Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2012

16:44 Uhr

Gescheitertes Experiment

Immobilienfonds CS Euroreal muss aufgeben

VonReiner Reichel

Auch der letzte offene Immobilienfonds für Kleinanleger, der 2008 in die Krise geraten ist, muss jetzt dichtmachen. Grund: Die Anleger des CS Euroreal wollten mehr Anteile zurückgeben, als der Fonds ausbezahlen kann.

Die Credit Suisse kündigte das Verwaltungsmandat für den Euroreal-Fonds. Reuters

Die Credit Suisse kündigte das Verwaltungsmandat für den Euroreal-Fonds.

DüsseldorfDie Anleger haben entschieden. Der rund sechs Milliarden Euro schwere offene Immobilienfonds CS Euroreal wird aufgelöst. Die Anleger wollten mehr Anteile zurückgeben, als der Fonds auszahlen kann. „Die Rückgabewünsche haben die Prognosen massiv überschritten“, sagte Karl Heinz Heuß, Geschäftsführer der Immobilienfondsgesellschaft der Credit Suisse. So ereilt die 200.000 Euroreal-Anleger das gleiche Schicksal wie die des SEB Immoinvest und die Beteiligten an sechs weiteren Fonds, die aufgelöst wurden, weil deren Manager von vornherein keine Chance auf eine Wiedereröffnung sahen.

Existenzfrage: SEB lässt Anleger über Immobilienfonds entscheiden

Existenzfrage

SEB-Immobilienfonds kauft Anteile zurück

Zwei Jahre lang hat SEB-Immoinvest keine Anteile seiner Kunden zurückgekauft.

Fondsanbieter Credit Suisse Asset Management hatte wie wenige Tage zuvor SEB Asset Management die Verantwortung für das Überleben des Fonds auf die Anleger abgewälzt. Nun ist das Experiment missglückt, Verkaufsaufträge zu sammeln um erst dann zu entscheiden, ob das Geld in der Kasse ausreicht, um alle Anleger auszahlen. „Sofort abzuwickeln wäre unfair gewesen“, hatte Heuß, gesagt, als er ankündigte, die Anleger entscheiden zu lassen.

Die Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse hatte alle Verkaufsaufträge, die zwischen dem 9. Mai und heute bei der Depotbank des Fonds eingegangen waren, gesammelt. Die liquiden Mittel in Höhe von 1,36 Milliarden Euro, rund 32 Prozent des Fondsvermögens, reichten zum Schluss nicht aus, um alle Rückgabewünsche zu befriedigen. Dies war auch beim SEB Immoinvest so gewesen.

Credit Suisse kündigte gleichzeitig das Verwaltungsmandat für den Fonds zum 30. April 2017. Das Fondsmanagement hat bis dahin Zeit, die Fondsimmobilien zu verkaufen und die Erlöse an die Anleger auszuzahlen. Sollten bis dahin nicht alle Objekte veräußert sein, geht die Verwaltung an die Depotbank des Fonds über. Die erste Ausschüttung kündigte Credit Suisse Asset Management für das zweite Kalenderhalbjahr angekündigt. Sie solle spätestens mit der regulären Ertragsausschüttung im Dezember erfolgen. Die regulären Ausschüttungen stammen im Wesentlichen aus Mietüberschüssen.

Damit ist auch der letzte von den offenen Immobilienfonds für Kleinanleger aus dem Rennen, die Ende Oktober 2008 in die Krise gerieten. Damals löste die Pleite der US-Investmentbank Lehman Panik an den Finanzmärkten aus. Die Anleger liefen daraufhin auch in Scharen aus offenen Immobilienfonds. Zeitweise steckten mehr als 30 Milliarden Euro Anlegergelder in den Fonds fest. Mehrere Fonds öffneten zwischenzeitlich wieder, mussten später aber erneut schließen. Dazu gehören auch der CS Euroreal und der SEB Immoinvest.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Anlegerentscheidung...

21.05.2012, 18:21 Uhr

Hinter diesem von der Credit Suisse als 'Anlegerentscheidung' suggerierten Prozess steht letztlich die fehlende Bereitschaft der Credit Suisse, ihr Produkt z.B. durch eine temporäre Anteilsübernahme bis zu einer Marktberuhigung zu stützen. Damit zeigt die Credit Suisse letztlich - wie zuvor auch die SEB AG - wie sie zu ihren Bestandsanlegern steht. Dies wurde hier schon am 21.02.12 von Herrn Reichel richtig kommentiert.
Für die Mehrheit der jetzt von einer Minderheit 'überstimmten' Bestandsanleger ist es sehr bedauerlich, daß sich die Credit Suisse (wie zuvor auch SEB, AXA etc.) nicht an den früheren positiven Vorgaben von z.B. DEKA, DB oder Allianz orientiert haben.
Damit ist ein irreparabler Vertrauensschaden für die gesamte Fondsindustrie , aber auch für die betroffenen Finanzdienstleister entstanden.

Account gelöscht!

21.05.2012, 18:46 Uhr

Selber wurden mir auch im Mai 2010 über 7 000 Euro im Kanam Grundinvest eingefroren.

Nie wieder offener Immobilienfond!

Finanzberater

21.05.2012, 20:20 Uhr

Sowohl die Gesetzgeber als auch die Fondshersteller haben hier "das Lamm auf die Schlachtbank geführt".
Auch CS hätte ohne weiteres so wie andere große Banken den Fonds stützen können. Leider hat der Gesetzgeber keine Wegweisende Änderung der Regelungen durchgesezt, so dass nun viele Privatanleger die nicht Teil der Ursache sind dafür bluten dürfen. Sind das denn keine potenziellen Wähler die man hätte "retten" können?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×