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27.03.2014

09:47 Uhr

Fondskrieger greifen an

Aktivistische Aktionäre machen Druck

VonCornelius Welp, Martin Seiwert
Quelle:WirtschaftsWoche

Aggressive Investoren wie Carl Icahn mischen mit Forderungen nach Chefwechseln oder Aufspaltung weltweit Unternehmen auf. Deutschland nehmen sie jetzt auch stärker ins Visier. Nutzen oder schaden sie den Unternehmen?

Carl Icahn: Der Investor macht seit 50 Jahren die Wall Street unsicher. Er mischte bei Texaco, Time Warner und Motorola mit, zuletzt legte er sich mit Dell, Netflix, Apple und Ebay an. Mittlerweile wird Icahns Privatvermögen auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. ap

Carl Icahn: Der Investor macht seit 50 Jahren die Wall Street unsicher. Er mischte bei Texaco, Time Warner und Motorola mit, zuletzt legte er sich mit Dell, Netflix, Apple und Ebay an. Mittlerweile wird Icahns Privatvermögen auf 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Mit den korinthischen Säulen und der hohen Kuppel bietet die New Yorker Gotham Hall ein standesgemäßes Ambiente für den Auftritt eines treuen Förderers der Republikaner. Der Milliardär Paul Singer ist das seit vielen Jahren, was ihn nicht davon abhält, eine ausgeprägte Neigung zu eigenen Ansichten zu pflegen. So lobt er die Familie pflichtschuldig als „Fundament der Gesellschaft“, ergänzt aber unmittelbar, dass es „die Gesellschaft stärker macht, wenn auch Schwule und Lesben heiraten können“.

Singers Lust an Provokation und Einmischung hat den 69-Jährigen zum Schrecken börsennotierter Unternehmen gemacht. Und zu einer Legende, von der selbst ihre Opfer mit Respekt reden. Sein Hedgefonds Elliott sucht weltweit nach Unterbewertungen und Gesetzeslücken, seine Agenda verfolgt Singer ebenso rücksichtslos wie rational.

Unternehmen und Staaten im Visier

Mal fällt er bei Konzernen ein und piesackt das Management mit besserwisserischen Ideen, mal kauft er Anleihen von Pleitestaaten wie Argentinien oder Kongo und verklagt die auf vollständige Rückzahlung. In Deutschland klinkt er sich gerne in Übernahmen ein, um höhere Preise durchzuboxen. Fast immer heißt der Gewinner der Kämpfe Singer. Seit der Gründung 1977 hat sein Fonds im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 14 Prozent erzielt.

Die größten Hedgefonds der Welt

Man Group

Man Group

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 69,0 Milliarden US-Dollar

Durch die Übernahme des Konkurrenten GLG Partner zum weltgrößten börsennotierten Hedge-Fonds mutiert, musste das Unternehmen zuletzt hohe Mittelabflüsse hinnehmen. So zogen Anleger im vierten Quartal 2010 der Gesellschaft netto eine Milliarde US-Dollar (743 Millionen Euro) ab. Man Group-Chef Manny Roman geht für die Zukunft von weiteren Konzentrationen innerhalb der Branche aus.

Bridgewater Associates

Bridgewater Associates

Sitz in Westport, USA. Verwaltetes Vermögen: 62,0 Milliarden US-Dollar.

Zuletzt durch Gründer und Chef Ray Dalio in den Medien. Er kündigte an, sich der philanthropischen Kampagne der Milliardäre Bill Gates und Warren Buffet anzuschließen und einen Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

JPMorgan Asset Management

JPMorgan Asset Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 45,5 Milliarden US-Dollar

Teil des globalen Finanzdienstleistungskonzerns JPMorgan Chase & Co. mit einer 130jährigen Tradition in der Vermögensverwaltung für private und institutionelle Investoren.

Paulson & Co

Paulson & Co

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 30 Milliarden US-Dollar

Amerikanischen Medien (Wall Street Journal) zufolge verdiente Gründer und Präsident John Paulson im Jahr 2010 fünf Milliarden US-Dollar und konnte sich damit selbst den dicksten Gehaltsscheck der Geschichte überreichen. Nach Daten der amerikanischen Finanzaufsicht SEC zählt neben Gold ein Aktienpaket an der amerikanischen Bank Citigroup zu den größten Positionen Paulsons. Zudem stehen die Bereiche Energie und Gesundheit in seinem Fokus. Doch der

Brevan Howard Asset Management

Brevan Howard Asset Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 32,3 Milliarden US-Dollar

Sorgte ähnlich wie BlueCrest Capital Management mit dem Umzug in die Schweiz für Aufsehen. Seit Sommer 2010 verwalten nun Mitarbeiter in Genf einen Großteil der Investments. Als Grund wurden die Ungewissheit über die Besteuerung der Banker und die Marktregulierungen in Großbritannien angegeben.

