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17.11.2011

19:20 Uhr

Geringe Charterraten

Vielen Schiffsfonds droht die Insolvenz

VonReiner Reichel

Der weltweite Handel stagniert und lässt die Mieten für Frachtschiffe sinken. Bessert sich die Lage nicht, droht vielen Schiffsfonds die Insolvenz. Die Sorgen der Anleger wachsen.

Viele Frachter warten derzeit vergeblich auf große Aufträge. dpa

Viele Frachter warten derzeit vergeblich auf große Aufträge.

Hamburg„Wir sehen keine Anzeichen, dass die Charterraten in den nächsten drei Monaten nach oben drehen werden“, blickt Torben Kölln, für das Schiffsfondsgeschäft der Buss-Gruppe in Hamburg verantwortlich, in die Zukunft. Charterraten sind die Tagesmieten für Schiffe. „Die Sanierungsgefahr steigt“, urteilt die Deutsche Fondsresearch, ein Analysehaus für Schiffsfonds, das zur Salomon-Invest-Gruppe gehört. Salomon Invest legt Schiffsfonds auf, die in gebrauchte Schiffsfondsanteile investiert. Nicht nur die Zahl der Sanierungsfälle, auch die der Insolvenzen. 

Aktuell haben fast 40 Schiffsfonds Insolvenz angemeldet. „Es wird eine dreistellige Zahl werden“, schaute Günther Flick, Inhaber des Fondsvertriebs Treuvermögen, gegenüber dem Handelsblatt ins nächste Jahr. Flick vermittelt seit 30 Jahren Schiffsfonds und sitzt in 40 Anlegerbeiräten von Schiffsbeteiligungsgesellschaften. 

Böse Überraschung mit Schiffsfonds

Video: Böse Überraschung mit Schiffsfonds

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Schiffsfonds sind Kommanditgesellschaften (KG). Als Komplementär (Vollhafter) der KG wird vom Fondsanbieter eine GmbH eingesetzt. Die Emittentin stellt auch die Geschäftsführung des Fonds. Anleger werden Kommanditisten, haften also im Falle der Insolvenz nur mit ihrer Einlage und sind nicht zu Nachschüssen verpflichtet. Letzteres ist zwar formal richtig, doch in der aktuellen Krise stehen Anleger von Problemfonds vor der Wahl, Geld einzuschießen oder die Insolvenz der Gesellschaft zu riskieren und dann womöglich die komplette Einlage zu verlieren. 

Vielen Anleger wurde erst im Sanierungsfall bewusst, dass Geld in der Kasse und Gewinne zweierlei sind und ihre Ausschüttungen vielfach nicht aus Gewinnen, sondern aus liquiden Mitteln stammten. Wird ein solcher Fonds insolvent, fordert der Insolvenzverwalter Ausschüttungen, die nicht durch Gewinne gedeckt waren, zurück. Folglich zahlten viele Anleger in Schieflage geratener Schiffs-KGs erhaltene Ausschüttungen zurück, um den Fonds am Leben zu halten.  

Das Sanieren in Schieflage geratener Schiffsbeteiligungen ist inzwischen alltägliches Geschäft in der Branche. Das Analysehaus Deutsche Fondsresearch kommt in einer gemeinsamen Studie mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TPW Todt & Partner, zu dem Ergebnis, dass 197 Fonds mit 262 Schiffen in Sanierung sind. Darin stecken 3,4 Milliarden Euro Anlegergelder. Weiteren 59 Fonds mit 770 Millionen Anlegerkapital hängt Deutsche Fondsresearch das Etikett „Sanierungsgefahr“ um. Dabei wurden in der Studie nur 700 von geschätzten 2.000 Schiffsfonds mit etwa 2.500 Schiffen berücksichtigt. 

Die Schieflagen sind Folge der seit vielen Monaten am Boden verharrenden Tagesmieten für Schiffe. Egal ob die großen Pötte Container, Massengüter wie Erz, Kohle, Getreide, oder Öl transportieren, die Charterraten sind so niedrig, dass ein Großteil der Fondsschiffe Verluste einfährt. 

Kommentare (1)

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gauner

18.11.2011, 06:22 Uhr

na hoffentlich kommt der eine und andere initiator und vertreiber in die persönliche haftung.

diese ganze idiotie wurde vom steuerzahler mit subventionen
ermöglicht und die laienspielschaar um die der eigenen vermögensbildung kümmernden fischer/schröder gruppe hat den reedern noch steuerliche zugeständnisse gemacht.

wir haben es hier mit einer schwindelindustrie zu tun die mit fremdem geld jongliert und der ehrbare hanseatische
kaufmann fällt zu recht auf die fresse.

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