Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2011

15:52 Uhr

Fondsgesellschaften

Henderson schluckt Rivalen Gartmore

VonAnke Rezmer , Anne Kunz

Der britische Fondsanbieter Henderson kauft für 335,3 Millionen Pfund (403 Millionen Euro) seinen angeschlagenen Konkurrenten Gartmore. Experten werten die Übernahme des angeschlagenen Anbieters als strategisch sinnvolles Schnäppchen. Die Aktien beider Unternehmen steigen zweistellig.

Die Fondsgesellschaft Henderson kauft seinen angeschlagenen Konkurrenten Gartmore. Reuters

Die Fondsgesellschaft Henderson kauft seinen angeschlagenen Konkurrenten Gartmore.

LONDON/FRANKFURT. Die Würfel sind gefallen: Der britische Fondsanbieter Henderson kauft für 335,3 Millionen Pfund (403 Millionen Euro) seinen angeschlagenen Konkurrenten Gartmore. Durch den Zukauf entsteht mit einem Vermögen von nun insgesamt knapp 100 Milliarden Euro ein neuer, großer Vermögensverwalter. Auf dem Börsenparkett wurde die Übernahme gefeiert. Henderson-Titel legten um bis zu 11,7 Prozent zu, Gartmore-Papiere verteuerten sich um 12,6 Prozent.

Henderson zahlt mit eigenen Aktien umgerechnet 92,1 Pence pro Aktie. Das liegt 1,7 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages, aber deutlich unter dem Ausgabekurs von 220 Pence im Dezember 2009, als Gartmore die Anteilsscheine an die Börse brachte.

Gartmore hatte seit Monaten unter Problemen gelitten. Der Aktienspezialist hängt stark von wenigen, bekannten Fondsmanagern ab. Das wurde ihm zum Verhängnis: Seit März verließen fünf der prominentesten Manager und Experten das Unternehmen, darunter Robert Guy und Guillaume Rambourg. Rambourg hatte gegen interne Vorschriften verstoßen und wurde suspendiert. Guy warf freiwillig hin. Die Kunden reagierten prompt auf die Abgänge der Stars: Seit dem Sommer zogen sie über eine halbe Milliarde Pfund ab. Im November dann stellte Gartmore-Chef Jeffrey Meyer die Firma zum Verkauf.

Nach Ansicht von Fondsexperten hatte der angeschlagene Fondsanbieter kaum eine andere Wahl, als den im Vergleich zum Ausgabekurs niedrigen Übernahmepreis anzunehmen. "Nach den Kapitalabflüssen in Milliardenhöhe steht Gartmore mit dem Rücken an der Wand", sagt Christian Michel, Teamleiter Fondsresearch beim Analysehaus Feri Eurorating. Aus Furcht vor weiteren Kapitalabflüssen habe man sicher versucht, schnell einen neuen Eigner zu finden. "Strategisch passen die beiden Aktienspezialisten zusammen", urteilt Detlef Glow, Analyst beim Fondsratinghaus Lipper. Gartmore ergänze mit seiner Ausrichtung auf Europa und Schwellenländer die Produktpalette von Henderson, die außer Immobilienfonds bisher vorrangig Aktienfonds aus Europa- und Technologiewerten anböten.

Vor allem der mehrere Milliarden Euro schwere Lateinamerikafonds und der China-Aktienfonds von Gartmore erweiterten die Henderson-Palette, sagt Michel. Außerdem könne die Verbindung Gartmores zu deutschen Versicherungsvertrieben die Absatzkraft Hendersons hierzulande stärken, meint er.

Gartmore war im Dezember 2009 mit Hilfe der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman an die Börse gegangen. Hellman & Friedman behielt 24 Prozent und war damit größter Anteilseigner. Für Henderson ist es der zweite Zukauf seit 2009. Damals erwarb die Fondsgesellschaft den Konkurrenten New Star Asset Management, der ebenso wie Gartmore heute stark angeschlagen ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×