Och-Ziff Capital Management

Och-Ziff Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 28,7 Milliarden US-Dollar

Deutschen Anleger könnte der Name durch dessen frühere Beteiligung am Windkraftanlagenbauer Nordex ein Begriff sein.

Soros Fund Management

Soros Fund Management 

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 27,0 Milliarden US-Dollar

Der Quantum Fund von George Soros brachte seit seiner Gründung im Jahr 1973 bisher 35 Milliarden US-Dollar ein – nach Abzug sämtlicher Gebühren. Seine Anlagenstrategien basieren auf der Analyse von tatsächlichen oder vermeintlichen makroökonomischen Trends in verschiedenen Ländern. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, vom Druck auf Währungen zu profitieren. Dies kommt nicht von ungefähr: 1992 wette Soros gegen die Bank of England auf eine Abwertung des englischen Pfunds und verdiente damit mehr als eine Milliarde Dollar.

BlackRock

BlackRock

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 26,6 Milliarden US-Dollar

Durch den Kauf der Vermögensverwaltung der britischen Barclays Bank zum größten Aktionär Deutschlands aufgestiegen. In der Finanzwelt ist die Gesellschaft für ihr einzigartiges Risikomanagement bekannt. Über 5.000 vernetzte Computer spielen rund um die Uhr alle erdenklichen Szenarien eines Geschäfts durch.

Highbridge Capital Management

Highbridge Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 25,0 Milliarden US-Dollar.

Tochter von JPMorgan. War zeitweise an der deutschen Immobiliengesellschaft Gagfah beteiligt.

BlueCrest Capital Management

BlueCrest Capital Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 24,5 Milliarden US-Dollar

 Konkurrent Man Group verkaufte Ende März seinen Anteil von 25,5 Prozent wieder zurück an Bluecrest. Zudem sorgte die Firma ähnlich wie Brevan Howard Asset Management mit dem Umzug in die Schweiz für Aufsehen. Seit Sommer 2010 verwalten nun Mitarbeiter in Genf einen Großteil der Investments. Als Grund wurden die Ungewissheit über die Besteuerung der Banker und die Marktregulierungen in Großbritannien angegeben.

Baupost Group

Baupost Group

Sitz in Boston. Verwaltetes Vermögen: 24 Milliarden US-Dollar

Gründer und Präsident ist Seth Klarman. Die Gesellschaft verwaltet das Geld für vermögende Familien und Einzelpersonen in liquiden Kapitalanlagen.

Cerberus Capital Management

Cerberus Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 24 Milliarden US-Dollar

Beteiligt sich an Unternehmen und veräußert sie nach Umstrukturierung weiter. In Deutschland ist die Gesellschaft durch den Kauf von Handelsimmobilien in Erscheinung getreten. Zuletzt mit dem Kauf von Großmärkten die an die Metro vermietet werden.

Angelo Gordon & Co

Angelo Gordon & Co.

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 23,5 Milliarden US-Dollar

1988 von den beiden ehemaligen LF Rothschild-Bankern John Angelo und Michael Gordon gegründet. Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Immobilien und Distressed Securities. Bei letzteren handelt es sich um Wertpapiere von Emittenten, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, aufgrund dessen Zahlungsausfälle drohen oder bereits eingetreten sind. Dies kann ein in die Krise geratenes Schwellenland sein, meist handelt es sich aber um ein finanziell angeschlagenes Unternehmen.

Farallon Capital Management

Farallon Capital Management

Sitz in San Francisco. Verwaltetes Vermögen: 21,5 Milliarden US-Dollar

Von Thomas Steyer im Jahr 1986 gegründet, verwaltet die Gesellschaft in erster Linie Geld für College-Stiftungen, Stiftungen und vermögende Privatpersonen. Seine Firma benannte Steyer nach den Farallon-Inseln, einer Gruppe vulkanischer Inseln und Felsen vor der Küste San Franciscos.

