Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2014

10:05 Uhr

Fonds-Spezial

Guter Mix statt Minizinsen

VonIngo Narat

Unruhe in den Schwellenländern, Dax-Einbruch, Anlageskandale: Reine Aktienfonds haben in der Gunst der Anleger weiter verloren, sie gelten als zu riskant. Beliebter sind da Mischfonds – und einige im Speziellen.

Für 11,6 Milliarden Euro kauften die Deutschen 2013 Mischdepots. Rein in Aktien zu investieren bleibt vielen dagegen zu riskant.

Für 11,6 Milliarden Euro kauften die Deutschen 2013 Mischdepots. Rein in Aktien zu investieren bleibt vielen dagegen zu riskant.

FrankfurtProfessionelle Anbieter von Investmentfonds tun sich schwer. Sie haben mit viel Gegenwind zu kämpfen. Ihre potenziellen Kunden werden mit Negativmeldungen von den Kapitalmärkten überhäuft: In diesen Tagen ist große Unruhe in den Schwellenländern ausgebrochen; der deutsche Aktienindex Dax hat seit Monatsmitte knapp 400 Punkte verloren.

Ganz zu schweigen von den jüngsten Skandalen bei Anlagefirmen. Und die großen Börsencrashs in diesem Jahrtausend wirken nach. So ziehen Anleger trotz steigender Kurse die Reißleine und verkaufen Fondsanteile im großen Stil, vor allem reine Aktienfonds.

Doch es gibt auch Lichtblicke beim Fondsabsatz. „Anleger stellen fest, dass Festgeld und Sparbuch nicht mehr viel einbringen“, sagt Henning Stegmayer, Geschäftsführer der Vertriebstochter der Anlagegesellschaft Universal-Investment. „Sie merken, sie müssen etwas tun“, ergänzt er. Schon in den vergangenen Jahren haben sich Privatanleger bei Käufen stark auf Anleihefonds und Mischfonds konzentriert.

„Mischfonds sind der Einstiegsweg“, meint der Universal-Mann. Während Anleihefonds im vergangenen Jahr bis November 10,2 Milliarden Euro anzogen, wurden Mischdepots für 11,6 Milliarden Euro gekauft; es war die meistgefragte Fondsgruppe überhaupt. „Direkt in die Aktie trauen sich derzeit nur wenige, aber mit Risikopuffer funktioniert das“, sagt Stegmayer.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Mit Mischfonds wollen die Manager eine Vermögensverwaltung in einem Produkt bieten. Im Idealfall sollen Aktien, Anleihen und andere Vermögensformen so gemischt werden, dass ein breit gestreutes Depot mit attraktiver Rendite und begrenzten Verlustrisiken entsteht.

Je nach Marktlage können die Fondsmanager flexibel auf die Trends an den Kapitalmärkten reagieren, bei Turbulenzen beispielsweise die Aktienquote senken. Damit haben die Produkte den Charakter einer Vermögensverwaltung: Der Privatanleger überlässt die Mischung der Anlageklassen dem Fondsmanager.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kevin

29.01.2014, 11:01 Uhr

interessant zu wissen!

http://www.youtube.com/watch?v=1rvPPxnITzU

TomXXX

29.01.2014, 11:44 Uhr

Die Sicherheit des Mischfonds ist eine reine Mogelpackung!

Vor einigen Jahren wurde noch von einer angeblichen besseren Performance dieser Fonds gesprochen (die es auch nicht gab).

Ein Anleger der in Aktien investiert, muss sich darüber klar sein, dass er das Geld langfristig anlegen können muss. Wenn eine Baisse kommt, dann muss er diese Aussitzen können. Hier kommt das erste Risiko eines Fonds hinzu, nämlich der wild kaufende und verkaufende Fondsmanager, der statt aussitzen sein Window-Dressing versucht. So werden Verluste wirklich realisiert!

Zurück zur Gesamtrisikosituation des Anlegers: wenn er einen Teil seiner Erspanisse in Aktien anlegt und braucht jetzt etwas Geld, dann kann er mit einem Mischfonds eben nur gemischt diesen verkaufen. Er muss also die Verluste, die es zu diesem Zeitpunkt gibt auch realisieren! Von da her ist das einzig sinnvolle getrennt in Aktien und in sicherere Anlagen zu investieren. Nur so kann man eine Baisse aussitzen!

Account gelöscht!

29.01.2014, 13:14 Uhr

Mh ich möchte in Zukunft auf gerne einen Mischfonds anbieten.
Der Fokus soll auf der Dividende liegen nicht auf dem Kurs.

Bei einem Jahr Fälligkeit wären 4-5% p.a. drin.
Los gehen soll es mit einer Wertpapierquote
(Anleihen,Aktien) von deutlich über 70%.

Der Rest wird dann flexibel in Darlehen und Beteiligungen
ausgekleidet die ein anderes Unternehmen dann investieren soll.

Ein Teil der Gewinne aus dem Fixed-Income Unternehmen fliesst
dann in den Mischfond zurück und bezahlt die Anleger oder wird
wieder am Kapitalmarkt reinvestiert.

Desweiteren könnte ich mir auch vorstellen nach einigen Jahren
wenn ich ein genaueres Profil der Anleger habe auch mal etwas
in Festgeld-/Geldmarkt-Konten zuparken.

Jenachdem was gerade am Besten ins Portfolio passt.

Zusätzlich soll es dann noch diverse Anleiheprogramme geben
die den Mischfond unterstützen sollen.
Die Fälligkeit wird hierbei mindestens 5 Jahre betragen.

Mit diesem Kapital soll das Fixed-Income Unternehmen dann
mehrjährige Investitionen stemmen.

Wichtig ist halt immer liquide zubleiben damit man nicht so
endet wie Prokon :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×