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27.02.2015

07:05 Uhr

Fonds und ETFs kaufen

Vorsicht Kostenfalle!

VonJessica Schwarzer

Wer Geld investiert, sollte unbedingt die Kosten im Auge behalten. Das gilt auch für Fonds. Ausgabeaufschläge, Ordergebühren, Börsenentgelte – viele Kosten können die Rendite schmälern. Worauf Anleger achten müssen.

Die Orderkosten im Blick zu haben und am besten auch noch zu senken, vor allem bei Sparplänen, ist ein guter Anfang. Getty Images

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Die Orderkosten im Blick zu haben und am besten auch noch zu senken, vor allem bei Sparplänen, ist ein guter Anfang.

DüsseldorfEs ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Beim Kauf oder Verkauf von Fonds oder börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF)  fallen Gebühren an. Das nagt an der Rendite und kann diese bei allzu häufigem Hin und Her sogar völlig aufzehren. Nicht umsonst heißt eine alte Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.

Vielen Anlegern ist das aber gar nicht bewusst. Der Normal- oder Kleinanleger kennt oft nicht mal alle anfallenden Kosten, die beim Hin- und Herschaufeln der Wertpapiere anfallen, geschweige denn die genaue Höhe

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Verbraucherschützer warnen deshalb immer wieder, dass bei der Wertpapierorder - egal, ob nun Aktie, Anleihe, Fonds oder ETF - meistens erst einmal Banken und Vermittler auf ihre Kosten kommen. Kein Wunder, dass Experten vor häufigem Umschichten des Depots warnen.

Die Kosten sind mitunter ein richtiger Renditekiller. Die Grundformel der professionellen Geldanlage – und natürlich auch für private Geldanlage – lautet: Risikoloser Zins plus Prämien für eingegangene Risiken abzüglich Kosten, Steuern und Inflation. Heraus kommt die Rendite. Anleger haben auf die einzelnen Bestandteile dieser Formel unterschiedlich viel Einfluss.

„Die Höhe des risikolosen Zinses und der Inflation im eigenen Währungsraum können sie nicht beeinflussen“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA). „Dagegen haben sie die Kosten selbst in der Hand. Wer die Kosten seiner Geldanlage gering hält, leistet damit bereits den ersten wichtigen Beitrag zu einer positiven Rendite.“

Börsengehandelte Indexfonds beispielsweise sind besonders kostengünstig. Aktiv gemanagte Investmentfonds sind in der Regel teurer, manchmal sogar deutlich. Ob Anleger sich für ETFs oder Fonds entscheiden, ist Geschmackssache. Wie auch immer ihre Entscheidung aber ausfällt, es fallen Kosten an. Neben den laufenden Managementgebühren, die von ETF zu ETF und von Fonds zu Fonds unterschiedlich ausfallen, müssen Anleger natürlich auch für ihre Order zahlen.

Kommentare (4)

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Herr Michael Müller

27.02.2015, 07:50 Uhr

Guter Bericht. Zwischenzeitlich gibt es Vermittler, bei denen man Fonds ohne Ausgabeaufschlag und ohne Transaktionsgebühr kaufen kann. Bei meinem bekomme ich sogar einen Großteil der internen Verwaltungsgebühr der Fonds zurück, die der Vermittler als Provision bekommt. Vierteljährliche Abrechnung, klappt ganz gut. Die bezeichnen das als "Alpha"-Tarif. Interessantes Wortspiel: Mit "Alpha" wird in der Finanzmathematik eine Überrendite bezeichnet.

G. Nampf

27.02.2015, 10:30 Uhr

"Wer Geld investiert, sollte unbedingt die Kosten im Auge behalten."

Richtig. Deswegen lohnt es sich für die meisten Kleinanleger auch nicht, Aktien zu kaufen, denn die Ordergebühren machen für kleine Orders (zur Errinnerung: die normale Bevölkerung muß ARBEITEN, Steuern zahlen und ihren Lebensunterhalt bestreiten und hat erst danach Geld übrig (?) , um Aktien zu kaufen) zuviel aus, um eine sinnvolle Rendite zu erwirtschaften.

Das HB kann sich also die "Kauft Aktien!"-Gehirnwäsche in Zukunft sparen.

Herr KarEL BrightShooster

27.02.2015, 13:40 Uhr

Auch mit ETF's ist es nicht ganz einfach mit den Kosten. je nach Replikationsmethode (physikalsich/systhetisch) können im wenn der Fond im Ausland Gewinne - selbst wenn er Thesaurierend ist - einbringt jährlich Steuern anfallen. Wird der ETF dann verkauft fallen wieder Steuern an und man selbst muss dann beim der Steuererklärung diese ausweisen und die zu viel gezahlte Steuern wieder zurück zu bekommen. Oh je! deswegen bevorzuge ich Synthetische Replikation.

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