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19.03.2014

17:06 Uhr

Fonds auf dem Prüfstand

Morningstar straft Pimco ab

Seit dem Rücktritt von Mohamed El-Erian kommt Pimco nicht zur Ruhe. Jetzt kommt die Quittung: Morningstar stuft das Rating der Gesellschaft herab. Die Qualität des Managements ist nicht der einzige Kritikpunkt.

Bill Gross auf dem Golfplatz: Der Gründer von Pimco gilt als fordernder Chef. Reuters

Bill Gross auf dem Golfplatz: Der Gründer von Pimco gilt als fordernder Chef.

New YorkPimco bekommt die Quittung für die Querelen an der Firmenspitze: Analysten von Morningstar, einer Ratingagentur für Fonds, kritisieren die Qualität des Managements. Es gebe Unsicherheit über den weiteren Kurs bei Pimco.
Morningstar hatte Pimco in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben intensiv unter die Lupe genommen und Gespräche mit mehreren Top-Managern des Fondshauses geführt, darunter auch Pimco-Gründer Bill Gross. Ein Besuch der Firmenzentrale im kalifornischen Newport Beach am 10. März gehörte ebenfalls zur Recherche. Nach einer Reihe von Medienberichten über ein Zerwürfnis von Gross und El-Erian habe er der Frage nachgehen wollen, inwiefern davon das Tagesgeschäft von Pimco betroffen sei, schrieb Morningstar-Analyst Eric Jacobson in einer Kurzstudie.

Nach Abschied bei Pimco: El-Erian meldet sich zurück

Nach Abschied bei Pimco

El-Erian meldet sich zurück

Wochenlang war er in der Versenkung verschwunden, jetzt ist er wieder da: Nach seinem Abschied bei Pimco meldet sich Mohamed El-Erian in einem Onlinenetzwerk zurück. Sagt er etwas über den Disput mit Bill Gross?

Das Ergebnis seiner Recherche dürfte Pimco nicht gefallen: Der Rückzug von El-Erian sowie von anderen Managern wie Pasi Hamalainen, Zhu Changhong und Bill Powers seit 2008, die alle im Investmentausschuss der Gesellschaft saßen, „hat die Unternehmenskultur deutlich verändert“, schrieb Jacobson. Die Veränderungen spiegelten ein höheres Maß an Unsicherheit wider. Nach Berichten im Wall Street Journal soll Mohamed El-Erian das Unternehmen im Streit verlassen haben. Er soll sich mit Bill Gross überworfen haben.
Der Analyst stufte den sogenannten „Stewardship Grade“ von „B“ auf „C“ herab. Die Bestnote ist ein „A“ und die schlechteste ein „F“. Diese Note zeigt an, wie gut eine Gesellschaft geführt wird. Sie hat nichts mit dem Fünf-Sterne-Bewertungssystem von Morningstar zu tun, das auf risikobereinigten Erträgen basiert.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Doch auch die Ratings für die Investmentfonds von Pimco stehen laut Morningstar auf dem Prüfstand. Bis Anfang April soll eine Entscheidung fallen. Die Ratingagentur liefert Daten zu rund 446.000 Finanzprodukten, darunter 155.000 Investmentfonds. Pimco ist in den vergangenen zwölf Monaten unter Druck geraten. Der größte Fonds, der Total Return Fund, schnitt schlechter ab als Konkurrenten. Kunden zogen Milliarden aus dem Fonds ab.
Die Wechsel in der Führungsetage sind nicht der einzige Kritikpunkt von Morningstar: Außerdem gebe es Bedenken hinsichtlich der Gebühren und des Volumens des 236 Milliarden Dollar schweren Pimco Total Return Fund, so Morningstar. Der von Bill Gross gemanagte Fonds hat zwar im Oktober seinen Titel als weltgrößter Publikumsfonds eingebüßt, bleibt jedoch weiterhin der größte Anleihefonds.

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