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15.03.2016

16:01 Uhr

Finanzexperte Bonham Carter

„Ein gewisses Risiko muss man akzeptieren“

VonKatharina Schneider

Beim Radfahren durch die Londoner City ordnet der Vice-Chairman des Fondshauses Jupiter seine Investmentideen. Passive Produkte kommen ihm nicht ins Depot. Vorsichtig ist er jedoch bei der Wahl seines Fahrrads.

Exklusives Interview

„Risiko muss man akzeptieren - sonst funktioniert es nicht“

Exklusives Interview: „Risiko muss man akzeptieren - sonst funktioniert es nicht“

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FrankfurtWo trifft man einen Londoner Finanzexperten, der zu Gast in Frankfurt ist? In der Börse? In einem schicken Café am Fuße der Bankentürme? Nein, man trifft ihn in einem Fahrradladen. Eine pauschale Empfehlung ist dieser Ort natürlich nicht, doch im Gespräch mit Edward Bonham Carter, dem Vice-Chairman des Fondsanbieters Jupiter Asset Management, soll es nicht nur um Geld und Anlagestrategien gehen, sondern auch um sein Hobby. Im Biker’s Cave, unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs, probiert der 55-Jährige auch prompt ein Fahrrad aus.

Mr Bonham Carter, Sie haben sich für ein orangefarbenes Rad mit Körbchen am Lenker entschieden. Das ist ganz hübsch, aber Rennen gewinnen Sie damit nicht.
Darum geht es mir auch nicht. Wenn ich die acht Kilometer von zu Hause ins Büro fahre, nutze ich auch ein typisches Hollandrad. Ich mag es gerne etwas langsamer, komfortabler und sicherer.

Ist das auch Ihre Vorliebe bei der Geldanlage?
Auch da sollte nicht zu waghalsig agiert werden. Es ist wichtig, einen guten Überblick über das Marktumfeld zu haben. Außerdem braucht man Erfahrung, sollte sich konzentrieren und nicht zu sehr in Eile sein.

Beim Radfahren schützen Sie sich mit einem Helm, was hilft gegen die Turbulenzen an den Märkten?
Das Wichtigste ist, in solide Unternehmen zu investieren. Dafür schauen wir uns die Struktur der Firma und die Menschen im Management an. Volatile und schwierige Phasen gibt es immer wieder – ein gewisses Risiko muss akzeptiert werden. Ideal ist es, dann eine langfristige Perspektive zu haben.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Angesichts der aktuellen Kursverluste fällt es vielen Anlegern schwer, gelassen zu bleiben. Wie bewerten Sie die Situation?
Die ersten Wochen dieses Jahres waren an den globalen Aktienmärkten eher schwierig. Aber im Grunde genommen hat sich nichts Grundsätzliches geändert. Investoren sind hauptsächlich darüber besorgt, wie sich die chinesische Wachstumsschwäche auf andere Bereiche der Weltwirtschaft auswirken wird. In Zeiten wie diesen ist es sinnvoll, sich noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, wie wertvoll Geduld und langfristiges Investieren sind.

Haben Sie keine Angst vor einem Abschwung?
Die britische und amerikanische Wirtschaft befinden sich in einem relativ guten Zustand, wobei der niedrige Preis von Öl und anderen Rohstoffen einen natürlichen Korrekturmechanismus darstellt. Beispielsweise profitieren Konsumenten überall auf der Welt von niedrigen Benzin- und Energiepreisen, wodurch sie potentiell über mehr Ressourcen für andere Ausgaben in Güter oder Dienstleistungen verfügen. Dennoch müssen sich umsichtige Investoren der Risiken immer bewusst sein und es gibt sicherlich Indikatoren, die besondere Aufmerksamkeit bedürfen.

Welche Risiken meinen Sie?
Unsachgemäße Handlungen im Bereich der Wirtschaftspolitik seitens der Regierungen oder Zentralbanken könnten die fragile Situation destabilisieren. Das chinesische Wachstum wird wohl weiter langsam voranschreiten und Bereiche, die auf den Handel mit China angewiesen sind, bleiben anfällig. Hinzu kommt das bevorstehendes Brexit-Referendum sowie die US-Präsidentschaftswahl im November. Beides Events, die für signifikante Unsicherheit sorgen könnten und Investoren nervös werden lassen.

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