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04.03.2006

14:38 Uhr

Fondsmanager

Die ewige Suche nach den Perlen

VonChristian Schnell

Fest terminiert war der Besuch des deutschen Fondsmanagers beim kleinen Ölservice-Unternehmen an Norwegens Hardanger-Fjord. Der Ort ist ebenso idyllisch wie abgelegen.

FRANKFURT. Die Reise war beschwerlich, doch es lockte ein Versprechen: Die Aktie des dort ansässigen Unternehmens erschien zu diesem Zeitpunkt deutlich unterbewertet, die Zuwachschance beträchtlich, und am Aktienmarkt, so hatte es den Eindruck, hatten das noch die Wenigsten mitbekommen. Doch endlich dort angekommen, gab es für Peter Conzatti nichts mehr zu tun. Die Firma sei gerade von einem Konkurrenten übernommen worden, hieß es. Einen Investor brauche man nun nicht mehr.

Es sind Geschichten wie diese, die Conzattis Job manchmal nervenaufreibend, oft reiseintensiv, aber stets spannend machen. Der 45-jährige Schwabe in Diensten der Frankfurter Fondsgesellschaft Lupus Alpha sucht unentdeckte Perlen am Aktienmarkt. Die Branche nennt das „Stockpicking“. Konkret geht es dabei um Kleinstwerte, so genannte Microcaps, die maximal 150 Millionen Euro an der Börse schwer sind. Der Vorteil: Das Universum dieser Aktien ist schier unendlich. Von den 6 000 in Europa gehandelten Aktien fallen über 3 200 in diese Kategorie. Zum Vergleich: An Marktschwergewichten, den so genannten Large Caps mit einem Börsenwert von über fünf Milliarden Euro, gibt es nur etwa 300. Die Chance, eine „unentdeckte Perle“ bei Microcaps zu finden, ist folglich ungleich höher. „Die Chancen sind größer, weil auch die Risiken größer sind“, bringt es Conzatti auf den Punkt.

Zwar ist die Bewertung dank des internationalen Bilanzierungsstandards IAS inzwischen kein Problem mehr. Deutlich mehr als bei international tätigen Konzernen kommt es für die Investoren jedoch darauf an, regionale Märkte, Mentalitäten und Befindlichkeiten zu kennen. Zumal die Chefs der Kleinstunternehmen oft verunsichert sind, wenn plötzlich ein Investor, noch dazu aus dem Ausland, vorbeischaut. „Dass wir seit vier Jahren der erste Investor sind, der bei ihm auftaucht, bekamen wir erst kürzlich wieder von einem Firmenchef zu hören“, plaudert Conzatti aus dem Nähkästchen.

Erste offizielle Treffen gestalten sich deshalb häufig zäh. Ist das Eis aber gebrochen, entsteht häufig ein sehr enger Kontakt. Ein Anruf auf dem Handy eines griechischen Firmenchefs, der gerade mit dem Motorroller im Athener Stadtverkehr unterwegs war, habe beispielsweise mehr an Informationen gebracht als das vorherige offizielle Treffen, berichten die Asset-Manager von Goldman Sachs. Die US-Bank widmet sich ebenfalls intensiv europäischen Kleinwerten. Viele amerikanische Großbanken haben seit geraumer Zeit das Potenzial erkannt, das diese Werte bieten. Die Citigroup hat beispielsweise im vergangenen Jahr in London speziell für deutsche Nebenwerte ein vierköpfiges Analystenteam aufgebaut und dafür Claus Roller – einen bekannten Namen in der Branche – von der Deutschen Bank abgeworben.

Denn dafür braucht es Spezialisten. Die „Perlentaucherei“ unterscheidet sich schließlich elementar von dem, was Fondsmanager, Anlageberater und Analysten sonst bei den großen Werten gewohnt sind. Das sprichwörtliche „über die Dörfer gehen“ ist noch an der Tagesordnung. Und da es von den meisten Kleinstunternehmen keine Analystenstudien gibt und viele die Investor-Relations-Arbeit mit Beginn des Börsenlistings weitgehend eingestellt haben, muss sich der interessierte Investor schon selbst die benötigten Informationen besorgen. Besuche beim Unternehmen oft in entlegenen Teilen Europas gehören dabei ebenso dazu wie Feldstudien bei Abnehmern und Kunden.

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