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23.01.2010

09:00 Uhr

Geldmarktfonds

Rendite meist nur mit Risiko

VonAnke Rezmer

Jahrelang galten Geldmarktfonds als sicherer Parkplatz für das Ersparte. Doch die heterogene Anlageklasse hat in der Finanzkrise viel Vertrauen verloren. Für eine erfolgreiche Anlage müssen Investoren besonders zwischen klassischen und chancenorientierten Fonds unterscheiden.

Geldmarktfonds haben in der Krise viel Vertrauen verspielt. ap

Geldmarktfonds haben in der Krise viel Vertrauen verspielt.

FRANKFURT. Vordergründig betrachtet beeindrucken Geldmarktfonds: Satte zweistellige Wertsteigerungen weisen die besten Fonds der Kategorie für 2009 aus, wie die Zahlen des Fondsratinghauses Feri Eurorating zeigen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Kehrseite der Medaille findet sich am Ende der Tabelle, wo die schwächsten Fonds 2009 in ähnlichem Ausmaß Anlegerkapital vernichtet haben. Und zwischen Tops und Flops steht eine große Zahl von Geldmarktfonds mit Euro-Papieren, deren Rendite wie der Vergleichsindex, Citigroup Euroland Money Market, bei rund ein Prozent lag, wie Andre Härtel, Analyst bei Feri sagt.

Grund für diese Renditeunterschiede: Die Kategorie ist inhomogen. In der Gruppe stehen noch immer neben Fonds, die vorrangig in hochliquide Geldmarktpapiere mit geringer Rendite investieren, Produkte, die einen wesentlichen Teil ihres Kapitals in Unternehmensanleihen und sogenannte strukturierte Produkte wie mit Forderungen unterlegte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS) anlegen.

Diese Heterogenität brachte die Fondsgruppe in der Finanzkrise in Verruf: Auf der Suche nach Extra-Rendite hatten viele Fondsmanager ABS-Papiere in ihre Geldmarktfonds gekauft. In der Krise wurden die Papiere illiquide und brachten den Fonds Verluste ein. Da einige Anleger ihr Kapital geschickt aus den vermeintlich sicheren Fonds abzogen, mussten einige Anbieter ihre Fonds sogar stützen, um die Anleger auszahlen zu können.

Der Engpass ist längst Geschichte, aber "nicht alle Anbieter haben ihre Hausaufgaben gemacht", sagt ein Berater. Anbieter wollen Geldmarktfonds trennen in solche, die nur in hochqualitative Geldmarktpapiere investieren, und andere Produkte, die auf der Suche nach mehr Rendite relativ höhere Risiken eingehen. "Bei manchen Anbietern sind Geldmarktfonds noch als Thema übrig geblieben", sagt Härtel. Auch Feri will in Kürze die Fondsgruppe untergliedern. Konkurrent Morningstar will seine beiden Kategorien überarbeiten. Die EU-Kommission plant als Folge der Krise neue Regeln für Geldmarktfonds. Der deutsche Fondsverband BVI empfiehlt eine Aufteilung in klassische und chancenorientierte Euro-Geldmarktfonds.

Das Thema brennt den Anbietern allerdings wohl gerade nicht unter den Nägeln. Denn die vorrangig institutionellen Anleger entzogen den Fonds 2009 infolge sinkender Kapitalmarktzinsen mehr als 25 Mrd. Euro. Für Private wurden die Fonds mit der Abgeltungsteuer zusätzlich unattraktiver. Wegen relativ hoher Kosten von im Mittel 0,23 Prozent im Jahr plus oft Kaufgebühren rät Natalia Wolfstetter von Morningstar Privaten ohnehin von den Fonds ab. Und Fonds mit Chance auf Renditekick seien eher etwas für kurzfristig spekulierende Anleger, meint sie. Wer etwa die gut 16 Prozent Rendite des besten Fonds der Gruppe, Uni Money Market Euro-Corporates, mitnahm, dürfte zufrieden sein. Allerdings birgt der Fonds mit seiner Ausrichtung auf kurzfristige Unternehmensanleihen und strukturierte Produkte ein hohes Risiko: In den vergangenen drei Jahren verlor er im Mittel gut acht Prozent und schwankt 13 Prozent im Wert.

Der zweitplatzierte Pioneer Funds Euro Corporate Short Term investiere breiter, sagt Feri-Mann Härtel. Der Fonds macht über drei Jahre zwei Prozent Plus und schwankt gut fünf Prozent im Wert. Die drei letztplatzierten Fonds hätten dagegen ihren hohen ABS-Anteil erst 2009 mit Verlust abstoßen können, sagt er. Wenn die Zinsen wieder steigen, dürfte Anlegergeld zurückkehren - vor allem in transparente Produkte.

Kommentare (1)

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Holger Lang, der Finanzschrauber

25.01.2010, 14:40 Uhr

Geldmarktfonds sind schon eine sehr interessante Sache. in der Praxis wurden sie Sparbuch- und Tagesgeldkontenkunden mit dem Hinweis verkauft, dass sie genauso sicher wären, aber eine höhere Verzinsung bieten würden. Erstens zeigte die Realität nachher etwas anderes. Zweitens hat bei diesem Geschäft vor allem die bank profitiert, denn sie eliminierte mit dem Umswitchen in Geldmarktfonds ihr Zinseszinsrisiko. Lohnt sich das mal klar zu machen!

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