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19.02.2016

09:36 Uhr

Geldanlage und Altersvorsorge

Wie werde ich Anleger?

VonJohannes Steger

Bei Wertpapieren herrscht unter jungen Deutschen oft große Ahnungslosigkeit. Dabei kann sich ein Einstieg lohnen. Was gegen Unwissen hilft und welche Strategien Experten unerfahrenen Anlegern empfehlen.

Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange. AP

Wall Street

Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange.

Frankfurt23.000 Euro in zwei Monaten. So viel Gewinn hat Simon Kurz an der Börse gemacht. Zugegeben, er verfügte über ein Startkapital von 100.000 Euro, den Gewinn durfte er nicht behalten und bei dem Geld handelte es sich nur um Spielgeld. Der 24-jährige war 2015 Bundessieger im Planspiel Börse der Sparkassen. Ein Titel, der ihm neben Ehre und Preisgeld, auch jede Menge Erfahrungen mit dem Aktienmarkt eingebracht hat.

Damit gehört Kurz zu einer Minderheit. Sechs von zehn Jugendlichen sagen von sich selbst, dass sie von der Börse keine Ahnung haben. Das belegt eine repräsentative Studie des Bankenverbands aus dem Jahr 2015. Wer keine Ahnung hat, bleibt den Märkten lieber fern. Altersvorsorge? Später. Eine Strategie zur Geldanlage? Fehlt. So ist auch die Zahl der jungen Erwachsenen unter deutschen Aktionären ziemlich gering. Laut Deutschem Aktieninstitut besitzen gerade einmal 110.000 14 bis 19-Jährige Aktien oder Anteile an Aktienfonds, bei den 20 bis 29-Jährigen sind es 606.000. Zum Vergleich: Bei den über 60-Jährigen sind es 2,8 Millionen. Doch gerade für junge Erwachsene kann sich ein Einstieg lohnen. Doch was gilt es zu beachten?

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Börsenspielsieger Simon Kurz interessiert sich seit seiner Jugend für Aktien und verfügt über ein eigenes Depot: „Das manage ich selber, ohne die Hilfe von einem Berater.“ Der Student der Internationalen Beziehungen hat sich sein Wissen angelesen und schon früh mit Aktien gehandelt: „Als Daimler Chrysler kurz vor der Aufspaltung stand, bin ich eingestiegen und habe gewinnbringend verkauft. Das war mein erster Erfolg mit Aktien.“

Sonst behandelt er seine Wertpapiere eher passiv: „Da gilt für mich, Blue Chips kaufen und die dann länger liegen lassen.“ Mit Blue Chips werden die Aktien großer und substanzstarker Unternehmen bezeichnet. Unantastbar sind diese Unternehmen indes nicht: Vor der Energiewende kaufte Kurz RWE-Papiere: „Da musste ich Lehrgeld bezahlen. Aber das gehört einfach dazu. Und ich habe auch keine großen Summen investiert.“ Mit geringem Einsatz erarbeite sich Kurz so erste Erfahrungen mit Aktien.

Eine Strategie, die sich auch Michael Huber, Mitglied der Geschäftsführung des VZ Vermögenszentrums vorstellen kann: „Um sich mit dem ganzen Vorgehen vertraut zu machen, könnte man zum Beispiel mit sehr, sehr kleinem Geld in Einzeltitel investieren.“ Also Aktien von Lieblingsunternehmen erwerben, deren Produkte man versteht und die man mag. Das sei natürlich kein Investment für die nächsten zehn Jahre oder eine langfristige Anlagestrategie, sagt Huber. Aber dadurch bekomme man ein Gespür für Aktien und lerne auch den Markt zu verfolgen. Plattformen dafür seien Online-Portale oder Online-Banking.

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