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22.07.2013

15:59 Uhr

Fonds-Geschäfte

Union Investment punktet bei Kleinsparern

Union Investment kann sich freuen: Vor allem kleine Anleger, die sich zuletzt im Bereich der Fondsgeschäfte zurückgehalten hatten, kommen wegen Zinsflaute zurück. Dafür stockt das Geschäft in anderen Sparten etwas.

Die kleinen Groschen trauen sich wieder auf den Plan: Union Investment freut sich über neue Privatkunden. gms

Die kleinen Groschen trauen sich wieder auf den Plan: Union Investment freut sich über neue Privatkunden.

FrankfurtBei der Fondsgesellschaft Union Investment nimmt das Geschäft mit Privatkunden deutlich an Fahrt auf. Zwar sammelte das Haus im ersten Halbjahr unter dem Strich mit 6,7 Milliarden Euro ungefähr genauso viele neue Kundengelder ein wie vor einem Jahr. Doch davon stammten 2,7 Milliarden von den Kleinsparern, die in den vergangenen Krisenjahren noch sehr zurückhaltend mit Fondsanlagen waren. „Damit konnten wir die Trendwende aus dem Vorjahr bestätigen und das Wachstum sogar weiter ausbauen“, erklärte Vorstandschef Hans Joachim Reinke am Montag. „Wir haben in den ersten sechs Monaten schon den gesamten Absatzerfolg des Jahres 2012 übertroffen“, betonte er mit Blick auf das Privatkundengeschäft.

Lange Zeit hatten Kleinsparer – bei Union Investment sind das überwiegend die Privatkunden der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken – einen großen Bogen um die Kapitalmärkte gemacht und ihr Erspartes lieber auf sicheren Tages- und Festgeldkonten geparkt. Doch im anhaltenden Niedrigzinsumfeld verlieren sie selbst bei geringer Inflation Geld. Daher löse sich die „Schockstarre“ der Privatkunden langsam, berichtete Reinke. Allerdings suchten sie weiterhin Sicherheit und wählten vor allem Mischfonds, die das Geld über mehrere Anlageklassen streuen. Die Einführung strengerer Haltefristen ab Juli habe zudem bei den Offenen Immobilienfonds noch zu einer Art Schlussverkauf geführt.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Etwas abgekühlt hat sich das Geschäft mit institutionellen Investoren wie Versicherern und Pensionskassen: Hier sammelte Union Investment im ersten Halbjahr netto vier Milliarden Euro ein. Insgesamt gewann die Fondsgesellschaft 22 neue Kunden, der Großteil davon aus dem nicht-genossenschaftlichen Bereich. Die Profi-Anleger fragten weniger klassische Staatsanleihen, dafür aber mehr Covered Bonds (Pfandbriefe), Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern und dividendenstarke Aktienanlagen nach. Nur so können sie die Renditen einfahren, die sie auch ihren Kunden versprochen haben. Union Investment geht davon aus, dass Profi-Anleger mit ihren Kapitalanlagen auch in den nächsten Jahren zu kämpfen haben werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde noch mindestens bis 2015 an ihrer Niedrigzinspolitik und begleitenden Liquiditätsmaßnahmen festhalten, ist sich der für das Portfoliomanagement zuständige Vorstand Jens Wilhelm sicher.

Insgesamt verwaltete Union Investment per Ende Juni ein Vermögen von knapp 198 Milliarden Euro – neun Prozent mehr als vor einem Jahr.

Von

rtr

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