos auf die Kurstafeln. Ausgelöst hatte den atemberaubenden Kursrückgang unter anderem eine Erhöhung der Sicherheitsleistungen, die Investoren an der Rohstoffbörse Comex hinterlegen müssen, wenn sie mit Silber-Futures spekulieren.

Einigen Rohstoff-Fonds bescherte der Crash schwere Werteinbußen: Der 2,6 Milliarden Dollar schwere Fonds Astenbeck II, der von Andrew Hall, Chef-Händler des Rohstoff-Spezialisten Phibro, geleitet wird, habe vergangene Woche zwölf Prozent eingebüßt, sagte ein dort engagierter Investor. Der Londoner Hedge-Fonds BlueGold habe in seinem 2,1 Milliarden schweren Fonds ebenfalls zweistellige prozentuale Verluste eingefahren, sagten zwei der Anleger. Weder Phibro noch BlueGold wollten sich zu diesem Thema äußern.

Doch allzuviel Katzenjammer ist aus dem Markt, der seit Jahren nur den Weg nach oben kennt, nicht zu hören: „Dies ist für keinen der beiden allzu problematisch“, betonte ein in Hedge-Fonds investierter Anleger. Da sie teilweise recht offensive Strategien verfolgten, seien derartige Schwankungen nicht ungewöhnlich. „Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie sich schnell wieder erholen.“ Es deutet auch nichts darauf hin, dass irgendein Fonds wegen dieses Kursverfalls aufgeben muss, wie sich aus Dutzenden Interviews mit Kontaktpersonen aus der Branche ergibt. Außerdem bieten große Kursschwankungen gleichzeitig Chancen auf traumhafte Renditen.

Phibro-Chefhändler Hall, dessen jährliche Bonus-Zahlungen bei 100 Millionen Dollar liegen sollen, verwaltet Branchenkreisen zufolge ein Gesamtvermögen von 4,5 Milliarden Dollar. Anfang Mai hatte er in einem Schreiben an die Anleger betont, er rechne fest mit einem weiteren Ölpreis-Anstieg. „Höhere Ölpreise sind keine Fehlentwicklung, sondern - um ein Klischee zu bemühen - Teil einer neuen Normalität.“ Der Finanzinvestor Blackstone, mit einem Anlage-Volumen von einer Milliarde Dollar einer der größten Hall-Klienten, wollte sich zur aktuellen Kursentwicklung nicht äußern. Er betonte aber, dass Astenbeck 2010 trotz eines zehnprozentigen Wertverlustes im Mai eine Gesamtjahres-Rendite von zwölf Prozent erzielt habe.

Der Fonds BlueGold, geleitet von dem ebenfalls für seine Öl-Spekulationen bekannten Pierre Andurand, hatte 2008 ein Plus von 200 Prozent verbucht, als der Fonds den Preisanstieg der Nordsee-Sorte Brent auf das Rekordhoch von 147 Dollar je Barrel (159 Liter) und den anschließenden Absturz auf 35 Dollar korrekt vorhergesagt hatte.

Der Brent-Preis brach am vergangenen Donnerstag zeitweise um 13 Dollar ein - so viel wie nie zuvor. Am Montag stieg der Preis jedoch wieder um knapp sieben Dollar und verbuchte damit das zweitgrößte Tagesplus seiner Geschichte. Silber verbilligte sich seit Monatsbeginn um knapp 20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Dies ist der stärkste Kursrutsch seit drei Jahrzehnten. Auslöser war die Verteuerung der Spekulation durch die Anhebung der Sicherheitsleistungen (Margen) für Termingeschäfte. Im Silber-Sog gerieten auch die Preise für andere Rohstoffe ins Rutschen.

 

Von

rtr

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