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15.04.2015

15:50 Uhr

Führungswechsel bei Lingohr & Partner

Der „deutsche Buffett“ zieht sich zurück

VonJessica Schwarzer

Frank Lingohr übergibt das Ruder. Der bekannte Vermögensverwalter und Fondsmanager gilt als überzeugter Value-Anleger. Sein Nachfolger wird Lingohrs Linie treu bleiben.

Der Gründer und Namensgeber von Lingohr & Partner zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.

Frank Lingohr

Der Gründer und Namensgeber von Lingohr & Partner zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.

DüsseldorfEigentlich möchte Frank Lingohr gar nicht als „deutscher Warren Buffett“ bezeichnet werden. Value-Anleger, also Anleger, die auf Aktien mit Substanz setzen, sind aber sowohl der Deutsche als auch der Amerikaner. Doch Lingohr sieht deutliche Unterschiede zwischen seiner Strategie und der des schon zu Lebzeiten legendären Superinvestors. „Ich bin ein überzeugter und konsequenter Value-Anleger“, sagte er im Interview mit Handelsblatt Online. „Da ist Warren Buffett nicht so eindeutig. Er ist eine Mischung aus Benjamin Graham und Philip Fisher – nur mit mehr Growth.“ Von Wachstumstitel lässt Lingohr aber lieber die Finger.

Vor 22 Jahren hat Lingohr die Vermögensverwaltungsgesellschaft Lingohr & Partner gegründet. Mit einem verwalteten Vermögen von mittlerweile mehr als fünf Milliarden Euro gehört Lingohr zu den größten Vermögensverwaltern in Deutschland. Der Name Frank Lingohr ist auch international bekannt.

Doch diese Ära endet nun. Zum 30. Juni zieht sich der Firmengründer und Namensgeber aus dem operativen Geschäft von Lingohr & Partner zurück. Auf ihn folgt Volker Engelbert, der seit vielen Jahren das Amerika- und Kanada-Geschäft von Lingohr verantwortet. „Die Fußstapfen von Frank Lingohr sind groß, dessen bin ich mir bewusst“, sagt der 53-Jährige. Er setzt auf Kontinuität, an der Strategie wird sich nichts ändern.

Die goldenen Regeln des Value-Investors Warren Buffett

Gezielt auswählen

Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden.

Weniger ist mehr

Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert.

Viel auf Wenige setzen

Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese.

Langfristig denken

Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre.

Keine Panik

Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran.

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Frank Lingohr hat künftig mehr Zeit für seine Hobbys. „Allen voran meiner Beschäftigung mit Aktien und den Märkten - das war immer meine Passion und wird es auch bleiben", sagt der 67-Jährige. „Mit einem Unterschied: Ich kann nun mit deutlich mehr Muße an die Sache gehen, weil ich nicht mehr im oftmals sehr stressigen Tagesgeschäft feststecke.“ Ganz verabschiedet er sich aber nicht. Lingohr wird das Unternehmen weiterhin beraten.

In sein Büro in Erkrath wird er aber künftig wohl seltener fahren. „Ich bin logischerweise mit Herz und Seele immer bei der Firma – egal ob in der Firma oder an anderer Stelle“, sagt er. „Aber im Ernst: Ich bin ab Juli dann in der komfortablen Situation, dass ich genau dann ins Büro gehen kann, wenn ich möchte – beziehungsweise wenn meine Kollegen sich mit mir beraten wollen.“

Frank Lingohr im Interview: „Investoren müssen Schmerzen aushalten“

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„Investoren müssen Schmerzen aushalten“

Die Märkte nähern sich ihren Höchstständen. Fondsmanager Frank Lingohr erklärt, warum Rücksetzer von 15 Prozent normal sind, welche Aktien einen Blick wert sind und warum der Dax dieses Jahr die 10.000 Punkte knackt.

Auf die Jahrzehnte an der Börse schaut er gerne zurück. „Es gab viele aufregende und teils schwierige Phasen“, erinnert er sich. „Allerdings habe ich immer versucht – ähnlich wie Odysseus den Sirenen aus dem Weg gegangen ist –  mich nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Sondern habe mich immer auf Fakten und Fundamentaldaten konzentriert, um auf Kurs zu bleiben. Und das hat wunderbar funktioniert.“

In der Branche hat er einen exzellenten Ruf. „Frank Lingohr gehört zu den langjährig erfolgreichsten Fondsmanagern in Deutschland und kann als Investmentlegende bezeichnet werden“, sagt beispielsweise Dachfondsmanager Eckhard Sauren, der seit Jahren mit Lingohr zusammenarbeitet. „Er hat bereits in frühen Jahren eine Vorreiterrolle übernommen und den Fondsboutiquen-Ansatz in Deutschland entscheidend mit geprägt.“

Kommentare (1)

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Herr Roderich Pilars

16.04.2015, 10:08 Uhr

Interessant, dass Lingohrs & Partner als Stars hervorgehoben wir.
Die wesentlichen Fonds (LINGOHR GLOBAL EQUITY I oder Keppler LINGOHR) haben in den letzten 5 Jahren deutlich schlechter abgeschnitten die Vergleichsindizes (DAX, MSCI World). Ich hätte mir vom Handelsblatt erwartet, dass soetwas geprüft wird, bevor gelobt oder mit Warren Buffet6t verglichen wird.

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