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10.01.2009

12:58 Uhr

Geldanlage

Madoff-Pleite trifft tausende deutsche Anleger

Von der Milliarden-Pleite des amerikanischen Vermögensverwalters Bernard Madoff sind auch mehrere 10 000 Privatanleger in Deutschland betroffen, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Dachfonds hätten ohne Wissen der Anleger bei Madoff investiert.

HB DÜSSELDORF. Anlagevehikel war demnach der in Luxemburg zugelassenen Fonds Herald Lux US Absolute Return. Dieser Fonds sollte von der österreichischen Medici-Bank verwaltet werden. Sie habe diese Aufgabe allerdings an Madoff übertragen, berichtet das Magazin. Der Herald-Fonds verlangt von Anlegern eine Mindestanlage von 50 000 Euro. Fondsvermittler wie Infos aus Reutlingen hätten deshalb kleinere Anlagebeträge von 5 000 Euro von Privatanlegern gebündelt, um sie direkt im Herald Lux US Absolute Return zu investieren.

Allein dieser von Madoff kontrollierte Fonds habe seit März 2008 rund 200 Millionen Euro bei Dachfonds- und Privatanlegern eingesammelt. Sollte die Luxemburger Depotbank des Herald-Fonds, eine Tochtergesellschaft der HSBC, tatsächlich keine Vermögenswerte mehr auftreiben können, droht Anlegern, die direkt in den Fonds investiert haben, ein Totalverlust, schreibt das Blatt weiter. Anleger, die Dachfonds gekauft haben, kämen glimpflicher davon, weil in den Dachfonds eine Vielzahl anderer Einzelfonds steckt und die Madoff-Fonds mitunter nur kleine Anteile am Fondsvermögen ausmachen, so die Wirtschaftswoche.

Infos-Chef Thomas Geissler warb noch am 26. November 2008 für die inzwischen wertlose Anlage in den USA. "7 % p. a. ohne Schwankungen - ist das seriös?" fragte Geissler in einem Brief an Anleger und antwortete: "Die Unterlagen sagen Ja. Der Herald Fund ist ein Klon des seit 18 Jahren erfolgreichen Thema Fund, welcher wegen Überfüllung seit vielen Jahren geschlossen ist."

Auch der in Irland registrierte Thema US Equity Fund wurde offiziell durch die Medici-Bank in Wien bestückt, doch auch hier habe sie diese Aufgabe an Madoff übergeben, so das Magazin. "Madoff hat direkt im Namen der Fonds ge- und verkauft. Das Bankhaus Medici hat die Strategie vorgegeben", sagte Manfred Kastner, Chef der Münchner Gesellschaft Absolute Plus, der Wirtschaftswoche. Die Gesellschaft sei der Hauptvertriebspartner für Herald und Thema in Deutschland.

Offenbar war jedoch auch in der Fondsbranche einzelnen die Madoff-Erfolgsgeschichte nicht geheuer: "Wir haben nicht bei Madoff investiert, weil er weder einen unabhängigen Fondsverwalter noch einen unabhängigen Broker hatte", sagte Roman Rosslenbroich, Chef des Hamburger Investmenthauses Aquila Capital, dem Magazin. "Außerdem machte er jedes Jahr Gewinn, das schafft langfristig niemand, solche Zahlen sollten stutzig machen", so Rosslenbroich.

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