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02.05.2012

09:30 Uhr

Geldanlage-Interview

„So eine Chance haben Anleger nur alle 30 Jahre“

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

Anleger sollten Aktien kaufen. Europäische Papiere sind historisch unterbewertet, sagen die Vermögensverwalter Frank Lingohr und Dagmar Rittstieg. Welche Papiere günstig sind und welche Kardinalfehler Anleger begehen.

„Wissen Sie, ich habe schon andere Zeiten erlebt, in denen alle dachten: Die Welt geht unter, ich übrigens auch. Aber letztlich hat sich der Markt immer wieder auf das Wesentliche besonnen. Das wird auch diesmal wieder so sein.”Frank Lingohr, Vermögensverwalter aus Düsseldorf (2. von rechts) Frank Beer für Handelsblatt

„Wissen Sie, ich habe schon andere Zeiten erlebt, in denen alle dachten: Die Welt geht unter, ich übrigens auch. Aber letztlich hat sich der Markt immer wieder auf das Wesentliche besonnen. Das wird auch diesmal wieder so sein.”

Frank Lingohr, Vermögensverwalter aus Düsseldorf (2. von rechts)

Herr Lingohr, Frau Rittstieg, die Schuldenkrise spitzt sich wieder zu. Spanien wird als Pleitekandidat gehandelt. Sind Sie beunruhigt?

Frank Lingohr: Nein, weil wir langfristig denkende Investoren sind. Die Märkte beruhigen sich wieder. Die Nachrichten aus Spanien haben die Anleger zuletzt gar nicht mehr beeindruckt.

Dagmar Rittstieg: Ich gehe davon aus, dass wir allmählich zu einer neuen  Normalität zurückkehren werden.

Dass die Börsen in diesem Jahr zugelegt haben, liegt am billigem Geld der Notenbanken. Was ist daran normal?

Lingohr: Sie dürfen nicht vergessen, dass die Unternehmen hervorragende Zahlen vorgelegt haben. Das rechtfertigt einen großen Teil der Kursgewinne der vergangenen Monate. Die Rentabilität vieler Unternehmen berechtigt zu kühnen Hoffnungen.

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Ist die Zeit günstig, um Aktien zu kaufen? 

Rittstieg: Viele Aktien sind aktuell unterbewertet. Dass die Unternehmen gemessen am Cash Flow so günstig bewertet sind, gibt es nur sehr selten. Umgekehrt sind die Dividendenrenditen ungewöhnlich hoch.

Lingohr: So eine Chance wie jetzt haben Anleger nur alle 20 bis 30 Jahre.

Sie werten akribisch die Kennziffern der Unternehmen aus und wählen danach die passenden Aktien aus. Funktioniert das in Zeiten der Finanzkrise überhaupt noch?

Lingohr: Wieso denn nicht? Wissen Sie, ich habe schon andere Zeiten erlebt, in denen alle dachten: Die Welt geht unter, ich übrigens auch. Aber letztlich hat sich der Markt immer wieder auf das Wesentliche besonnen. Das wird auch diesmal wieder so sein.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Auch wenn die Märkte so stark von Politik und Notenbanken beeinflusst werden? 

Lingohr: Die Gesetze der Börse werden dadurch doch nicht außer Kraft gesetzt. Politische Börsen sind temporäre Erscheinungen und gehen vorbei. Die altmodischen Kennziffern wie Buchwert oder Cash Flow haben dagegen immer Gültigkeit. Am Ende des Tages ist die Bewertung eines Unternehmens entscheidend für die Frage: Kaufe ich eine Aktie oder nicht. Das hat mancher vielleicht vergessen. 

Als die Börsekurse in den Jahren 2008 und 2011 fielen, verlor Ihr Flagschiff-Fonds, der Lingohr Systematic, deutlich mehr als der Markt.

Lingohr: Stimmt. Als es wieder aufwärts ging, waren wir aber deutlich besser als der Markt.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

30.04.2012, 17:53 Uhr

Nach den Berichten
- Investoren ziehen massiv Geld aus Aktienfonds
- Aktienfonds laufen die Anleger weg
- Fondsmanager kämpfen um Privatanleger
nun ein HB-Forum für den bedrohten Herrn Lingohr, dessen Fonds schon seit Jahren bestenfalls dahindümpeln.

Schon mal die kühnen Aussagen zu DSM (A0JLZ7) überprüft?

Account gelöscht!

02.05.2012, 09:41 Uhr

LOL unterbewertet? Die sind noch lange nicht da unten wo sie hinrasseln werden! Wir sind in Europa ebenso noch nicht am Tiefpunkt angelangt, der grosse Knaller kommt ja erst noch in den kommenden Jahren. Wer genau jetzt Aktien kauft und nicht damit zockt sondern langfristig anlegt, der hat eindeutig den Schuss noch nicht gehört.

Übrigens, wenn ich öffentlich wo lese "Anleger sollten Aktien kaufen" dann gehen bei mir sämtliche Alarmsirenen an. Übrigens...die Spareinlagen der Bürgerinnen und Bürger sind sicher!!! LOL :D und niemand hatte vor eine Mauer zu errichten...nur mal so nebenbei.

Account gelöscht!

02.05.2012, 09:42 Uhr

Oha, bei solche Beiträgen wäre ich aber ganz vorsichtig. Das ist eher als Warnsignal für fallende Kurse zu verstehen.

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