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21.03.2016

11:11 Uhr

FTSE 100 vor Schwankungen

Die Furcht vor dem Brexit steigt

Mithilfe von Fonds und Optionen bereiten sich Anleger in London auf die möglichen Folgen eines Brexits vor. Die Sorgen sind nicht unberechtigt. Laut einer Studie könnte der EU-Austritt über 100 Milliarden Euro kosten.

Sollte es tatsächlich zu einem Brexit kommen, würde auch der Stellenwert des Finanzplatzes London dramatisch sinken. dpa

Dunkle Wolken über dem Londoner Finanzdistrikt

Sollte es tatsächlich zu einem Brexit kommen, würde auch der Stellenwert des Finanzplatzes London dramatisch sinken.

Britische Aktien haben ihre Verluste seit Jahresbeginn nahezu aufgeholt. Die Volatilität ist so gering wie seit sieben Monaten nicht mehr. Kapitalströme aus Fonds und Optionen am Terminmarkt deuten aber an, dass diese Ruhe voraussichtlich vorübergehend sein wird.

Derzeit steigen die Kosten für eine Absicherung gegen erhöhte Volatilität im FTSE 100 Index. Kontrakte zur Absicherung gegen Schwankungen im drei Monaten sind drei Mal so teuer wie für den Zeitraum von einem Monat und haben bereits die höchsten Werte seit drei Jahren erreicht. Es ist nicht schwer, einen Zusammenhang mit der Abstimmung der Briten über einen Verbleib ihres Landes in der EU zu erkennen, die im Juni geplant ist und der gerade in der Finanzwelt mit Sorge entgegengeblickt wird. Weltweit nutzen Anleger derzeit die Erholung von etwa zwölf Prozent für einen Ausstieg aus dem britischen Aktienmarkt.

„Die meisten der großen Marktteilnehmer sichern sich jetzt an den Terminmärkten ab oder werden das in den kommenden Wochen tun“, sagte der Aktienmarktexperte Herbert Perus von Raiffeisen Capital Management in Wien. In den Wochen vor dem Abstimmungstermin am 23. Juni sei mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen.

Die geplanten EU-Zugeständnisse für GB

VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Britische Aktien hatten zuletzt von der Erholung der schwer im FTSE gewichteten Minentitel profitiert und auch das niedriger zum Dollar bewertetet Pfund spielte eine stützende Rolle. Unter den europäischen Aktienmärkten hatte sich der Londoner Index damit besonders deutlich vom vorläufigen Jahrestief erholt. Es wächst allerdings die Sorge unter den Investoren, dass die Volksabstimmung gravierende Folgen haben könnte. So warnte die Notenbank Bank of England in der letzten Woche vor einer Zurückhaltung bei Investitionen und gebremstem Wirtschaftswachstum. Die Entwicklung beschäftigt besorgte Investoren.

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