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08.02.2012

17:15 Uhr

Fonds

Unbekannten Risiken im Depot

VonIngo Narat

Anleger haben das Vertrauen in die Kapitalmärkte verloren und scheuen das Risiko. Vor allem Rentenfonds stehen auf der Verkaufsliste. Anleger gehen damit ungeahnte Risiken ein.

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Privatanleger haben hohe Summen aus Publikumsfonds abgezogen. dapd

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Privatanleger haben hohe Summen aus Publikumsfonds abgezogen.

FrankfurtAnleger wollen keine Risiken eingehen - doch tatsächlich stecken sie so tief in Risiken wie noch nie. Das heißt konkret: Sie verabschieden sich von Aktien- und Anleihefonds. Gleichzeitig sind sie über kollektive Sparprogramme zur Altersvorsorge aber rekordhoch gerade in Anleihen investiert. „Die Investoren betrügen sich“, sagt Dirk Klee, Deutschland-Geschäftsführer von Blackrock. „Sie holen sich Risiken, denen sie aus dem Weg gehen wollen, durch die Hintertür herein.“

Der Fondsverband BVI hat auf seiner Jahres-Pressekonferenz diese Entwicklung mit aktuellen Zahlen belegt. Im vergangenen Jahr zogen die Privatanleger aus den nicht zuletzt für sie konzipierten Publikumsfonds 17 Milliarden Euro ab, allein sechs Milliarden Euro aus Anleihenfonds.

Gleichzeitig flossen aber 45 Milliarden Euro in Spezialfonds für institutionelle Investoren. Dahinter verbergen sich vor allem Sparprogramme für die Altersvorsorge, etwa von Versicherungen, Pensionskassen oder berufsständischen Versorgungswerken.

Noch nie war der Abstand zwischen beiden Fondsgruppen bei den Kapitalströmen so groß wie im vergangenen Jahr. Brisant ist die Anleiheperspektive: Die Verkaufswelle bei den Anleihenfonds hat erst in den vergangenen Monaten eingesetzt. Die Netto-Abflüsse des letzten Jahres sind also praktisch identisch mit denen aus dem vierten Quartal. Gerade nach der Herabstufung der Bonität der USA und der eskalierenden Euro-Schuldenkrise im Herbst zogen Anleger hier Kapital ab.

Anleihen wollen die Privaten also offensichtlich nicht mehr haben. Aus der Risiko-Perspektive betrachtet sind bei Festverzinslichen die Ausfallrisiken von Staaten und Banken stark in den Blick gerückt. Außerdem halten viele Experten die weiteren Kursgewinnchancen bei Bonds nach nun drei Jahrzehnten Anleihe-Hausse für begrenzt.

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