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11.02.2016

16:05 Uhr

Fonds und der Börsencrash

Die Angst vor der großen Verkaufswelle

VonIngo Narat, Anke Rezmer

Die deutsche Fondsbranche verbucht Rekordzahlen und zeigt Zuversicht. Angesichts der massiv abstürzenden Aktienkurse sorgt sich die Branche aber um die Zukunft. Kommt bald die große Verkaufswelle der Anleger?

Die Dax-Kurve zeigt nach unten. Das besorgt auch die Fondsindustrie.

Die Dax-Kurve zeigt nach unten. Das besorgt auch die Fondsindustrie.

Die deutsche Fondsbranche feiert ein weiteres Rekordjahr. Einen Netto-Rekordabsatz von Fonds im Volumen von 193,4 Milliarden Euro stellte Verbandspräsident Holger Naumann am Donnerstag in Frankfurt vor. Das Vermögen von 2,6 Billionen Euro ist auch so hoch wie nie zuvor. Aber es war eine Erfolgsmeldung unter Vorbehalt. „Die Börsenschwankungen werden in diesem Jahr einen gewissen Bremseffekt beim Neugeschäft haben“, ergänzte er vorsichtig.

Seinen Optimismus will Naumann jedoch nicht verlieren. Was die Fondsanbieter jedoch nach dem Börsencrash an Privatanleger absetzen können, dahinter stehen Fragezeichen. „Wir sehen bisher keine Rückgaben von Anteilen“, sagte Naumann mit Blick auf das Geschäft im neuen Jahr. Im vergangenen Jahr hatten Privatanleger immerhin für netto rund 72 Milliarden Euro Fonds gekauft – und damit fast den Absatzrekord aus dem Jahr 2000 eingestellt.

Noch mehr Fonds kauften Großinvestoren wie Versicherungen oder Pensionseinrichtungen: Die für diese Investoren aufgelegten Spezialfonds sammelten 2015 121,5 Milliarden Euro ein – das ist ebenfalls ein Rekord. Die Menschen hätten verstanden, dass sie ihr Geld derzeit nur mit Kapitalmarktprodukten vermehren könnten, erklärte Naumann die Branche als Sieger der Niedrigzinsphase. „Wir gehen davon aus, dass sich der Trend so weiter fortsetzen wird."

Doch Naumanns Projektion für die Branche im laufenden Jahr könnte sich als zu optimistisch erweisen. „Viele neue Käufer von Fonds hatten vorher Sparanlagen, und die stellen in den letzten Wochen wegen der Börsenturbulenzen sorgenvolle Fragen an unsere Vertriebspartner“, sagt beispielsweise Karl Stäcker, Geschäftsführer von der BHF-Bank-Fondstochter Frankfurt-Trust.

Nach Meinung von Stäcker könnten die hohen Verluste an den Aktienmärkten auch den wichtigsten Pfeiler des Neuabsatzes bei Privatanlegern in Frage stellen: die extrem beliebten Mischfonds. In solche Produkte floss im vergangenen Jahr der größte Teil des Neugeldes. Mischfonds für Privatanleger sammelten 2015 38,6 Milliarden Euro neues Kapital ein. Das ist gut die Hälfte des Geldes, das alle der vor allem für Privatanleger aufgelegten Publikumsfonds im vergangenen Jahr anzogen.

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