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11.11.2015

11:27 Uhr

Fidelity schreibt Beteiligung herunter

Zweifel am Firmenwert von Snapchat

Die Fondsgesellschaft Fidelity ist am sozialen Netzwerk Snapchat beteiligt. Sechs Milliarden Videos werden dort täglich vor allem von jungen Leuten geteilt. Doch die Snapchat-Investition ist jetzt weniger wert.

Vor allem jungen Leute nutzen das soziale Netzwerk – zum Teilen von Fotos und kurzen Videos. AFP

Snapchat-Logo

Vor allem jungen Leute nutzen das soziale Netzwerk – zum Teilen von Fotos und kurzen Videos.

Düsseldorf/San FranciscoDie Euphorie beim Technologie-Investments erfährt einen Dämpfer. Ging es zuletzt für viele bekannte Start-up-Unternehmen bei der eigenen Firmenbewertung nur nach oben, muss unter anderem das soziale Netzwerk Snapchat einen Dämpfer hinnehmen. Die US-Fondsgesellschaft Fidelity hat den eigenen Anteil an der Technologie-Firma um ein Viertel abgeschrieben. Jetzt wird der Wert nur noch mit 34,5 Millionen Dollar angegeben, wie die Analysefirma Morningstar am Dienstag mitgeteilt hatte. Die Financial Times hatte kurz zuvor darüber berichtet.

Im Laufe des Jahres hatte Snapchat eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und war dabei mit 16 Milliarden Dollar bewertet worden. Im Mai hatte es geheißen, dass Snapchat bislang insgesamt 1,2 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben habe. Das Unternehmen war 2013 weltweit bekannt geworden, als der Gründer Evan Spiegel ein Übernahmeangebot des Rivalen Facebook im Wert von drei Milliarden Dollar abgewiesen hatte.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Snapchat war ursprünglich mit der Idee gestartet, dass Nutzer darauf „vergängliche“ Nachrichten verbreiten können. Ein Schnappschuss ist dann etwa nur einmal für maximal zehn Sekunden zu sehen. Doch von diesem Konzept hat sich das Unternehmen mittlerweile weitgehend verabschiedet. Gegen Zahlung können Nutzer mittlerweile auch ältere Nachrichten erneut anschauen. Und kürzlich hatte Snapchat seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch geändert, um eine breitere Vermarktung der Kundendaten zu ermöglichen.

Die Herabstufung durch Fidelity kommt in einer Phase, da im Silicon Valley die Skepsis unter Investoren wächst, dass die Bewertung der von ihnen finanzierten Unternehmen zuletzt übertrieben gewesen sein könnte. So hatten Fidelity und andere Fonds etwa die Anteile am Cloud-Speicherdienst Dropbox heruntergeschraubt, Fidelity selbst um 15 Prozent. Der Zahlungsdienst Square strebt einen wesentlich niedrigeren Börsenwert an als die zuvor genannte Bewertung als nicht-öffentlich gehandelte Firma betragen hatte.

Weder ein Sprecher für Snapchat noch Fidelity wollten sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg zu den Berichten äußern. Fidelity war mit einem Wachstumsfonds über den Kauf von nicht frei handelbaren Aktien im März bei Snapchat eingestiegen.

Die Nutzer der Smartphone-App Snapchat teilen nach Angaben des Unternehmens täglich mehr als sechs Milliarden Videos. Die Zahl habe sich seit dem Frühjahr verdreifacht, so Snapchat am Montag – ohne auf die Gründe einzugehen. Internet-Analyst Rob Enderle sagte, die Zahl sei zwar enorm: „Man muss sich allerdings fragen, was für Videos das sind.“ Viele seien vermutlich zweifelhaft. Und Snapchat falle es schwer, Geld mit den Inhalten zu verdienen, so Enderle.

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