Winton Capital Management

Winton Capital Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 20 Milliarden US-Dollar

Der Neueinsteiger in den Top20. Gegründet 1987 vom britischen Mathematiker und Unternehmer David Winton Harding. Seit 1997 besitzt Goldman Sachs 10 Prozent an der Gesellschaft. Auf ihrer Homepage weist das Unternehmen auf seine Forschung rund um die Themen Finanzmathematik, statistische Analyse historischer Marktdaten und die Entwicklung von Handelssystemen unter Verwendung von mathematischen Algorithmen hin.

King Street Capital Management

King Street Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 19,9 Milliarden US-Dollar

Gegründet 1995 von Brian J. Higgins, and Francis Biondi Jr.

Die Investitionen der Firma umfassen Public Equity- und Anleihe-Märkte weltweit mit dem Schwerpunkt auf notleidende Unternehmen, Aktien, Anleihen, Devisen, Optionsscheine und Optionen.

Goldman Sachs Asset Management

Goldman Sachs Asset Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 19,8 Milliarden US-Dollar

Gegründet 1988. Offen für private und institutionelle Investoren. Neben der Beratung von  Universitäten, Wohlfahrtsverbänden und Stiftungen unterstützt der Hedge-Fonds-Arm von Goldman auch Konzerne bei der Erfüllung von Pensionsverpflichtungen.

Canyon Partners

Canyon Partners

Sitz in Los Angeles. Verwaltetes Vermögen: 19 Milliarden US-Dollar

Die 1990 gegründete Gesellschaft kümmert sich um vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger weltweit. Das Unternehmen bezeichnet seinen Ansatz selbst als risikoscheu und ereignisgesteuert und investiert in alle wesentlichen Asset-Klassen, inklusive unter anderem Bankschulden, Distressed Securities und verbriefte Forderungen.

Renaissance Tec.

Renaisssance Tec.

Sitz in East Setauket, USA. Verwaltetes Vermögen: 17,1 Milliarden US-Dollar

1982 vom Mathematiker James Harris Simons gegründet.

Seine für Kunden und die derzeit etwa 275 Mitarbeiter angepeilte überdurchschnittliche Rendite erzielt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge durch das Festhalten an mathematischen und statistischen Methoden. Simons selbst tritt wie andere Milliardäre in den USA mehr und mehr durch seine großzügigen Spenden an Forschungseinrichtungen in Erscheinung.

Elliott Management

Elliott Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 17,1 Milliarden US-Dollar

Chef Paul Singer gründete 1977 die Gesellschaft Elliott Associates. Der Hedge-Fonds war zuletzt mit einer Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in den Medien. Dabei ging es um die Auszahlung von argentinischen Staatsanleihen, die aufgrund des Staatsbankrotts im Jahr 2001 weitgehend ausgefallen seien.

Mit einem verwalteten Vermögen von 23 Milliarden Dollar ist Elliott einer der größten „aktivistischen Aktionäre“. Diese kaufen sich mit Minderheitsanteilen bei Unternehmen ein und setzen das Management gehörig unter Druck. Ihr Ziel: Große strategische Änderungen sollen den Wert des Unternehmens in kurzer Zeit deutlich steigern. Wenn es gut läuft, können sich die Hedgefonds schon nach Monaten mit sattem Gewinn verabschieden.

Deutschland ist ein attraktives Ziel

Das Geschäft boomt. Aktivisten haben weltweit so viel Geld eingesammelt wie nie. Mit den frisch ergatterten Milliarden werden in den USA ansässige Fonds auch deutsche Unternehmen stärker ins Visier nehmen, bei denen sie verborgenes Potenzial wittern. Das erwarten Banker und Anwälte, die von deutschen Unternehmen Mandate für den Umgang mit den unwillkommenen Eindringlingen gewinnen wollen.

Deren Forderungen scheren sich wenig um gepflegte Tabus. So verlangen sie häufig, Unternehmensteile abzuspalten, Barmittel als Sonderdividende auszuschütten, dem Management weniger zu bezahlen oder es gleich ganz abzusetzen. Kurzfristig gehen die Aktienkurse bei ihrem Auftauchen nach oben. Ob der Angriff der Fondskrieger dem Unternehmen auch auf längere Sicht nützt, ist eine andere Frage.

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