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03.07.2014

15:47 Uhr

Flottenfonds III

Beim MPC-Schiffsfonds braut sich was zusammen

VonKatharina Schneider

Beim MPC-Flottenfonds III steht Ärger ins Haus: Ein Reeder will die Auszahlung an die Anleger stoppen und gegen MPC-Manager liegen Strafanzeigen vor – es geht um Bestechung. MPC bestreitet die Vorwürfe.

Die Schifffahrtskrise machte vielen Fonds zu schaffen, doch der MPC-Flottenfonds III schlug sich wacker. dpa

Die Schifffahrtskrise machte vielen Fonds zu schaffen, doch der MPC-Flottenfonds III schlug sich wacker.

DüsseldorfDer Streit zwischen der E.R. Schifffahrt und dem Schiffsfonds MPC Flottenfonds III geht in die nächste Runde. 50 Millionen Dollar fordert die Reederei von dem Fonds. Um an das Geld heranzukommen, versucht die Reederei Auszahlungen des Fonds an die Anleger zu verhindern. Eine einstweilige Verfügung, die das bewirkt hätte, hat das Landgericht Hamburg Anfang Mai aufgehoben (Az.: 401 HKO 3/14). Am Mittwoch wurde erneut vor dem Oberlandesgerichts (OLG) Hamburg verhandelt (Az.: 11 U 146/14). Ergebnis diesmal: „Die Parteien setzen ihre Vergleichsgespräche außergerichtlich fort. Falls es zu keiner Einigung kommt, wird das Gericht am 25.7. eine Entscheidung treffen“, so die Mitteilung einer Gerichtssprecherin.

Für die Anleger geht damit die Geduldsprobe weiter. „In diesem Rechtsstreit geht es um eine von E.R. Schifffahrt geforderte vorläufige Arrestierung des Anlegerkapitals“, teilte Kathrin Stehr, Sprecherin der MPC Capital, auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. Sprich: Der Fonds dürfte das Geld vorerst nicht auszahlen. „Wenn der MPC Flottenfonds unterliegt, darf das Kapital erst nach einem erfolgreichen Abschluss des Rechtsstreits in der Hauptsache ausgezahlt werden“, ergänzt Stehr. Wann die Anleger also ihr Geld bekommen, kann niemand so genau sagen.

Eigentlich war der MPC Flottenfonds III im Branchenvergleich immer positiv aufgefallen. Während andere Schiffsfonds in der Schifffahrtskrise der vergangenen Jahre reihenweise Pleite gegangen sind, hat dieser nicht nur das Kapital der Anleger erhalten, sondern auch eine positive Rendite erzielt. Doch seit der Fonds im vergangenen Jahr – mit Zustimmung der Anleger – vorzeitig einen Festchartervertrag gekündigt und die 14 Schiffe der Flotte verkauft hat, gibt es Ärger.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


E.R. Schifffahrt fordert nicht nur mehr Geld, sondern hat bei der Staatsanwaltschaft Hamburg auch Strafanzeige gegen fünf MPC-Manager eingereicht. Dies bestätigte E.R. gegenüber Handelsblatt Online, wollte sich zu den Details aber nicht äußern. Auch eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Strafanzeige. Es gehe dabei um den Vorwurf der Bestechung im geschäftlichen Verkehr nach Paragraph §299 StGB. Der zur Anzeige gebrachte Sachverhalt werde geprüft, über Einzelheiten könne sie aber keine Angaben machen.

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