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14.09.2015

09:20 Uhr

„Finanztest“-Analyse

Milliardenverluste bei geschlossenen Fonds

Die Quote ist schlecht: Laut „Finanztest“ haben von 1.140 geschlossenen Fonds, die seit 1972 aufgelegt wurden, im Schnitt nur sechs Prozent ihre Gewinnprognose erfüllt. Wo Anleger die meisten Verluste erlitten haben.

Diverse geschlossene Schiffsfonds haben Anlegern herbe Verluste beschwert. dpa

Containerschiff

Diverse geschlossene Schiffsfonds haben Anlegern herbe Verluste beschwert.

BerlinMit Beteiligungen an Immobilien, Schiffen, Windrädern oder Medienfonds haben Anleger in den vergangenen Jahren Verluste in Milliardenhöhe erlitten. Die Zeitschrift „Finanztest“ untersuchte knapp 1.140 geschlossene Fonds, die von 1972 bis heute aufgelegt wurden:

Im Schnitt erfüllten nur sechs Prozent der Fonds ihre am investierten Anlegergeld gemessene Gewinnprognose, wie die Tester am Montag vorab aus der neuen Ausgabe berichteten. Insgesamt verbrannten die Anleger demnach 4,3 Milliarden Euro, statt einen in den Prospekten in Aussicht gestellten Gewinn von insgesamt 15,4 Milliarden Euro einzustreichen.

Anleger geschlossener Fonds beteiligen sich direkt an Unternehmen, und können bei einer Pleite auch alles verlieren. Typisch sind Immobilien oder Windparks, früher waren Schiffe sehr beliebt. Laut Untersuchung von „Finanztest“ bescherten 69 Prozent der Fonds den Anlegern Verluste.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Die Tester nahmen 666 bereits aufgelöste Fonds unter die Lupe, bei denen das Endergebnis also bereits feststeht. Bei den 473 noch laufenden Fonds verglichen sie laut „Finanztest“ die bisherigen Ausschüttungen und die Kurse, mit denen die Fondsanteile zuletzt an der Zweitmarktbörse gehandelt wurden. Bis zum Ende der Laufzeit könne sich ihr Ergebnis noch verbessern oder verschlechtern.

Im Schnitt erlitten Anleger bei 57 Prozent der Immobilienfonds, bei 62 Prozent der Umweltfonds, bei 81 Prozent der Schiffsbeteiligungen und bei 96 Prozent der Medienfonds einen vollständigen oder zumindest teilweisen Verlust ihres angelegten Kapitals, ergab die Untersuchung von „Finanztest“. Ausgewertet wurden demnach Fonds mit einem Eigenkapitalvolumen von rund 37 Milliarden Euro.

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Wegen vieler Skandale – zuletzt der Pleite des Windkraftfinanziers Prokon – hat die Bundesregierung den Schutz von Kleinanlegern inzwischen verbessert. Das neue Kapitalanlagegesetzbuch verpflichtet Fonds, sich bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) registrieren zu lassen. Sie kann etwa Werbung für bestimmte Vermögensanlagen oder deren kompletten Vertrieb beschränken sowie ganz verbieten.

Von

afp

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